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Marburg Qualvolle Enge in Stadtbussen
Marburg Qualvolle Enge in Stadtbussen
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16:58 16.11.2019
Vor allem die Linie 9 zwischen Lahnberge und Innenstadt ist morgens und abends stark frequentiert.  Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

„Es kann nicht angehen, dass Studierende, die sich kein alternatives Verkehrsmittel leisten können, Probleme haben, ihre Pflichtveranstaltungen zu besuchen“, sagt ­Tina Stoll, ­Asta-Verkehrsreferentin. Die Linie 9 zwischen Elisabethkirche und Lahnberge sei am stärksten davon betroffen, meist gebe es morgens wegen der Überfüllung bereits in der Innenstadt keine Chance mehr, einzusteigen.

Und nachmittags müssten viele mehrere Busse abwarten, 
um von den Lahnbergen ins Tal zu kommen. „Und dann stehen sie so eng gequetscht im Bus, dass weder an das Festhalten noch an irgendeine Art Mindestabstand zu fremden Personen zu denken ist“, sagt Stoll. Auch die Linien 2, 5 und 7 seien von „massiven Überfüllungsproblemen“ betroffen.

Asta stellt Forderungen

Lukas Ramsaier, Asta-Verkehrsreferent, kritisiert Stadt und Stadtwerke, dass die akuten Probleme im Nahverkehr durch die Wohnraum-Entwicklung der vergangenen Jahre absehbar waren. „Es ist auf gewisse Wohnraumentwicklungen in keinerlei Weise nahverkehrs-technisch reagiert worden“, sagt er und nennt die vermehrten Studentenwohnungen im Stadtwald oder in der Neuen Kasseler Straße als Beispiele.

Auch die Fahrt der Linie 2 auf den Richtsberg und die Einführung des Landestickets etwa für Uni-Mitarbeiter hätten für ein erhöhtes Fahrgastaufkommen gesorgt. „Auf das wurde kaum reagiert“, sagt er. Es müsse dringend etwas passieren. „Dabei reicht es nicht, sich hinter Projekten wie den Oberleitungsbussen zu verstecken, die erst in einigen Jahren realisiert werden können“, sagt Ramseier. Der Asta, dessen Kritik auf jüngsten Studenten-
Befragungen fußt, fordert:

  • Die Linie 9 soll zu Spitzenzeiten mit zwei parallelen Bussen, im Idealfall ganztägig mit einem Gelenkbus bedient werden. Alternativ: Ein durchgehender Zehn-Minuten-Takt. Die Linie 9 könne auch als Ringlinie von der Elisabethkirche über Erlen­ring, Lahnberge und Hauptbahnhof zurück zur Elisabethkirche geführt werden – was auch eine Entlastung der Linie 2 bringe.
  • In der Marbach müsse perspektivisch ein Buswendekreis gebaut werden, damit die Linie 5 mit Gelenkbussen betrieben werden könne. Für Studenten aus Ockershausen, Stadtwald und Marbach würde das speziell zu Stoßzeiten die Situation verbessern.
  • Langfristig müsse der Schulbusverkehr (etwa in Cappel, Wehrda oder Ockershausen) klar von den Studentenströmen zu den Uni-Veranstaltungen um acht Uhr getrennt werden. Da bislang die beiden Nutzergruppen zusammen fahren, gebe es „dramatische Überfüllungen“. Kurzfristig müsse das durch 
 einen durchgehenden 15-Minuten-Takt zwischen acht und 20 Uhr vom Hauptbahnhof auf die Lahnberge (Linie 2), insbesondere zur Entlastung der Linie 9, gelöst werden.

Auf OP-Nachfrage zeigten die Stadtwerke Verständnis für die Kritik. „Die kritisierten Engpässe zu den Hauptverkehrszeiten, vor allem der Linie 9, sind uns bekannt“, so Christoph Rau, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg Consult.

Für ihn ist der Erfolg des ­Nahverkehrsangebotes das Problem. „Die Anzahl unserer Dauerkartennutzer ist mittlerweile auf weit über 30 000 gestiegen. Zudem wird in Marburg die höchste Fahrplankilometerzahl je Einwohner gefahren“, so seine Erklärung. Die fehlende Entzerrung in den Morgenstunden „kommt verschärfend hinzu“.

15-Minuten-Takt 

Die Forderung nach weiteren Bussen wurde bereits umgesetzt. „Wir haben neue Fahrzeuge bestellt. Da die Bauzeit allerdings mehrere Monate beträgt, werden wir uns kurzfristig mit drei Mietfahrzeugen (Gelenkbusse) behelfen. Die Gelenkbusse stehen schon zum Fahrplanwechsel zur Verfügung.“

Aktuell gibt es bereits eine zusätzliche Abfahrt um 7.50 Uhr und um 9.45 Uhr ab Elisabethkirche sowie eine zusätzliche Abfahrt um 9.27 Uhr ab Klinikum in Richtung Innenstadt. „Mit dem neuen Fahrplanwechsel wird es während der Vorlesungszeit auf der Linie 9 einen 15-Minuten-Takt geben“, versprach Christoph Rau.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) – Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke – verweist neben dem Fahrzeugmangel und sieben Millionen Euro schweren Nahverkehrsdefizit auch auf den Busfahrer-Mangel. „Es wird sicher dauern, bis wir zu den Stoßzeiten überall zu einer weiteren Verbesserung kommen“, heißt es von ihm.


von Björn Wisker 
und Katja Peters