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Marburg Roboter verhilft zu besserem Ergebnis
Marburg Roboter verhilft zu besserem Ergebnis
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08:52 06.07.2021
Dr. Benjamin Saß (links, Geschäftsführender Oberarzt) und Professor Christopher Nimsky (Direktor der Klinik für Neurochirurgie) zeigen den Operations-Roboter in der Neurochirurgie am Marburger Uniklinikum.
Dr. Benjamin Saß (links, Geschäftsführender Oberarzt) und Professor Christopher Nimsky (Direktor der Klinik für Neurochirurgie) zeigen den Operations-Roboter in der Neurochirurgie am Marburger Uniklinikum. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Operationen bei Bandscheibenvorfällen können dank moderner Medizintechnologie schonender durchgeführt werden als in der Vergangenheit. Professor Christopher Nimsky, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKGM, und Dr. Benjamin Saß, Geschäftsführender Oberarzt, berichten, dass inzwischen Bandscheiben-Operationen mit dem OP-Mikroskop zum Standard gehören.

Dabei beginnt die OP mit einem nur wenige Zentimeter langen Hautschnitt statt wie früher mit einem langen Schnitt durch die Bauchdecke. Operiert wird von der Seite oder von hinten. Ein hochauflösendes Mikroskop leuchtet den OP-Bereich aus. Der Operateur sieht den OP-Bereich dreidimensional. Die „Navigation“ erfolgt unter CT. Einige Operationssäle im UKGM sind mit dieser Technik ausgerüstet (die OP berichtete).

1.000 Operationen mit OP-Mikroskop

Während dieses OP-Verfahren seit einigen Jahren am UKGM Standard ist – laut Nimsky wurden schon etwa 1.000 Operationen mit dem OP-Mikroskop durchgeführt – kommt nun in Marburg ein weiteres Hilfsmittel der modernen Medizintechnologie hinzu: Ein virtuelles Abbild des Wirbels wird auf den wahren Wirbel gelegt, um so den genauen Punkt zu bestimmen, an dem die Schraube gesetzt werden kann.

„Augmented reality“, konstruierte Realität, nennen Experten einen solchen Ansatz. „Wir erleben dadurch deutlich weniger OP-Komplikationen“, berichtet Nimsky, und Saß hebt die „unmittelbare Erfolgskontrolle“ der OP hervor. „Dadurch erspart man in vielen Fällen eine zweite OP“, sagt er.

100 Wirbelsäulen-Operationen

Übrigens: Wer Facharzt für Neurochirurgie werden will, muss mindestens 100 Wirbelsäulen-Operationen nachweisen, berichtet Saß.

Weiterer Vorteil dieser minimal-invasiven Operationsmethode: Der Patient ist schneller wieder fit, Gewebe wird geschont, die Operationszeit vermindert. Als Richtwert geben Nimsky und Saß etwa eine Stunde an. Der virtuelle Wirbel im Blickfeld des Operateurs wurde etwa 100 Mal angewendet, gehört also damit auch schon zu den etablierten Operationsmethoden.

Nun auch für Wirbelsäulen-OPs

Auf diese Technologie setzt nun der OP-Roboter auf, mit dem nahe­zu jeder beliebige Punkt des Körpers erreicht werden kann. Er wird seit 2017 am UKGM eingesetzt, seit wenigen Wochen auch für Wirbelsäulen-OPs.

Robotische Assistenzsysteme setzen sich in der modernen Krankenhausmedizin seit Jahren immer mehr durch. Auch in der Pflege können solche Assistenzsysteme eingesetzt werden – aber sie ersetzen, wie schon 2017 der damalige Rhön-Vorstandsvorsitzende Stephan Holzinger sagte, „den Arzt nicht, sondern erleichtern seine Arbeit im Sinne des Patienten“.

Der digitale Abgleich von Patientendaten könne ausgebaut werden, und in der Pflege muss nicht alles durch eine menschliche Pflegekraft erledigt werden: Die Überwachung von Patienten zur Sturzvermeidung etwa oder die Essensausgabe könnten auch von Robotern erledigt werden.

Von Till Conrad

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