Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Der Verzicht aus Glaube
Marburg Der Verzicht aus Glaube
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 11.04.2022
Abendliches Fastenbrechen im Ramadan.
Abendliches Fastenbrechen im Ramadan. Quelle: Privatfoto
Anzeige
Marburg

Es ist so weit: Der Ramadan hat begonnen. Für viele Muslime heißt das unter anderem: tagsüber auf die Nahrungsaufnahme verzichten. So auch bei Familie Otkan aus Stadtallendorf. Sobald die Sonne untergegangen ist, treffen sie sich zum gemeinsamen Fastenbrechen. „Zuallererst kochen wir mit der Familie gemeinsam, der Tisch wird festlich gedeckt und im Anschluss warten wir auf das Fastenbrechen. Hierbei wird vor allem das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, weil durch den Ramadan eher die Möglichkeit auf ein Zusammenkommen der ganzen Familie besteht“, sagt Türkan Otkan, Religionsbeauftragte der Moschee in Stadtallendorf.

Der Verzicht

Gefastet wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Die fast zwei Milliarden Muslime weltweit verzichten während dieser Zeit auf Speisen und Getränke jeder Art, Geschlechtsverkehr und Genussmittel wie zum Beispiel Zigaretten.

Ramadan, der Fastenmonat

Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime. Er ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders.

Muslime glauben, dass der Koran, die islamische Heilige Schrift, in diesem Monat herabgesandt wurde. Denn dort steht geschrieben: „Wer nun von euch während des Monats anwesend ist, soll in ihm fasten.“ – Koran: Sure 2, Vers 185. Dieses Jahr findet der Ramadan vom 1. April bis zum 1. Mai statt. Jedes Jahr verschiebt sich das Datum um zwei Wochen.

Im Folgemonat nach dem Ramadan, dem sogenannten Schawwal, wird das große Fastenbrechen gefeiert. Das religiöse Fest geht traditionell drei Tage lang und wird oftmals dazu genutzt, Familie und Freunde zu besuchen.
Normalerweise sind alle religionsmündigen Muslime dazu verpflichtet, während des Ramadans zu fasten. Dabei gibt es einige Ausnahmen, zum Beispiel, wenn man sich auf einer Reise befindet, schwanger oder stillend ist oder schlichtweg aus Altersgründen nicht mehr fasten kann. Kinder sind erst ab der Pubertät dazu verpflichtet zu fasten, jedoch ist es laut Türkan Otkan für Kinder vor Anbruch der Pubertät immer eine bemerkenswerte Erfahrung, das Fasten zu erproben.

Erst wenn die Sonne untergegangen ist, dürfen Muslime wieder Nahrung zu sich nehmen. Während des Ramadans sind außerdem Beleidigungen jeder Art, Lügen, Verleumdung und üble Nachrede zu vermeiden. „Für uns als Familie ist es sehr relevant, vor allem im Ramadan, einen guten Umgang mit den Menschen aus unserer Umgebung zu pflegen“, sagt Otkan. Die Zusammengehörigkeit innerhalb der Familie und der Gemeinde werde so während des Ramadans gestärkt.

Für viele Muslime ist das Fasten eine heilige Pflicht. In den Tagen des Ramadans besinnen sie sich und denken über ihre Lebensweise nach. Der Verzicht zeigt ihnen, dass ein voller Teller keine Selbstverständlichkeit ist. „Beim Ramadan mache ich mit, weil er zu einer der fünf Säulen des Islams gehört. Einer der Gründe, die für mich sehr ausschlaggebend sind, ist, dass das Fasten den Körper und die Seele reinigt sowie das Dankbarkeitsgefühl und das Empathievermögen stärkt“, erklärt Otkan. Auch ihr Bruder Hasan Otkan fastet im Ramadan. „Ich werden oft gefragt, ob ich strenggläubig bin. Für mich ist das keine Frage von Strenge. Entweder man ist gläubig oder eben nicht. Ich als gläubiger Muslim kenne meine Pflichten, und im Ramadan faste ich“, sagt er. Außerdem sei der Ramadan für ihn eine Zeit zum Herunterkommen vom Alltagsstress. „Im Ramadan hat man Zeit zu reflektieren, sich bewusst zu machen, wie man leben sollte, und Gott dankbar zu sein für alles, was er für einen tut“, sagt er.

Ramadanzelt der Islamischen Gemeinde Marburg

Am Samstag (9. April) fand die virtuelle Ramadanfeier der Islamischen Gemeinde Marburg statt.

Von Larissa Pitzen