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Marburg "Pushback" ist Unwort des Jahres 2021
Marburg "Pushback" ist Unwort des Jahres 2021
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08:38 13.01.2022
Professorin Dr. Constanze Spieß präsentiert auf einem Ipad das Unwort des Jahres, das an der Philipps-Universität Marburg verkündet wurde.
Professorin Dr. Constanze Spieß präsentiert auf einem Ipad das Unwort des Jahres, das an der Philipps-Universität Marburg verkündet wurde.  Quelle: Nadine Weigel
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Der Ausdruck "Pushback" stammt aus dem Englischen und bedeutet zurückdrängen, zurückschieben. Im Migrationsdiskurs bezeichnet das Wort die Praxis von Europas Grenztruppen, Flüchtende an der Grenze zurückzuweisen und am Grenzübertritt zu hindern. Ganz unterschiedliche Politiker, Journalisten und Organisationen verwendeten im Jahr 2021 den Ausdruck in Debatten zur Einwanderung über die europäischen Außengrenzen.

Die Jury kritisiert die Verwendung des Ausdrucks, weil mit ihm ein menschenfeindlicher Prozess beschönigt werde, der den Menschen auf der Flucht die Möglichkeit nehme, das Menschen- und Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen. Den Flüchtenden werde somit ein faires Asylverfahren vorenthalten, heißt es in der Begründung der Jury.

Den Flüchtenden werde somit ein faires Asylverfahren vorenthalten. Der Einsatz des Fremdwortes trage zur Verschleierung des Verstoßes gegen die Menschenrechte und das Grundrecht auf Asyl bei. Mit dem Gebrauch des Ausdrucks würden zudem die Gewalt und Folgen wie Tod, die mit dem Akt des Zurückdrängens von Migranten verbunden sein könnten, verschwiegen. Die Jury kritisiert die in den Medien unreflektierte Nutzung dieses Wortes auch bei Kritikern der Maßnahmen.

Außerdem kritisiert die Jury als Unwörter auf Platz 2 und 3 im Jahr 2021:

Sprachpolizei: Mit dem Ausdruck Sprachpolizei würden Personen diffamiert, die sich unter anderem für einen angemessenen, gerechteren und nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch einsetzten, der bisher benachteiligte und ausgegrenzte Gruppen sprachlich einschließe. Die Jury bewertet ihn als "irreführend, weil er suggeriert, dass es eine exekutive Instanz gäbe, die über die Einhaltung von Sprachregeln ‚wacht‘ und bei ‚Nichteinhaltung‘ Bestrafungen vorsieht oder Bestrafungen durchsetzt".

Vergleiche mit dem Nationalsozialismus: Unter den Einreichungen fanden sich zudem eine Vielzahl an Ausdrücken, die im Zuge der Corona-Demonstrationen von Impfgegnern verwendet werden und völlig unzulässig eine Ähnlichkeit zwischen Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie und der nationalsozialistischen Diktatur nahe legten. Genannt werden Ausdrücke wie Impfnazi, Ermächtigungsgesetz (für Infektionsschutzgesetz) oder der gelbe Stern mit dem Aufdruck ungeimpft. Die deplatzierte Verwendung solcher Ausdrücke führe zur Verharmlosung des Nationalsozialismus, zur Verhöhnung der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur und in manchen Fällen zu einer Opfer-Täter-Umkehr, so die Jury.

  • Lesen sie den ausführlichen Bericht in der Print- und E-Paper-Ausgabe der Oberhessischen Presse.