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Marburg Richtsberg 88: Rückbau statt Sprengung
Marburg Richtsberg 88: Rückbau statt Sprengung
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17:55 23.10.2019
Die Abrissarbeiten haben begonnen. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Durch den Brand des Studentenwohnheims „Richtsberg 88“ hatten im Juni 2014 280 Bewohner praktisch über Nacht ihr Zuhause verloren. Nach jahrelangen Unklarheiten und zähen Verhandlungen erzielte das Studentenwerk vor wenigen Monaten eine Übereinkunft mit der zuständigen Versicherungsgesellschaft über die Höhe der ausgezahlten Schadenssumme.

Jetzt hat der Abriss des ­Gebäudes begonnen. Über die genaue Höhe der für den Abriss benötigten Höhe der Summe bewahrte Studentenwerks-Geschäftsführer Dr. Uwe Grebe­ im Gespräch mit der OP Stillschweigen. Nur so viel ist sicher: Sie beträgt mehr als eine Million Euro. Gewartet wurde mit dem Start des Rückbaus bis zum Ende der Vogelbrutzeit, teilte Franziska Busch vom Marburger Studentenwerk auf OP-Anfrage mit.

Der Abriss wird durch die ­dafür beauftragten Abrissunternehmen zweigeteilt. Begonnen wird mit den Arbeiten zunächst im Inneren des zwölfstöckigen Gebäudes. Weil in dem im Jahr 1973 errichteten Hochhaus wie damals üblich auch viel Asbest verbaut wurde, werden beispielsweise Böden, Leitungen oder Lüftungsschächte unter Aufsicht eines Schadstoffgutachters entfernt.

Die grundsätzliche Vorgabe lautet, dass dort eine schadstoffgerechte Entsorgung erfolgen solle. Weil im Gebäude auch Schadstoffe wie Asbest verbaut worden sind, muss es unter Aufsicht eines Gutachters Stück für Stück zurückgebaut werden. Für den Komplettabriss sind neun Monate eingeplant. Diese Arbeiten sollen laut Plan voraussichtlich bis zum März nächsten Jahres andauern.

Erst danach soll auch der Rückbau der Außenhülle des Hochhauses beginnen. Allerdings machte Studentenwerks-Sprecherin Franziska Busch bereits deutlich, dass auch dieser Rückbau schonend vonstatten gehen soll. Eine Sprengung des gesamten Hochhauses wird es also auf keinen Fall geben. Das Rohbau-Gerippe soll danach von Großbaggern von oben nach unten abgetragen werden.

Studentenwerks-Geschäftsführer Uwe Grebe betonte, dass diese Vorgehensweise die Entscheidung der Abrissfirmen gewesen sei. Grundsätzlich gegen eine Sprengung des Restgebäudes habe aber gesprochen, dass dadurch die in der Nachbarschaft befindlichen Gebäude sonst eventuell hätten beeinträchtigt werden können. Der Schutz der Nachbarschaft habe aber bei dem ganzen Abbruch-Vorhaben oberste Priorität, ­sagte der Studentenwerks-Chef. Weil das Studentenwerk in den letzten Jahren bereits andernorts neuen Wohnraum für ­Familien gebaut hat, gab es zwischenzeitlich auch öffentlich geäußerte Befürchtungen, dass das Grundstück verkauft und privatisiert werden könnte.
Doch das ist nicht der Fall, wie Grebe betonte. Das Grundstück befinde sich nach wie vor im Besitz des Studentenwerks. An der Stelle des vor einigen Jahren durch den Brand unbewohnbar gemachten Wohnheims will das Studentenwerk wieder attraktiven Wohnraum für Studierende errichten.

Genaue Pläne für einen möglichen Neubau gibt es allerdings noch nicht und auch noch keinen detaillierten Zeitplan. Nur soviel ist sicher: Es wird kein Hochhaus mehr auf dem Grundstück errichtet werden. Stattdessen könnte sich Grebe beispielsweise vorstellen, dass zwei bis drei fünfstöckige Häuser gebaut werden.

von Manfred Hitzeroth