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Marburg Ramadanfeier im Netz ersetzt Gemeinschaft im Zelt
Marburg Ramadanfeier im Netz ersetzt Gemeinschaft im Zelt
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12:00 11.04.2022
Luisa Ozdeova moderierte die Ramadanveranstaltung.
Luisa Ozdeova moderierte die Ramadanveranstaltung. Quelle: Screenshot
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Marburg

Die Corona-Pandemie macht viele öffentliche Veranstaltungen nach wie vor zum Vabanquespiel. Wenn dann noch der April macht, was er will und der Winter zurückkehrt, müssen Pläne über den Haufen geworfen werden. Leidtragende waren am Wochenende auch die Mitglieder der Islamischen Gemeinde Marburg, die zum dritten Mal in Folge ihr Ramadanzelt nicht auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz aufschlagen konnten.

Immerhin: Mit einer Reihe geladener Gäste aus der Marburger Stadtgesellschaft konnten die Muslime am Samstag (9. April) im Hans-Ahmed-Saal der Moschee den Start in den Fastenmonat begehen, darüber hinaus wurde die Veranstaltung als Livestream gezeigt. Für diese „Besonnenheit und Zurückhaltung“ dankte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies der Islamischen Gemeinde: „Obwohl man vielleicht gedurft hätte, wäre es keine gute Idee gewesen.“ Das Ramadanzelt sei traditionell ein Symbol für das Zusammenleben in Marburg, so der OB, der sagte: „In unserer Stadt sehen wir das Gemeinsame und nicht das Trennende.“

Infos zum Ramadan

Mehr Infos zum Ramadan finden Sie hier: "Der Verzicht aus Glaube"

Diese Einschätzung sollte Dr. Bilal Farouk El-Zayat gegen Ende des virtuellen Ramadanzelts noch einmal aufgreifen. Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde sagte in seinem Schlusswort: „Nur gemeinsam kann der Weg nach vorn führen.“ Der Gedanke der Gemeinsamkeit steht hinter dem auch in diesem Jahr verliehenen Christian-Meineke-Preis. Die nach dem verstorbenen Integrationsbeauftragten benannte, mit 1 500 Euro dotierte Auszeichnung wird gemeinsam von der Islamischen Gemeinde, der Universitätsstadt Marburg, dem Ausländerbeirat und dem Verein „Vielfalt Marburg“ ausgelobt. Nachdem in Vorjahren bereits Gruppen wie der Freundeskreis Marburg – Sfax oder der deutsch-schwedische Freundschaftsverein mit dem Preis ausgezeichnet worden waren, geht die Anerkennung für kulturelle Interaktion in diesem Jahr an den Freundeskreis Marburg – Northampton. Bei der Verleihung des Preises durch Thomas Spies erinnerte Jurymitglied Monika Bunk an die Geschichte der Gruppe, die sich 1997 gegründet hatte. Fünf Jahre davor war die Städtepartnerschaft zwischen Marburg und Northampton offiziell besiegelt worden.

Zu Beginn der von Grußworten von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Religion geprägten Veranstaltung am Samstagabend hatte die aus dem afrikanischen Guinea stammende Safourata Bah aus dem Koran rezitiert. Die Worte der angehenden BWL-Studentin wurden von Aiman Dawaymeh ins Deutsche übersetzt. Metin Bal, der Vorsitzende der Marburger Mosche, ergriff ebenso das Wort wie Asim Alqusaibi. Der Imam wünschte den Gläubigen, dass der Ramadan die Menschlichkeit beleben und erweitern möge: „Wenn der Fastende hungert, denkt er an andere Hungernde und hilft.“

Von Carsten Beckmann