Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Ramadanzelt kommt am Samstag ins Wohnzimmer
Marburg Ramadanzelt kommt am Samstag ins Wohnzimmer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:28 01.05.2020
Vor der Moschee wird Professor Albrecht Fuess, Vorsitzender vom Förderverein des Marburger Kultur- und Bildungszentrum mit Moschee, am Samstag ein Grußwort sprechen. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Der diesjährige Fastenmonat Ramadan wird allen Muslimen in Marburg wohl für immer in Erinnerung bleiben. Keine Moscheebesuche, keine Gemeinschaft, keine köstlichen gemeinsamen Fastenmahle abends in der Moschee. Sogar das für Marburg inzwischen traditionelle Ramadanzelt musste abgesagt, die geplante und langersehnte Eröffnung der neuen Moschee verschoben werden. „Es ist eine seltsame Zeit“, sagt auch der erste Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Marburg, Bilal Farouk El-Zayat, und ergänzt noch: „Einmal mehr lernen wir, welche Rolle Flexibilität und Spontanität im Leben spielen können – noch mehr lernen wir jedoch, was Verzicht bedeuten kann.“

Aber so ganz wollten sie dann doch nicht auf alles verzichten. „Wir sind eine kreative Gemeinde und haben einfach aus der Not eine Tugend gemacht“, erzählt El-Zayat im OP-Gespräch. „Nach kurzen Abstimmungen haben wir es gemeinsam mit vielen Akteuren der Stadt geschafft, am Zelt der Marburger Tafel zu partizipieren und das dortige Angebot während des Fastenmonats Ramadan für alle Marburger und an allen Tagen auszuweiten“, berichtet er. „Damit konnten wir zumindest einen Teil des Ramadan-Gedanken, nämlich gelebte Solidarität und Unterstützung der Gesellschaft, umsetzen.“ In den Jahren zuvor stellte die Gemeinde immer das Ramadan-Zelt auf den Elisabeht-Blochmann-Platz und begeht mit Tausenden Gläubigen und Nicht-Gläubigen zusammen das tägliche Fastenbrechen nach gemeinsamen Gebeten. „Darauf wollten wir auch in diesem Jahr nicht verzichten und haben kurzerhand das virtuelle Ramadanzelt entwickelt“, verrät der erste Vorsitzende. Zusammen mit allen anderen Marburger Religionsgemeinschaften, dem Magistrat der Stadt und unterschiedlichen Vereinen haben sie ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt.

Anzeige

Samstagabend beginnt um 19.30 Uhr auf YouTube unter livestream.ramadanzelt.de das erste virtuelle Ramadanzelt Marburgs. Neben Grußworten unteren anderem vom Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk und der Landrätin Kirsten Fründt sowie von Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinde gibt es Koranrezitationen auf arabisch und deutsch und auch kurze Kindertheater Stücke. Das meiste wird live sein, wie beispielsweise das Grußwort von Professor Albrecht Fuess. Der Vorsitzende vom Förderverein des Marburger Kultur- und Bildungszentrum mit Moschee wird vor der Moschee mit den Stelen im Hintergrund sprechen., während andere Programmpunkte vorher aufgenommen wurden.

Nach den Bittgebeten, die um viertel vor neun starten, ruft zum Abschluss Mohammed Sabban den Gebetsruf, damit dann bei Sonnenuntergang zuhause in den eigenen vier Wänden das Fastenbrechen beginnen kann. „Vielleicht gelingt es uns in diesen herausfordernden Zeiten trotzdem den Ramadan-Spirit in die Wohnungen zu bringen. Der Austausch mit den Anhängern anderer Religionen ist fester Bestandteil unserer Gemeindearbeit, genauso wie unsere Aufklärungsarbeit über den Islam. Darauf wollten wir trotz der Corona-Pandemie nicht verzichten.“

Link zum virtuellen Ramadanzelt: Samstag, ab 19.30 Uhr auf YouTube unter livestream.ramadanzelt.de

Von Katja Peters

Anzeige