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Marburg Rosenstraße: Stadt will sich für Mini-Mieten einsetzen
Marburg Rosenstraße: Stadt will sich für Mini-Mieten einsetzen
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10:00 31.08.2020
Edeka Pinschmidt in der Marburger Rosenstraße – was passiert nach der Schließung auf dem Grundstück?
Edeka Pinschmidt in der Marburger Rosenstraße – was passiert nach der Schließung auf dem Grundstück? Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Der Magistrat wird zwar keinen Anlauf unternehmen, das nun frei werdende Rosenstraßen-Grundstück der Wilhelm Felden GmbH zu kaufen. Aber um im Fall von Wohnungsbau durch den Privatinvestor auch die Errichtung von günstigen Apartments zu gewährleisten, wolle man mit der Firma über das geplante Mietpreis-Niveau sprechen. Das kündigte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) während der Stadtparlamentssitzung am vergangenen Freitagabend an.

„Ideal wäre, wenn Raum entsteht, der nicht nur Menschen mit Wohnberechtigungsschein vorbehalten ist. Die Spannweite von Preiswertigkeit ist schließlich weit“, sagt Spies. Als mögliches Modell für die Rosenstraße gilt dem OB dabei das Vorgehen beim Bauprojekt Eisenstraße im vergangenen Jahr, wo die Stadtspitze mit Investor Ulrich Burk einen „Letter of intent“ aufsetzte, der für Teile der Wohnungen eine 20 Jahre geltende Mietpreis-Deckelung vorsieht. Zielgruppe: Menschen, die zu wenig Einkommen für Eigentumserwerb oder teure Marburg-Mieten und doch zu viel Gehalt für einen Sozialwohnungs-­Bezug bekommen. Kritiker erkennen darin eine Aushöhlung der erst vor vier Jahren in der Universitätsstadt eingeführten Sozialwohnungsquote. Sie greift ab Projekten mit mindestens 20 Wohnungen. Dann sind private Investoren verpflichtet, 20 Prozent der Flächen für sozialen Wohnungsbau zu reservieren.

Kritiker wie etwa Tanja Bauder-Wöhr (Linke) sehen aber bei Bauherren – wie etwa in der Vergangenheit im Stadtwald –„Tricksereien“, um die Quote zu umgehen, indem Bebauungsflächen gezielt gestückelt werden und so mehr Rendite erwirtschaftet werden kann. Grundsätzlich hatte die Quote zuletzt aber noch nicht den Erfolg, den man sich kommunalpolitisch davon versprach.

Spies verteidigte das „Letter of intent“-Vorgehen seinerzeit, da so mehr günstiger Wohnraum für eine breitere Schicht entstehe.

Denn darin erkennt der OB das größere Problem in Marburg: Zu viele Marburger mit einem eher durchschnittlichen Haushaltseinkommen blieben bei der Wohnungssuche speziell in zentralen oder zentrumsnahen Gegenden auf der Strecke.

von Björn Wisker

31.08.2020
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