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Marburg Reinhold Messner: Überleben ist Glückssache
Marburg Reinhold Messner: Überleben ist Glückssache
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15:57 04.12.2019
Reinhold Messner präsentierte am Montag (2. Dezember) sein neuestes Buch „Weltberge“ im Erwin-Piscator-Haus. Quelle: Katja Peters
Marburg

Auf der riesengroßen Leinwand hinter ihm zeigte der ehemalige Extremsportler Reinhold Messner Satellitenaufnahmen „seiner“ Berge. 13 an der Zahl, alle zwischen 4.000 und mehr als 8.000 Meter hoch, darunter das Matterhorn, der ­Kailash, der Mont Blanc, der K2, der Ushba, der Mount Everest, der Nanga Parbat. 

Der 75-jährige Messner stand an der Seite und hatte zu jedem Berg die Geschichte im Kopf. Er erzählte sie ohne Spickzettel, ohne Denkpausen, ohne Stocken. Auf den Fotos und Videos waren die besten Bergsteiger der Welt zu sehen. Viele von ihnen leben nicht mehr, sind „für die Leidenschaft ums Leben gekommen“. Reinhold Messner ist auch mal abgerutscht, war dem Tod näher als dem Leben. Am Montag (2. Dezember) stand er fit auf der Bühne des Erwin-Piscator-Hauses. „Ich bin einer der Glücklichen, die überlebt haben“, sagte er fast demütig und betonte mehrmals: „Das extreme Bergsteigen ist nicht zu verteidigen. Was wir tun, ist widersinnig. Wir gehen dorthin, wo man umkommt, um nicht umzukommen.“

Reinhold Messner hat alle seine Expeditionen überlebt. Seinen Bruder musste er beim Abstieg am Nanga Parbat zurücklassen. Er hatte die Höhenkrankheit nicht überlebt. Sehr abgeklärt berichtete der Südtiroler über diesen Verlust in Marburg. Und auch darüber, wie er nach dem Verlust fast verhungert eine Nacht bei minus 14 Grad unterhalb des Gipfels verbringen musste, und erst am nächsten Tag das rettende Lager erreicht hatte. „Ich bin auch mal gescheitert“, gab er zu. „Scheitern gehört dazu. Ich habe beim Scheitern mehr gelernt, als bei Erfolg. Denn der hat viele Väter.“ 

Das weiß auch Triathlet Uwe Strohwald aus Bad Wildungen. Er verfolgt Reinhold Messner schon 20 Jahre und hat sich von ihm ein Trikot sowie ein Buch signieren lassen. „Es ist phänomenal ihn hier heute Abend live zu ­erleben“, sagte er.

von Katja Peters