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Marburg Richtsberg 88: Hochhaus fällt im Oktober
Marburg Richtsberg 88: Hochhaus fällt im Oktober
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16:31 22.10.2019
Am 24. Juni 2014 stand das Hochhaus Am Richtsberg 88 in Flammen. Gut fünf Jahre später wird das ­Gebäude abgerissen. Foto: Thorsten Richter
Am 24. Juni 2014 stand das Hochhaus Am Richtsberg 88 in Flammen. Gut fünf Jahre später wird das ­Gebäude abgerissen. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Unser Foto von dem Haus ist möglicherweise eines der letzten. Noch im Oktober soll es abgerissen werden. Nach einem verheerenden Brand im Sommer 2014 war es unbewohnbar und stand seitdem leer. Das Stu­dentenwerk verhandelte ­lange mit der Versicherung über die Zukunft des Gebäudes, ehe ­feststand: Das Hochhaus wird abgerissen. Die Abrissgenehmigung liegt bereits seit Anfang des Jahres vor, allerdings musste die Vogelbrutzeit noch abgewartet werden.

Was mit dem Grundstück passieren soll, darüber gibt es noch keine konkreten Auskünfte. Befürchtungen, nach denen das Studentenwerk das Grundstück verkaufen wird, treffen aber wohl nicht zu. Das berichtete ­jedenfalls Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) auf eine Frage des Landtagsabgeordneten Jan Schalauske (Linke) im Hessischen Landtag.

Lange Zeit hatte das Studentenwerk als Eigentümer des Gebäudes mit der Versicherung über die Höhe der Versicherungssumme verhandelt. Eine Einigung wurde erst im Frühjahr 2018 erzielt. Das Studentenwerk entschied sich danach dagegen, das Gebäude an gleicher Stelle in der bisherigen Form wieder aufzubauen. Man habe die Chance, einen 40 Jahre alten Bau durch etwa ­Neues, Modernes zu ersetzen, sagte  der Studentenwerks-Geschäftsführer Dr. Uwe Grebe damals.

Insgesamt hatten 280 Menschen in dem zwölfstöckigen Gebäude gewohnt. „Die meisten der Plätze haben wir in der Zwischenzeit bereits ersetzt“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Studentenwerks ­Marburg, Arne Kauffmann.

Der Brand im Juni 2014 zog den größten Feuerwehreinsatz seit der Katastrophe im Squash-Center im Jahr 1995 nach sich. Die Bewohner mussten damals aus dem brennenden Haus, teilweise mit Drehleitern aus den obersten Stockwerken des Gebäudes gerettet werden.

Dutzende Ex-Bewohner des vor allem auf Studentenfamilien und ausländische Hochschüler ausgelegten Wohnheims lebten danach bisweilen monatelang in Notunterkünften.
Die Schließung des Wohnheims verschärfte seitdem den Apartmentmangel in der Stadt, das Studentenwerk errichtete in der Folge ein Wohnheim in der Gutenbergstraße. Das Wohnheim Hasenherne, das nach dem Brand laut Grebe in Richtung WGs und Familienzimmer umgeplant wurde, eröffnete inzwischen, und nach dem Abriss des Alten Sprachatlasses im Hermann-Jacobsohn-Weg entstehen auch hier weitere Wohnheimplätze.

Die Polizei ging im Sommer 2014 am Richtsberg von Brandstiftung aus, bis heute ist der Täter nicht gefasst. In den Jahren des Leerstands brachen Unbekannte in das Gebäude ein, entleerten Feuerlöscher und richteten so weitere Schäden an.

von Till Conrad