Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Radwege-Bau freut Händler und Studis
Marburg Radwege-Bau freut Händler und Studis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:28 26.09.2019
Radwegebau: Dario Fischbach erledigt die letzten Arbeiten an der Elisabethstraße. 
Foto: Nadine Weigel
Marburg

 Bei einer Info-Veranstaltung hat der Magistrat weitere Details zu den Neu-Radwegen in Bahnhof- und Elisabethstraße genannt. Demnach schränkt die Robert-Koch-Straßen-Ampel die Wegeführung ein, so dass Radfahrer dort absteigen und den Gehweg benutzen müssen. Trotzdem gibt es Applaus: „Deutliche Verbesserung für tausende Studenten“, heißt es vom Asta.

Die Verkehrsveränderungen treffen auf weitgehend positive Resonanz – bis auf zwei Stellen, an denen für Radfahrer Gefahren lauern.

Radfahrer, die künftig entgegen des Autoverkehrs die Elisabeth- und Bahnhofstraße befahren dürfen, können ab Mitte Oktober nach links in den Wehrdaer Weg abbiegen. „Da zeichnen sich doch jetzt schon Konfliktpotentiale, heikle Situationen ab“, sagt einer der rund 70 Infoveranstaltungs-Zuhörer.

Ähnlich problematisch könnte laut Asta-Vertreter Lukas Ramsaier die Regelung an der Kreuzung zur Robert-Koch-Straße werden – dort wird der Rad- auf den Gehweg geführt. „Das ist nicht die glücklichste Idee, die Variante wird man sehr genau beobachten müssen“, sagte er.
Grund der Regelung laut Michael Hagenbring von der Straßenverkehrsbehörde: Die Ampelschaltung sei nicht so zu modifizieren, „dass die Leistungsfähigkeit der Kreuzung nicht gesprengt wird“.

Konsequenz: Radfahrer müssen vor einem absichtlich sechs Zentimeter hoch gebauten Bordstein absteigen, das Rad schieben und dürfen erst hinter der Kreuzung weiterfahren. „Diese Stelle ist ein Knackpunkt, da verlangen wir allen Verkehrsteilnehmern viel ab, aber für die Umsetzung des Gesamtprojekts geht es nur so“, sagt Hagenbring.

Die Abbiege-Variante in den Wehrdaer Weg hält der Magistrat für unproblematisch, die rote Farbmarkierung weise Autofahrer auf den Gegenverkehr hin und für Radfahrer gelte es, die Vorfahrtsregelung des entgegenkommenden Verkehrs zu beachten.

OB: „Radfahrern den Platz
 geben, den sie nie hatten“

Christian Grossmann, Vorsitzender des Werbekreis Nordstadt, bezeichnet die Einspurigkeit als „Riesengewinn“ für den Handel, da so die Aufenthaltsqualität in dem Gebiet steige. „Das Rasen wird ein Ende haben.“ Für Händler sei das Entscheidende die Erreichbarkeit, und die „ist gegeben.“

Wichtig sei, dass die in Bahnhof- und Elisabethstraße geplanten breiten Ladezonen konsequent auf Langzeitparker hin kontrolliert würden. „Kurze Standzeiten sind für uns Gold wert, das muss die Stadt gewährleisten“, sagt er.

Der einstige Verkehrsversuch mit der Robert-Koch-Straße habe laut Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) „immer nur einen Zweck gehabt und nur einen Sinn gemacht: Weniger Autos durch die Elisabethstraße fahren zu lassen, um Radfahrern und Fußgängern rund um den Campus Firmanei „den Platz und Komfort zu geben, den sie nie hatten, aber unbedingt brauchen“. Es sei „eine Veränderung, die dem Radverkehr dient, ohne Autos zu schaden“, sagt Reinhold Kulle, Chef-Stadtplaner.

Schlüsselstelle schnell angehen

Eine Folge des Radwegebaus ist allerdings, dass es – neben dem Wegfall von drei Parkplätzen – auch vor der Elisabethkirche nur noch eine, nicht mehr zwei Autofahrspuren gibt. Ein Fakt, der die Stauprobleme speziell morgens und nachmittags verschärfen könnte, wie etwa Hanke Bokelmann (FDP) glaubt. „Ja, Wartezeiten sind speziell im Berufsverkehr nicht auszuschließen“, sagt Hagenbring.

Die bevorstehende Neuregelung soll ohnehin nur die Einleitung für die Umgestaltung der gesamten Ketzerbachkreuzung in Richtung Pilgrimstein und Deutschhausstraße sein.

„Diese Schlüsselstelle muss man schnell angehen“, fordert Asta-Mann Ramseier „Der Schritt jetzt ist eine Verbesserung für tausende Studenten, wenn der Bereich vor der E-Kirche noch in einer Pro-Fahrrad-Logik angegangen wird, ist das der große Wurf“, sagt er. Tempo 30, das einige Veranstaltungsbesucher für die Elisabethstraße anregten, sei laut Spies in der Planung. „Wir arbeiten daran.“

von Björn Wisker