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Marburg Referenten werben für Selbstfahr-Test
Marburg Referenten werben für Selbstfahr-Test
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08:59 16.02.2020
Erst ein Videodreh auf der Panoramastraße, dann ein Bus-Fahrtest auf dem Behringwerke-Gelände – und nun? Dass es tatsächlich zu einem weiteren Test autonomen Fahrens in Marburgs Nachbarschaft, in Weimar kommt, ist unsicher.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Thorsten Möginger hat bei einem IHK-Vortragsabend im TTZ das laufende RMV-Projekt „Easy“ vorgestellt: Zwei autonome Kleinbusse fahren seit September 2019 eine 700 Meter lange Teststrecke am Frankfurter Mainufer. „Die Technik muss noch einen gewaltigen Schritt machen, bis solche Fahrzeuge auf der Straße fahren können“, sagt er.

Die Zwischenbilanz für die täglich sechs Stunden lang rollenden Fahrzeuge: In fünf Monaten seien 20 158 Fahrgäste transportiert worden, die Selbstfahr-Busse hätten dabei 3  836 Kilometer zurückgelegt. Mitte des Jahres wolle man das erste Pilotprojekt im ländlichen Raum beginnen – aber nicht nahe Marburg, sondern in Bad Soden-Salmünster.

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Unter den Besuchern des Vortragsabends gab es kritische Stimmen zum geplanten Autonom-Pendelverkehr zwischen dem Bahnhof Niederweimar und der Zeiteninsel in Argenstein. Dies sei etwa „eine Gefahr für Familien, die zum Baggersee unterwegs sind“ und das Projekt sei als Test für den Straßenverkehr nicht gut geeignet, sagte etwa der Dagobertshäuser Ortsvorsteher Peter Reckling. Möginger sagt dazu: „Wir sind noch in der Beurteilungsphase. Sollte diese negativ ausfallen, dann lässt sich sicher eine andere Strecke in der Umgebung finden.“

Vortrag von Professor Klaus David 

Den Haupt-Vortrag zu Chancen und Herausforderungen autonomen Fahrens hielt Professor Klaus David von der Universität Kassel. „Die persönliche Umgebung, der Luxus mit etwa gewünschter Temperatur und eigener Musik, ist für die meisten sehr attraktiv“, sagt er zu den Gründen, wieso Autos weiterhin oft anderen Verkehrsmitteln vorgezogen würden. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt sei der hohe Unfallschutz, was völlig bei Radfahrern und Fußgängern, sogenannten Vulnerable Road Usern aussehe. Tausende würden jährlich verletzt, hunderte sterben.

Und genau da könne autonomes Fahren, die sogenannte Car-to-Car-Kommunikation, Verbesserungen im Unfallschutz herbeiführen. Mit etwas das über Sensorik in Form von Radar, Kamera oder Infrarot-System hinausgeht: Einem Informationsaustausch zwischen Fußgänger und Fahrzeug mittels Smartphone 
im 5G-Netz. Denn die aktuelle Sensorik könne „Menschen kaum von einer Cola-Dose unterscheiden“, sagt David.

Verbesserte Lebensqualität

Und sie würde Fußgänger erst beim Betreten der Fahrbahn orten. Sobald man die Positionsgenauigkeit bei integrierten GPS-Systemen verbessern könne, sei der Unfallschutz beim autonomen Fahren deutlich erfolgversprechender, als wenn Menschen die Fahrzeuge steuern: Bis ein Autofahrer beim Zeitpunkt der Gefahrenerkennung eine Vollbremsung durchgeführt habe, sei nämlich in der Regel eine Sekunde vergangen.

Claudius Schaufler vom Fraunhofer-Institut sagte zu den Ergebnissen der Studie „Autonomes Fahren im Kontext der Stadt von morgen: „Gerade die Verbindung von autonomem Fahren und Nahverkehr sorge für eine verbesserte Lebensqualität auch in Städten, von besserer Luftqualität bis hin zu steigenden Immobilienwerten.

 

von Beatrix Achinger
 und Björn Wisker