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Marburg Rewe gibt Markt am Richtsberg auf
Marburg Rewe gibt Markt am Richtsberg auf
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12:11 21.02.2020
Der Rewe-Markt am Richtsberg wird zum Jahresende schließen.  Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Anja Krauskopf, Pressesprecherin der Region Mitte des Handelskonzerns, erläutert auf Anfrage der OP: „Rewe hat sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen entschlossen, den Standort am Richtsberg aufzugeben. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten wie Lage und Alter des Objekts ist der Standort schon seit längerem nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Somit konnte in unserem Hause auch kein Nachnutzer für den Standort gefunden werden.“

André Kaiser von der Kaiser OHG, Betreiber des Markts, betont auf OP-Anfrage ebenfalls, dass sich der Markt betriebswirtschaftlich nicht betreiben lasse. Im November 2011 hat er den Markt übernommen, „und obwohl es nie richtig gut lief haben wir den Mietvertrag bereits zweimal verlängert – sowohl in 2014 als auch noch einmal drei Jahre später“, sagt Kaiser.

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„Wir haben alles versucht, den Standort zu retten“, so Kaiser. Doch nun müsse er die Reißleine ziehen, denn vom Drauflegen könne niemand leben. „Wir haben wirklich alle Möglichkeiten versucht, am Richtsberg schwarze Zahlen zu schreiben – das war aber leider nicht möglich“, betont Kaiser.

Auch für ihn würde eine mögliche Investition „sich in keiner Weise rentieren – daher haben wir uns schweren Herzens dazu entschieden, den Markt nicht weiter zu betreiben.“ Man könne auch den Mitarbeitern der anderen Märkte in Fronhausen nicht zumuten, „dass wir das Unternehmen sonst an die Wand fahren“. Denn in der Filiale Richtsberg habe man quasi immer Geld drauflegen müssen – „in schlechten Jahren sogar so viel, dass es unser Unternehmensjahresergebnis in der Tat massiv bedroht hat.“

Neue Postfiliale   

Leicht fällt die Schließung dem Vollblut-Kaufmann nicht. Und er will auch seine Mitarbeiter unterbringen – entweder im eigenen Markt in Fronhausen, gegebenenfalls auch im Markt seines Bruders in Dautphe. „Und Mitarbeiter, die nicht mobil sind, unterstützen wir und versuchen, sie in anderen Märkten in Marburg unterzubringen.“

Der Ortsbeirat des Stadtteils Richtsberg hat sich in seiner letzten Sitzung bereits mit der angekündigten Schließung beschäftigt. Ortsvorsteherin Erika Lotz-Halilovic (SPD) sagte im Gespräch mit der OP, vor allem mache dem Ortsbeirat die Zukunft der einzigen Postfiliale im mehr als 8 000 Einwohner zählenden Ortsteil Sorge. Sie ist zur Zeit im Getränkemarkt untergebracht.

Zumindest in dieser Beziehung kann Postsprecher Alexander Böhm beruhigen. Er verweist auf eine bindende Verordnung mit dem klangvollen Namen „Post-Universaldienstleistungsverordnung“. Die Verordnung, im Dienstjargon „Pudl“ genannt, legt fest, dass in zusammenhängend bebauten Gebieten, also etwa dem Stadtteil Richtsberg, mindestens eine stationäre Poststelle, sprich eine Filiale, stehen muss.

Es wird also weiter eine Postfiliale am Richtsberg geben. Böhm sagte, die Post wisse offiziell noch nichts von den 
Schließungsplänen des Rewe-Markts. „Pudl“ schreibt vor, dass „frühzeitig, mindestens zehn Wochen vor der Maßnahme, das Benehmen mit der zuständigen kommunalen Gebietskörperschaft herzustellen sei. Wo also die neue Filiale stehen soll, darüber soll noch entschieden werden.

Andreas Schmidt 
und Till Conrad     

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