Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg So überstehen Tiere die Hitzewelle
Marburg So überstehen Tiere die Hitzewelle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:59 24.07.2019
Studentin Lea (21 Jahre) kühlt sich mit ihrem Hund Kali (12 Wochen alt) an der Lahn am Afföller Wehr ab. Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Sonne brennt, die Temperaturen steigen – der Mensch sucht Schatten und das kühle Nass. Aber was ist eigentlich mit Hund, Katze und Fischen?

Im Gegensatz zu Menschen können viele Tierarten nicht schwitzen. Stattdessen regulieren sie nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes ihren Wärmehaushalt über das Trinken und Hecheln.

Wasserversorgung

Deshalb ist jederzeit verfügbares frisches Trinkwasser wichtig. Eine geringe Wasserversorgung zieht schnell eine Dehydration für die kleinen und großen Vierbeiner nach sich. Tierarzt Herbert Winter aus Marburg empfiehlt: ein schattiges Plätzchen mit kühlem Untergrund und ausreichend frisches Wasser, das regelmäßig ausgewechselt werden soll.

Bewegung

Bei den aktuellen Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius, ist es empfehlenswert, auf wilde Spiele mit dem Frisbee, Hundesportarten, wie Agility und auf Wettrennen zu verzichten. „Bei Temperaturen über 20 Grad ist höchste Vorsicht geboten, damit die Tiere keine Schäden davontragen“, sagt Tierarzt Winter. Wasserspiele sorgten für ausreichend Erfrischung, Spiel und Spaß für Hund und Herrchen.

Fellpflege

Tiere mit dunklem Fell leiden durch die Sonneneinstrahlungen mehr als solche mit hellem Fell. Ein Sommerschnitt sorgt bei langem Haar für mehr Wohlbefinden. „Das Unterfell kann ausgedünnt und regelmäßig gebürstet werden, damit ausreichend Luft an die Haut kommt und das Tier durch die ohnehin hohen Temperaturen nicht zusätzlich gestresst wird“, erklärt Dr. Elke von Scheven, Tierärztin aus Gladenbach.

Spaziergänge

Lange Spaziergänge in der Mittagssonne seien nicht gut für die Tiere, „dafür eignen sich die Morgen- und Abendstunden sehr gut“, sind sich die Tierärzte einig. Tierbesitzer sollten unbedingt darauf achten, dass die Tiere nicht auf Beton- und Asphaltböden laufen. Dabei können sie sich die empfindlichen Pfoten schnell verbrennen. Wer sich unsicher ist, ob der Boden zu heiß ist, kann dies mit der Handfläche selbst testen.

Transport

Auf keinen Fall dürfen Hunde und andere Haustiere im ­Auto gelassen werden. Denn Autos werden schnell zu tödlichen Hitzefallen. „Das Innere eines Autos heizt sich bei direkter Sonneneinstrahlung extrem schnell auf. Schon wenige ­Minuten in einem überhitzten Auto reichen aus, um etwa einen Hund in ­
Lebensgefahr zu bringen. Tiere­ gehören bei diesen Temperaturen nicht ins Auto“, unterstreicht Amtstierarzt Dirk Behnke von der Veterinärbehörde­ des Landkreises.

Ein Autofenster, das einen Spalt weit zur vermeintlichen Belüftung geöffnet bleibe, reiche nicht aus. Wer Tiere in einem verschlossenen Fahrzeug bemerkt, das in der Sonne steht, sollte sofort die ­Polizei rufen. Notruf: 110. Wer Tiere im überhitzten ­Auto zurücklässt, riskiert nicht nur das Leben seines Vierbeiners, sondern auch ein Bußgeld von bis zu 200 Euro.

Außengehege

Wer Kaninchen oder Meerschweinchen im Außengehege­ hält, sollte nach Angaben des Tierschutzbundes dafür sorgen, dass sich ein großer Teil des Geheges den ganzen Tag über im Schatten befindet. Hilfreich seien auch kleine Häuschen. Für zusätzliche Kühlung sorgen Steinplatten oder feuchte aufgehängte Tücher.

