Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mehr Patienten, aber weniger Gewinn
Marburg Mehr Patienten, aber weniger Gewinn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 25.03.2020
Das Universitätsklinikum in Marburg gehört zur Rhön-Klinikum AG. Deren Patientenzahl konzernweit legte im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent zu. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2019 legt die Rhön-Klinikum AG nun ihren Fokus auf die nach eigenen Angaben „bestmögliche medizinische wie wirtschaftliche Bewältigung“ der Corona-Pandemie. Abseits davon hat der Vorstand des Aktienkonzerns die Verbesserung der medizinischen Prozesse im Kerngeschäft, den operativen Start des Telemedizinanbieters Medgate Deutschland und die Fortsetzung der Campus-Strategie sowie die digitale Transformation des Unternehmens als Schwerpunkte auf der Agenda für das Jahr 2020. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit und veröffentlichte zugleich die Bilanz für das vergangene Jahr.

Das ist für den Klinikkonzern überaus erfolgreich gewesen. Der Umsatz ist der Pressemitteilung nach um 5,8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gestiegen. Das EBITDA – also der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände – lag mit 125,3 Millionen Euro nahezu auf dem Niveau des Jahres 2018. Die EBITDA-Marge betrug 9,6 Prozent. Unter Berücksichtigung höherer Abschreibungen und Finanzierungskosten resultiere daraus ein Konzerngewinn von 44,5 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es 51,2 Millionen Euro gewesen. Als Grund für den Gewinnrückgang nannte das Unternehmen unter anderem „regulatorische Eingriffe, ein wettbewerbsintensives Umfeld und schwierige Bedingungen bei der Gewinnung von Fachkräften“. Zudem seien erstmalig die positiven Ergebnisse aus der Einigung über die sogenannte Trennungsrechnung am Universitätsklinikum Gießen und Marburg bilanziell realisiert worden.

860 528 Menschen wurden medizinisch behandelt

Die Zahl der behandelten Patienten an den fünf Klinik-Standorten Marburg, Gießen, Bad Neustadt, Bad Berka und Frankfurt (Oder) stieg um 1,2 Prozent auf 860 528 Menschen an.

„2020 wird angesichts der stark ergebnisbelastenden Regulierung und einiger operativer Herausforderungen an einzelnen Standorten ein schwieriges Jahr werden“, sagte Stephan Holzinger, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG. Mit der aktuellen Corona-Pandemie inmitten eines Übernahmeprozesses hätten die Herausforderungen zugenommen. „Während wir die medizinischen Aufgaben sehr gut vorbereiten können, bleibt im Moment unklar, welche wirtschaftlich negativen wie auch positiven Folgen die Corona-Krise für das Unternehmen haben könnte. Mit dieser Unsicherheit werden wir, wie wohl auch die Branche, noch eine Weile umgehen lernen müssen“, ergänzte Holzinger.

Die Corona-Pandemie verdeutliche derzeit auch das Potenzial der Telemedizin, teilt das Unternehmen mit. Rhön war im vergangenen Jahr beim Schweizer Telemedizinanbieter Medgate eingestiegen, hatte zum Jahresende 2019 einen Deutschland-Ableger gegründet und plant, mit diesem ab Sommer ein eigenes Angebot an den Start zu bringen.

Zum Übernahmeangebot durch die Asklepios Kliniken machte der Konzern keine weiteren Angaben. Sobald das Angebot vorliege, würden Vorstand und Aufsichtsrat die Unterlage prüfen und dazu Stellung nehmen.

1,4 Milliarden Euro Umsatz für 2020 erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die Rhön-Klinikum AG mit einem Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. Für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wird mit einem Wert zwischen 72,5 Millionen und 82,5 Millionen Euro kalkuliert. Der Grund dafür seien die gegenüber 2019 „weiter verschärften gestiegenen regulatorischen Eingriffe des Gesetzgebers“.

Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung vorschlagen, eine Dividende von 0,25 Euro je dividendenberechtigter Stückaktie auszuschütten. 2018 waren noch 0,29 Euro je Aktie ausgezahlt worden.

Von Katharina Kaufmann-Hirsch