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Marburg Reisebüros steht das Wasser bis zum Hals
Marburg Reisebüros steht das Wasser bis zum Hals
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15:58 19.01.2021
In einem Reisebüro in der Marburger Oberstadt hängt ein Werbeplakat zur Rettung der Reisebüros.
In einem Reisebüro in der Marburger Oberstadt hängt ein Werbeplakat zur Rettung der Reisebüros. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Und wenn ja, ab wann? Und wo? Und wie? Ostern? Das kommt vermutlich zu früh. Urlaubsreisen in den Osterferien werden aus Sicht des Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), wegen Corona weiterhin nur sehr eingeschränkt möglich sein. „Ich glaube, dass Reisen etwas ist, das die nächsten zwei, drei Monate noch sehr schwer vorstellbar ist“, sagte er dieser Tage in der Sendung „Frühstart“ von RTL und ntv. Bareiß rechnet erst im zweiten Vierteljahr mit einer Besserung – und das unter einer Voraussetzung: „Wenn wir im zweiten Quartal in Deutschland wirklich die meisten Menschen geimpft haben, wird es im Sommer eine Sicherheit geben fürs Reisen.“ Dann sei im Sommer Urlaub in Deutschland und sogar auch „im fernen Ausland“ denkbar.

„Die Situation ist seit März ganz kläglich“

Waren in Vor-Corona-Zeiten vor allem Länder um das Mittelmeer wie Spanien, Griechenland, Türkei, Kroatien oder Italien bei deutschen Urlaubern besonders begehrt, so hat sich dies durch Corona im vergangenen Jahr geändert. Anzunehmen ist, dass auch 2021 wegen der Pandemie-Lage Urlaub in Deutschland sehr stark nachgefragt wird und vor allem die deutschen Küsten an Ostsee und Nordsee wie im vergangenen Jahr ausgebucht sein werden.

Deutschland-Urlaube, etwa in Ferienwohnungen, werden eher über das Internet oder direkte Kontakte gebucht, Auslands-Urlaube in der Regel in Reisebüros. Die leiden massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie. Die Reisebranche war die erste, die den Corona-Lockdown zu spüren bekommen hat – und wird wohl auch die letzte sein, die wieder rauskommt. Der Deutsche Reiseverband verzeichnete 2020 rund 75 Prozent Umsatzeinbruch im Vergleich zum Vorjahr, eine Besserung sei nicht in Sicht.

Matthias Lesch von Erik’s Reisebüro in Marburg sagt: „Die Situation ist seit März ganz kläglich.“ Er spricht von einem Umsatzeinbruch von 90 Prozent. Ohne Kurzarbeit und ohne staatliche Hilfen sähe es noch schlechter aus für das Reisebüro. „Eigentlich wäre jetzt bei uns der Teufel los, das Telefon würde nicht still stehen“, sagt Lesch aus langer Erfahrung.

„Die Hoffnungstirbt zuletzt“

Eigentlich wäre jetzt die Hauptbuchungszeit für Frühjahr und Sommer. Die Realität im Januar 2021 sieht nach neun Monaten Corona-Pandemie anders aus. Lesch spürt eine große Zurückhaltung bei den Reiseweltmeistern aus Deutschland: „Wir vermitteln Hotels für einige Geschäftsreisende, haben einige Reisen über Neujahr gebucht, ansonsten ist es ganz ruhig.“ Stattdessen wickelt er noch immer Stornos ab. Die Kunden bekommen 100 Prozent zurück, inklusive der Provision der Reisebüros. Das gebe es sonst nirgends sagt er. Die Arbeit, die Reisebüros mit Buchungen und den Stornos haben, wird also nicht bezahlt. Und noch immer warten Kunden von ihm auf Geld etwa der Lufthansa für Flüge, die im März storniert wurden. „Das sind doch ausgerechnet die, die Milliarden vom Staat bekommen haben und wir haben den Ärger.“ Die Zukunft? „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich schätze, es wird dieses Jahr vieles über Last Minute gehen.“ Ähnlich ist die Situation in Stingels Reisebüro in Wetter und Cappel. Auch Geschäftsführerin Alexandra Stingel beziffert den Umsatz-Einbruch auf 90 Prozent. Die staatlichen Hilfen seien „in Ordnung“.

Vor Pfingsten rechnet sie nicht mit größeren Buchungszahlen und solange die Pandemie-Situation in den Hauptreiseländern Spanien, Türkei und Griechenland nicht im Griff sei, hielten sich die Kunden extrem zurück. Einige wenige Buchungen für Sommer und Herbst habe sie abgeschlossen. „Aber ich bleibe optimistisch. Die Leute stehen in den Startlöchern, sie wollen weg und wenn es dann losgeht, dann machen wir eben Nachtschichten.“ Sie hofft auf Entspannung Mitte des Jahres.

Von Uwe Badouin

19.01.2021
19.01.2021