Weidetiere

Für eine artgerechte Haltung auf der Weide bei hohen Temperaturen ist frisches Wasser und ein Unterstand essenziell. „Grundsätzlich gilt: Schatten und Wasser sind für Weidetiere genauso wie für uns Menschen bei diesem Wetter ein absolutes Muss“, so Amtstierarzt Behnke. Dabei könnten Bäume, Unterstände oder Ställe Schatten spenden. Der Wasservorrat für die Weidetiere sollte zudem regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf erneuert und aufgefüllt werden.

Aquarium und Gartenteich

Neben Hunden und Katzen brauchen unter anderem auch Fische bei hohen Temperaturen besondere Aufmerksamkeit: Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) macht etwa darauf aufmerksam, dass Zierfische bei großer Sommerhitze eine besondere Pflege brauchen. Das gilt vor allem für Arten, die in ihrem ­natürlichen Lebensraum keinen großen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind.

Erhitzt sich das Aquariumwasser bis auf 30 Grad, geraten selbst tropische Zierfische und Pflanzen in Lebensgefahr. Tierärztin von Scheven empfiehlt, das Wasser im Aquarium regelmäßig zu wechseln. Unter Umständen, so der ZZF, könne es auch sinnvoll sein, die Beleuchtungsdauer im Aquarium etwas zu senken – so heizt sich das Wasser weniger auf, und die Fische sind weniger aktiv.

Schnappen Fische ständig nach Luft oder färbt sich das Aquarium beziehungsweise der Gartenteich immer grüner, ist dringend Hilfe notwendig – etwa in Form von Frischwasser.

Hitzschlag und Sonnenstich

Sind Tiere hohen Temperaturen ausgesetzt und können die überschüssige Wärme nicht resorbieren, kommt es zu einem Hitzschlag. Die Luftfeuchtigkeit erschwert die Wärmeabgabe und erhöht das Hitzschlag­risiko. „Dabei steigt die Körperkerntemperatur auf über 40 Grad und das Tier bekommt Kreislaufbeschwerden“, erläutern die Tierärzte.

Bei Temperaturen über 43 Grad bestehe akute Lebensgefahr. Ist das Tier teilnahmslos, erschöpft und benimmt sich merkwürdig, sollte­ schnellstmöglich ein Tierarzt kontaktiert werden, rät der Marburger Herbert Winter.

Durch direkte Sonneneinstrahlungen auf Kopf und Nacken, können auch Tiere wie Menschen einen Sonnenstich bekommen. Erste Anzeichen dafür sind Unruhe, starkes Hecheln beim Hund, langgestreckter Hals, weit heraushängende Zunge sowie ein glasiger Blick.

Gelingt es dem Tier nicht, sich abzukühlen, so erleidet es einen Hitzschlag, mit weitreichenden Folgen. Herzrasen, Taumeln, Erbrechen, bis hin zum völligen Kreislaufkollaps. In schwerwiegenden Fällen zieht ein Hitzschlag, ein Hirnödem und sogar den Tod durch Herz- und Atemstillstand mit sich.

Erste Hilfe

Leidet ein Tier bereits an ­einem Hitzschlag oder Sonnenstich, gilt es schnell und effektiv erste Hilfe zu leisten: Der Vierbeiner muss ins Kühle ­gebracht werden. Anschließend sollte­ man das Tier vorsichtig und langsam abkühlen. „Dafür eignet sich eine kühle Unterlage oder eine feuchte Decke, in die das Tier eingewickelt wird“, sagt Winter. Eine schnelle Abkühlung mit eiskaltem Wasser belaste den angeschlagenen Kreislauf nur noch mehr.

von Cudi Altay 
und unserer Agentur