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Marburg Restaurant Q startet Crowdfunding-Kampagne
Marburg Restaurant Q startet Crowdfunding-Kampagne
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18:01 21.05.2018
Jörg Schlimmermann und Isabel Manthe im Kesselhaus der alten Brauerei, in dem das „große Q“ langsam Form annimmt. Per Crowdfunding soll der „Feinschliff“ finanziert werden. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Als Zeichnung auf der Wand ist die Vision von Jörg Schlimmermann bereits zu sehen. Dort, wo später ein Durchbruch zum historischen Kesselhaus der alten Brauerei Bopp erfolgen soll, ist eben dieses Kesselhaus schematisch dargestellt – mit einer Galerie, die Platz für Publikum bietet, einer Bühne – „und jeder Menge Platz zum Feiern“, sagt Schlimmermann.

Noch ist die „Q-Küche“ Dreh- und Angelpunkt des kulturellen Treibens. Das Café-Restaurant bietet zwei Wohnzimmer in der oberen Etage – und eben die offene Küche mit einigen Sitzplätzen. Dort finden Lesungen ebenso statt, wie Partys und Konzerte. „Drei bis vier Bands spielen mittlerweile wöchentlich“, sagt Schlimmermann. Und betont, dass es sich um ­eine Kultur der Wertschätzung handelt, denn: „Neben den regionalen Bands spielen bei uns auch zahlreiche internationale Künstler, die jedoch noch nicht so bekannt sind. Daher werden sie an anderen Orten häufig abgewiesen, da sich mit ihnen ­keine 300 Karten verkaufen lassen.“

Umbau im Kesselhaus ist bereits im vollen Gange

Nicht so im „Q“: „Unsere Gäste wissen, dass hier immer irgendwas los ist. Und so haben wir bereits ein großes Stammpublikum“, sagt er.

Doch die vorhandenen Plätze­ reichen nicht aus, um wirklich kostendeckend zu arbeiten. Denn die Kultur ist „ungefördert“, wie Jörg Schlimmermann betont. Zudem ist es von jeher ein Traum des „Q“-Teams, den Raum der nebenliegenden Brauerei auszubauen – so soll das große „Q“ entstehen. Der Umbau ist bereits in vollem Gange. „Heizung und Elektrik sind installiert, die Galerie ist bis auf die Geländer fertig. Und seit dieser Woche ist auch der Fußboden fertig – es geht voran.­
Wir könnten schon fast los­legen“, sagt der Enthusiast.

Doch um dem Kesselhaus den letzten Feinschliff zu geben und das „Q“ insgesamt voranzutreiben, fehlt es am Geld. Und dabei setzt Schlimmermann gemeinsam mit Geschäftsführerin Isabel Manthe auf das Internet – „Crowdfunding“ lautet das Stichwort. 25 000 Euro sollen so bis zum 31. Mai als erstes Ziel zusammenkommen – damit könne man das große „Q“ betriebsfähig machen und den Ausbau des Kesselhauses abschließen.

Kaffee-Flatrate und persönliches Gedicht

„Die antiken Möbel im Lager warten schon auf ihren Einsatz“, heißt es. Als zweites Ziel stehen 40.000 Euro – damit könne man die Räume der oberen Ebenen erschließen „und so unser Konzept ganz entfalten“.

Crowdfunding funktioniert dabei nicht durch einfache Spenden – obwohl dies auch ginge. Aber prinzipiell erkaufen sich die Teilnehmer mit ihrem Geld kleine Extras – das Angebot reicht von Kaffee und Kuchen für 10 Euro über die „Kaffee-Flat­rate“ für einen Monat, die es für 150 Euro gibt. Man kann aber auch einen „Latte-Art-Workshop“ bekommen, ein persönliches Gedicht der Slam-Meisterin Dominique Macri oder ein Candle-Light-Dinner.

„Wir wollen einen Ort schaffen, in dem Menschen sich wohl fühlen, in dem sie sich begegnen – und in dem sie vor allem selbst aktiv und kreativ werden können, ganz gleich welchen Alters und welcher Herkunft“, beschreibt Schlimmermann auf der Crowdfunding-Plattform Startnext die Ziele. „Das ,Q‘ steht in einer Tradition mit Marburger Kulturinitiativen wie der ,Alten Mensa‘ und dem Institut für Lebenskunst, die in Marburg bereits einige hundert Menschen in selbstorganisierten Kulturinitiativen miteinander verbinden“, heißt es weiter.

Gastronomie im Q macht die Kultur möglich

Doch noch ist es ein weiter Weg bis zu den 25.000 Euro – am Freitagnachmittag, knapp zwei Wochen vor dem Ende der Kampagne, waren erst 7.724 Euro erreicht.

„Wir sind aber optimistisch, dass es klappt“, sagen Jörg Schlimmermann und Isabel Manthe unisono. Denn für beide ist klar: „Das ,Q‘ ist ein Raum, den Marburg braucht. Unser Konzept der regionalen und ­ungeförderten Kultur gibt es so nicht noch einmal in der Stadt.“

Um die Räume halten zu können, benötige man jedoch ausreichend Raum für einen gut laufenden gastronomischen Betrieb. Die Gastronomie mache die Kultur möglich – und auch steigende Zuschauerzahlen seien nur durch mehr Platz möglich. Und wenn es mit dem Funding nicht klappen sollte? „Dann stelle ich mich notfalls auf den Marktplatz und verkaufe öffentlich mein letztes Hemd“, sagt Jörg Schlimmermann. Denn der Traum des „Q“ dürfe nicht sterben.

Das Crowdfunding-Projekt steht im Internet unter www.startnext.com/q-marburg

von Andreas Schmidt