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Marburg Rollator-Bestellung führt zu Verurteilung
Marburg Rollator-Bestellung führt zu Verurteilung
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00:17 21.07.2018
Zu seiner 16. Geldstrafe ist ein 44-Jähriger Wiederholungstäter verurteilt worden, weil er einen Rollator für seine Frau kaufte und finanziell gar nicht dazu in der Lage war. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Obwohl ein 44-jähriger Marburger, der bereits 16 Mal vorbestraft ist, nicht über die entsprechende Finanzkraft verfügte, bestellte er für seine Ehefrau einen Rollator für 870 Euro. Erneut eine Geldstrafe. Mit einem derartigen Urteil hatte der 44-jährige Angeklagte bereits mehrmals Bekanntschaft gemacht. Mit 60 Tagessätzen zu je zehn Euro blieb die Ahndung von Thomas Vollmer, Richter auf Probe, unter der Forderung von Oberamtsanwalt Peter Heinisch von 75 Tagessätzen.

Im Juli 2016 bestellte der Mann ohne Schulabschluss einen 870 Euro teuren Rollator für seine Ehefrau, die unter eine Pflegestufe fällt, wie ihr Gatte erwerbslos ist und die Verhandlung mit einer vor kurzem geborenen Tochter auf dem Arm verfolgte. Allerdings verfügte der Beschuldigte zum damaligen sowie zum heutigen Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise über die finanziellen Mittel für ein solches Gerät.

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Zumal Heinisch dem 44-Jährigen vorhielt: „Dann müssen Sie mit dem Verkäufer vor dem Erwerb über Ratenzahlungen verhandeln. Nicht einfach bestellen, ohne zu wissen, wo das Geld herkommen soll! Außerdem hätten Sie sich auch für ein deutlich günstigeres Modell entscheiden können.“

16 Mal vorbestraft, aber nie im Gefängnis gewesen

Der Delinquent war anderer Meinung. Seine Frau habe eben diese Gehhilfe damals unbedingt gebraucht. „Der Staat lässt uns im Stich. Wir kriegen keinen Rollator bezahlt“, behauptete der Beschuldigte, der ohne Verteidiger aufkreuzte. Das konnte der Oberamtsanwalt nicht so stehen lassen: „Sie kriegen Hartz IV, Kinder-, Eltern- und Wohngeld. Den Staat hier zu beschuldigen, ist arg dünn von Ihnen.“

Wegen 16 Delikten, vor allem Diebstähle, war der 44-Jährige bereits vorbestraft. Allerdings hatte der Beschuldigte für seine Vergehen keinen einzigen Tag hinter Gittern verbracht. Mehrmals waren Bewährungsstrafen ergangen und hatten die Gerichte hohe Geldstrafen ausgeurteilt.

„Von denen sind viele verjährt“, behauptete der Beschuldigte kühn. Heinisch geriet erneut in Wallung: Da ist nichts verjährt! Sie sind zwischen 1988 und 2016 immer wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten. Da konnte nie irgendetwas getilgt werden.“

In Form von 25-Euro-Raten zahlt der Beschuldigte seit Dezember 2017 die 870 Euro ab. Richter Vollmer urteilte aus, dass der noch ausstehende Betrag vom Angeklagten weiterhin abzuzahlen ist.

von Benjamin Kaiser