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Marburg Reges Gemeindeleben in neuem islamischen Gotteshaus
Marburg Reges Gemeindeleben in neuem islamischen Gotteshaus
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09:55 05.10.2021
Beim "Tag der offenen Moschee" lauschten die Besucher auch im Gebetsraum der neuen Marburger Moschee einem Vortrag von Fadi Einuz.
Beim "Tag der offenen Moschee" lauschten die Besucher auch im Gebetsraum der neuen Marburger Moschee einem Vortrag von Fadi Einuz. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Vor dem Betreten des großen Gebetsraums müssen erst einmal die Schuhe ausgezogen werden. Und so sieht man beim „Tag der offenen Moschee“ sehr viele Schuhpaare vor der Tür zum Saal der Marburger Moschee liegen. Dann setzen sich die Besucher im Kreis auf den prachtvoll ausgestatteten Teppich. Fadi Einuz und seine Kollegin Asmah El-Shabassy erzählen den zahlreichen wissbegierigen Marburgern, was sich alles in der neuen Marburger Moschee so abspielt. Aber auch einige Mitglieder der Islamischen Gemeinde haben sich eingefunden und sind interessiert daran, was die Besucher wissen wollen.

„Die Moschee ist auch ein Heimatort für viele Studierende“, berichtet Fadi Einuz. Mittlerweile seien 60 Prozent der Moschee-Nutzer aus allen Ländern der Erde Studierende der Uni Marburg, vom arabischen Raum über China bis nach Westafrika. Besonders die Vielfalt der Herkunftsländer empfindet Einuz als sehr bereichernd für das Leben der Islamischen Gemeinde in der Moschee. Das Charakteristikum der Marburger Moschee sei besonders ein „vielfältiger Islam“. Dieses werde auch besonders vom aktuellen Imam gefördert.

Platz für Gläubige

In kurzer Zeit haben sich die Freitagsgebete in der Moschee zum Anziehungspunkt entwickelt. So seien in der Vor-Corona-Zeit bis zu 600 Personen gekommen. Diese Anzahl habe sich aufgrund der Pandemie auf rund die Hälfte reduziert. Wenn es im großen Gebetsraum zu voll wird, dann dürfen Frauen auch den ausschließlich für sie reservierten Gebetsraum nutzen, der sich eine Etage oberhalb direkt über dem Hauptraum befindet. Und außerdem bietet auch der an den großen Saal angrenzende Hans-Ahmed-Saal eine räumliche Alternative für die Gebetszeit.

Seinen Namen trägt dieser Saal nach dem konvertierten Marburger Muslim Hans Ahmed Schweinsberg, einem ehemaligen Beschäftigten der Marburger Behringwerke und langjährigem Mitglied der Islamischen Gemeinde. „Leider starb er ein Jahr vor der Fertigstellung der neuen Moschee“, berichtet Einuz. Weil er sich aber tatkräftig für den Aufbau des islamischen Gotteshauses eingesetzt habe und dieses auch finanziell gefördert habe, sei der Raum nach ihm benannt worden.

Die Moschee ist aber nicht nur ein islamisches Gotteshaus, in dem fünf Mal pro Tag gemeinsam gebetet wird. „Sie ist auch ein Versammlungshaus für viele verschiedene Menschen“, erläutert Fadi Einuz. Neben der von dem Imam geleiteten Seelsorge und der Flüchtlingsberatung gibt es auch viele Angebote der „Islamischen Gemeinde“ für Kinder, erläutert Asmah El-Shabassy. Die meisten Angebote wie zum Beispiel auch eine Konflikt-Beratung werden von ehrenamtlichen Kräften übernommen.

Früh übt sich

„Kinder werden ab dem Alter von sieben Jahren an das Gebet herangeführt“, berichtete sie. Zwar gebe es keine Kommunion oder Konfirmation wie bei der katholischen oder evangelischen Kirche. Aber bei einer traditionellen Feier erhalten die Siebenjährigen dann feierlich eine Medaille überreicht und bekommen auch einen Kuchen. Doch auch der Kinder-Club durfte in der Corona-Zeit lange Zeit online beispielsweise per Zoom stattfinden. Auch die Studiermöglichkeiten in der kleinen Bibliothek in einer der oberen Etagen waren einige Zeit lang wegen der Abstandsvorschriften sehr eingeschränkt. Auch die Räume in den Obergeschossen, in denen die Koranschule für die Kinder verschiedener Altersstufen stattfinden, konnten die Besucher bei einer Tour durch das Gebäude besichtigen.

Ausdrücklich ist die Moschee als ein offenes Haus konzipiert, das auch von Nicht-Gemeindemitgliedern genutzt werden soll. Und diese Möglichkeit sei schon gut angenommen worden, berichtet Fadi Einuz. So komme beispielsweise ein Friedenschor regelmäßig zum Singen in die Moschee, aber auch Institutionen wie die Freiwilligen-Agentur haben die Räume bereits genutzt.

 

Von Manfred Hitzeroth

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