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Marburg „Hoch mit der Bildung – runter mit der Rüstung“
Marburg „Hoch mit der Bildung – runter mit der Rüstung“
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19:58 05.04.2021
Beim Osterspaziergang zogen gestern 100 Demonstrationsteilnehmer durch Marburg.
Beim Osterspaziergang zogen gestern 100 Demonstrationsteilnehmer durch Marburg. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Marburg

Keine Rüstungsexporte, keine Atomwaffen, Abrüsten statt Aufrüsten – diese Forderungen standen gestern im Fokus beim Osterspaziergang durch die Stadt, bei dem rund 100 Teilnehmer Windböen und Schneeregen trotzten, um lautstark für den Frieden zu demonstrieren.

Traditionell stehen die Erinnerung an Kriege der Vergangenheit und die Warnung vor aktuellen Konflikten weltweit im Zentrum von Ostermärschen, die gestern bundesweit stattfanden, so auch in der Marburger Innenstadt. „Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz, ihre Vorstellungskraft für kommende Leiden ist fast noch geringer“ – das sagte der deutsche Schriftsteller Bertolt Brecht schon vor gut 70 Jahren.

Und dieses Zitat habe nichts an seiner Aktualität verloren, „an dieser Aussage hat sich bis heute nichts geändert, lasst uns die Warnung erneuern“, betonte gestern Vormittag Gewerkschafter Pit Metz für das Marburger Bündnis „Nein zum Krieg“, das zum Osterspaziergang eingeladen hatte.

Der Osterprotest startete mit einer Kundgebung am Deserteursdenkmal in der Frankfurter Straße, das kürzlich mit gelber Farbe beschmiert wurde. Dies sei indes kein Grund, sich provozieren zu lassen, betonte Metz kämpferisch. Im Gegenteil, gerade heute stünden der Antimilitarismus, die Bedeutung des Denkmals, die Erinnerung an „mutige Vorbilder“ im Mittelpunkt. Das Mahnmal sei „für Menschen, die ‚Nein‘ gesagt haben – dafür darf man dankbar sein“, sagte auch Thorsten Büchner für die Marburger SPD.

Vor dieser Kulisse sei die Warnung vor neuen Kriegen, die Forderung nach militärischen Grenzen auch in Deutschland umso bedeutsamer: Die Bundeswehr solle seiner Meinung nach zwar in dem Maße ausgerüstet sein, „um ihre Arbeit zu erledigen – dazu gehört aber nicht der Einsatz von bewaffneten Kampfdrohnen“, betonte Büchner.

Einer der Kritikpunkte des Bündnisses: Es lehnt eine Anschaffung von Kampfdrohnen und Kampfbombern für die Bundeswehr ab, setzt sich gemeinsam mit anderen politischen wie zivilgesellschaftlichen Gruppen – von Fridays for Future, „Jugend gegen Krieg“ bis zur Deutschen Friedensgesellschaft – für die generelle Abrüstung ein. Die Mitglieder fordern vor allem die Unterzeichnung des völkerrechtlich verbindlichen UN-Atomwaffen-Verbotsvertrages durch die Bundesregierung, lehnen zudem Auslandseinsätze der Bundeswehr ab.

Zudem fordern sie einen sofortigen Stopp von Rüstungsexporten, außerdem die Umstellung von Rüstungsproduktion hin zu einer zivilen Produktion (Rüstungskonversion). Vor dem alles überlagernden Hintergrund der Pandemie drohten diese Themen unterzugehen, ebenso der Kampf gegen den Klimawandel und die sozialen Auswirkungen von Corona, warnte Anna Hofmann von den Linken. Statt zur Bewältigung der Krise in Bildung und Gesellschaft zu investieren, stiegen weltweit die Rüstungsausgaben, „wir können aber nicht immer weiter in eine Politik der Aufrüstung setzen“, so Hofmann weiter.

Demo bei Regen und stürmischen Böen

Mit ihren Zielen plakatiert auf Bannern und Transparenten und via Megaphon auf den Lippen zogen die Teilnehmer unter Einhaltung der Corona-Regeln und begleitet von der Polizei über den Rudolphs­platz, die Biegenstraße, Deutschhausstraße und Bahnhofstraße durch die Nordstadt. Wiederholt bekräftigten viele Teilnehmer mit Parolen und Sprechchören ihre Forderungen: „Wir wollen Ausbildungsplätze statt Kriegseinsätze – hoch mit der Bildung, runter mit der Rüstung“.

Die Demo führte bei anhaltendem Regen und zeitweise stürmischen Böen durch größtenteils leere Straßen. Ziel war das Jägerdenkmal im Schülerpark mit der es umgebenden Installation „Verblendung“ als symbolträchtige Kulisse, vor der weitere Sprecher vor einem wachsenden globalen Konfrontationskurs warnten und mehr politisches Bemühen für den Frieden weltweit forderten.

Von Ina Tannert

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