Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg „Opposition“ sagt konstruktive Mitarbeit zu
Marburg „Opposition“ sagt konstruktive Mitarbeit zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 09.03.2022
Am Richtsberg gibt es neben Herausforderungen auch heftigen Streit im Ortsbeirat.
Am Richtsberg gibt es neben Herausforderungen auch heftigen Streit im Ortsbeirat. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg.

Mit Spannung blicken viele Richtsbergerinnen und Richtsberger auf die nächste Sitzung des Ortsbeirats, die am Donnerstagabend (10. März) ab 18.30 Uhr im Großen Saal der Richtsberggemeinde, Am Richtsberg 70, stattfindet.

Mit dem Bezug der ersten Wohnungen im früheren Altenpflegezentrum in der Sudetenstraße durch Flüchtlinge aus der Ukraine steht der Stadtteil vor neuen Herausforderungen. Ortsbeiratsmitglied Bettina Böttcher-Dutton (SPD), zugleich Ombudsfrau Wohnen für die Stadt Marburg, listet zudem den Renovierungsbedarf vieler Wohnungen am Richtsberg auf und die Problematik explodierender Energiekosten, die gerade den meist weniger Betuchten im Stadtteil zu schaffen machen.

Sitzung steht unter dem Eindruck der Querelen

Die Sitzung des Ortsbeirats steht am Donnerstag aber unter dem Eindruck der schweren Querelen zwischen fünf Ortsbeirats-Mitgliedern und Ortsvorsteherin Erika Lotz-Halilovic (SPD). Die schweren Unstimmigkeiten hatten sogar dazu geführt, dass der SPD-Ortsverein Richtsberg in der vergangenen Woche dem Ortsbeiratsmitglied Dr. Gerhard Peleska das Recht abgesprochen hatte, im Namen der Partei im Ortsbeirat zu agieren. Ihm wurde stattdessen der Rücktritt aus dem Gremium nahegelegt. Nachrücker wäre, kleine Pikanterie am Rande, der Vorsitzende des Ortsvereins, Jens Bertrams.

Peleska denkt aber gar nicht daran, zurückzutreten. Er wirft stattdessen Ortsvorsteherin Lotz-Halilovic vor, nicht transparent zu arbeiten und die Ortsbeiratsmitglieder nicht einzubeziehen.

Die Anträge der Sitzung gehen um Protokolle und Redelisten, um die Umsetzung von Beschlüssen und öffentliche Stellungnahmen.

Die stellvertretende Ortsvorsteherin Runhild Piper (CDU) betont wie auch Bettina Böttcher-Dutton, dass der Ortsbeirat parteiübergreifend arbeiten sollte. Man müsse zur Sacharbeit zurückfinden, sagt Piper. Sie wirft der Ortsvorsteherin vor, sie setze Beschlüsse des Gremiums nicht um, und findet darin Unterstützung von Professor Heinz Stoffregen (CDU) und Bernd Hannemann (Die Linke), die das ähnlich sehen.

„Dabei ist das eine ihrer Hauptaufgaben“, sagt Stoffregen. Dennoch, betont etwa Peleska, wolle man im Ortsbeirat „konstruktiv mitarbeiten“ – das gilt auch für die Sitzung am Donnerstagabend.

Langfristig hat der Ortsbeirat beschlossen, sich einer Mediation zu unterziehen – aber mit unterschiedlicher Begeisterung. Während Hannemann von positiven Erfahrungen berichtet und auch Böttcher-Dutton die Mediation will, sind andere Mitglieder skeptischer. Dem Beschluss vom Januar sind in jedem Fall noch keine Konsequenzen gefolgt.

Mediation oder Gremium unter neuem Vorsitz

Dabei sind sich alle einig, dass der gegenwärtige Zustand nicht haltbar ist. Es sei „unendlich bedauerlich“, dass Querelen im Ortsbeirat in die Öffentlichkeit geraten seien, sagt etwa Böttcher-Dutton, und Peleska ergänzt, beide Seiten müssten Kompromissbereitschaft zeigen. Ob das heute Abend funktioniert, wird man sehen. Langfristig bliebe, wenn das misslingt, neben einer Mediation nur die Möglichkeit, einen neuen Ortsvorsteher oder eine neue Ortsvorsteherin zu wählen. Davor schrecken alle Beteiligten im Moment zurück, sind sich zudem unsicher, ob sie die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreichen würden.

Bleibt also eigentlich nur die parteiübergreifende Zusammenarbeit, die aktuelle Sitzung wäre dazu die erste Gelegenheit.

Von Till Conrad