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Marburg Heimische Retter helfen in Unwettergebieten
Marburg Heimische Retter helfen in Unwettergebieten
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09:00 17.07.2021
Um 5 Uhr am Freitagmorgen brachen Einsatzkräfte des Wasserrettungszuges des Landkreises am Landratsamt zum Einsatz in den Hochwassergebieten auf.
Um 5 Uhr am Freitagmorgen brachen Einsatzkräfte des Wasserrettungszuges des Landkreises am Landratsamt zum Einsatz in den Hochwassergebieten auf. Quelle: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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Massive Überschwemmungen, eingestürzte Häuser, zahlreiche Vermisste und mehr als 100 Tote: Die verheerende Unwetter-Katastrophe im Westen Deutschlands nimmt immer größere Ausmaße an. Retter und Helfer aus der ganzen Republik sind in den Katastrophengebieten im Einsatz – auch aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf machten sich am Donnerstag und Freitag Einsatzkräfte auf den Weg nach Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Allen voran das hiesige Technische Hilfswerk (THW) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die mit dem Wasserrettungszug Marburg-Biedenkopf ausrückte, wie der Landkreis auf Nachfrage bestätigt.

Flutwelle reißt Brücken weg, Gebäude stürzen ein

Im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) halfen am Freitag neun Einsatzkräfte des THW, einen Zugang zum Ort Altenburg zu schaffen. Das berichtete der Marburger Ortsbeauftragte des THW, Jörg Linne, der OP aus dem Einsatzgebiet. Altenburg, ein Ortsteil von Altenahr, war vom Fluss Ahr überflutet worden.

Die Flutwelle habe in dem Ort Brücken weggerissen, Gebäude seien eingestürzt, schilderte Linne die Situation. Betonteile, Schutt und Äste versperrten die Straßen. „Wir sind mit drei Räumpanzern der Bundespolizei und einem Radlader im Einsatz“, sagte er.

Ziel der Einsatzkräfte war zunächst, den Zugang nach Altenburg so weit zu räumen, dass schwere Lastwagen der Bundeswehr in den Ort fahren und ein Altenheim evakuieren können. Die Arbeiten hatten bereits am Morgen begonnen und dauerten am Nachmittag immer noch an, wie die OP auf Nachfrage beim THW erfuhr. „Wir haben auch medizinische Notfälle im Ort“, fügte Linne hinzu.

Die neun Marburger THW-Einsatzkräfte hatten sich bereits am Donnerstagabend auf den Weg nach Rheinland-Pfalz gemacht. Linne rechnet damit, dass weitere Helfer aus Marburg und Umgebung zum Einsatz in der Region beordert werden.

Auch am Freitag rückten bereits weitere Retter aus: Um 5 Uhr am Morgen starteten 25 Rettungskräfte des Wasserrettungszugs des Landkreises von Marburg aus zum zentralen Sammelpunkt in Düsseldorf. Von dort ging es für die Kräfte weiter zu Einsatzorten in Nordrhein-Westfalen. Den Wasserrettungszug stellt die DLRG und setzt sich aus verschiedenen DLRG-Einheiten aus dem Kreis zusammen. Auch von der Feuerwehr Dreihausen wurde ein Lkw zur Unterstützung der Gruppe angefordert, der sich gemeinsam mit drei Einsatzkräften ebenfalls auf dem Weg machte.

Voll beladen ist das Einsatzfahrzeug mit Ausrüstung für die Errichtung von Notunterkünften – Feldbetten und weiteres Equipment zur Versorgung der Einsatzkräfte vor Ort. Das stammt aus dem Katastrophenschutz-Zentrallager in Marburg-Cappel, in dem Ausrüstung für verschiedene Not- und Einsatzfälle bereitgehalten wird. Der Einsatz in den Hochwasser-Gebieten soll voraussichtlich eine Woche dauern.

Hessen entsendet vor allem Spezialisten

Anders als beim Elbehochwasser 2013, bei dem 110 Katastrophenschützer von Feuerwehr, THW und DRK binnen Stunden Richtung Dresden aufbrachen, entsendet das Land Hessen derzeit vor allem Spezialisten in die Katastrophenregion – wie etwa die Wasserrettung, die nach wie vor in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz dringend benötigt wird.

Vor acht Jahren war die Lage in den Hochwassergebieten anders, dort kam ein kompletter Verband aus Katastrophenschutz-Zügen des Landkreises Marburg-Biedenkopf zum Einsatz. Die Ehrenamtlichen halfen vor allem bei der Deichsicherung, in Brandenburg etwa, und wurden später für ihre Leistung ausgezeichnet, auch vom Land Brandenburg.

Die Zahl der Katastrophenschutzhelfer bezifferte das hessische Innenministerium mit insgesamt rund 750, die meisten davon sind nach Angaben eines Sprechers Feuerwehrleute. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kündigte weitere Unterstützung für die Hochwassergebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz an.

„In dieser besonderen Situation geht es jetzt darum, Menschenleben zu retten und so schnell wie möglich Not zu lindern. Nur gemeinsam können wir dieser Katastrophe begegnen“, sagte er.

Von Ina Tannert, Stefan Dietrich und Björn Wisker

16.07.2021
16.07.2021