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Marburg Richtsberg 88 kann abgerissen werden
Marburg Richtsberg 88 kann abgerissen werden
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12:09 19.09.2019
Das seit 2014 unbewohnbare Haus „Am Richtsberg 88“, das als Wohnheim für studentische Familien genutzt worden war, darf abgerissen werden. Archivfoto: Björn Wisker
Das seit 2014 unbewohnbare Haus „Am Richtsberg 88“, das als Wohnheim für studentische Familien genutzt worden war, darf abgerissen werden.  Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Das berichtete Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn im Landtag aufgrund einer Anfrage des Marburger Abgeordneten Jan Schalauske (Die Linke).

Allerdings, so Dorn, kann das Gebäude, das bei dem Brand im Juni 2014 so schwer beschädigt worden war, dass es seitdem unbewohnbar ist, erst im Herbst, nach Abschluss der Vogelbrutzeit, abgerissen werden.

Dorn teilte weiter mit, dass im Anschluss an den Abriss das Studentenwerk Marburg einen­ Ersatzneubau für studentisches Wohnen an gleicher Stelle plant.

Studentenwerks-Geschäftsführer Dr. Uwe Grebe sagte gestern der OP auf Anfrage, konkrete Planungen für einen Ersatzbau gebe es noch nicht. Die will das Studentenwerk sich nach erfolgtem Abriss Anfang 2020 machen. Nach derzeitigem Stand werde aber „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht erneut ­
gebaut.

Dr. Grebe sieht für den Neubau auch keine allzu hohe Eilbedürftigkeit. Die verloren gegangenen Wohnheimplätze seien weitgehend andernorts neu entstanden:

  • Durch den im letzten Jahr fertiggestellten Neubau des Studierendenwohnheims „Hasenherne“ sind 80 neue Wohnheimplätze entstanden (die OP berichtete). Das Wohnheim ist mit 25 Zweizimmerwohnungen und zehn Dreizimmerwohnungen auch für studentische Familien mit Kind geeignet.
  • „Außerdem können alle Einrichtungen des Studentendorfes mitgenutzt werden, unter anderem auch das Internationale Studien- und Begegnungszentrum“, sagte Dorn im Landtag.
  • Bereits im Jahr 2016 wurden weitere 60 Plätze in der Gutenbergstraße 31, auf dem Gelände des früheren Arbeitsgerichts, geschaffen.
  • Beide Projekte sind durch das Förderprogramm des Landes zur Förderung von studentischem Wohnraum durch Baukostenzuschüsse oder Darlehen gefördert worden, betonte­ die aus Marburg stammende ­Ministerin.
  • Noch in diesem Jahr soll zudem mit dem Bau von 74 neuen Wohnheimplätzen im Hermann-Jacobsohn-Weg 3, dem alten Sprachatlas, begonnen werden. Die Baugenehmigung liege jetzt vor, sagte Dr. Grebe der OP.

Nach jahrelangen Verhandlungen hatten das Studentenwerk Marburg als Gebäudeeigentümer und die Versicherungen im vergangenen Jahr Einigung über die Höhe der Versicherungssumme erzielt.

Jetzt gebe es die „sehr überlegenswerte Chance“, ein über 40 Jahre altes Bauwerk „niederzureißen, um in der Folge etwas Modernes hinzusetzen“, hatte Grebe 2018 gesagt, nachdem die Vereinbarung mit der Allianz-Versicherung unter Dach und Fach war.

Seit dem Brand standen die 120 Wohnungen, die vor allem von Studierenden mit Familien genutzt worden waren, aus ­Sicherheitsgründen leer.

Mehr als 280 Bewohner mussten damals aus dem brennenden Haus, teilweise mit Drehleitern, aus den obersten der zwölf Stockwerken des Gebäudes gerettet werden.

Dutzende Ex-Bewohner des vor allem auf Studentenfamilien und ausländische Hochschüler ausgelegten Wohnheims lebten danach bisweilen monatelang in Notunterkünften.

von Till Conrad