Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Angeklagter räumt ein: Ich habe zugeschlagen
Marburg Angeklagter räumt ein: Ich habe zugeschlagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:57 06.04.2022
Vor dem Amtsgericht Marburg hat ein Prozess wegen Körperverletzungs- und Drogendelikten begonnen (Aufnahme mit Zoom-Effekt).
Vor dem Amtsgericht Marburg hat ein Prozess wegen Körperverletzungs- und Drogendelikten begonnen (Aufnahme mit Zoom-Effekt). Quelle: Themenfoto: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Er soll mehrere seiner Bekannten bedroht, geschlagen und mit einem Messer angegriffen haben. Deshalb steht ein 28-Jähriger seit Mittwoch vor dem Amtsgericht Marburg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm neben Körperverletzung auch vor, mit Drogen gedealt zu haben. Am ersten Verhandlungstag räumte der Angeklagte einen Teil der Taten ein, schilderte aber einige Vorfälle anders.

Die erste Auseinandersetzung, um die es im Prozess ging, trug sich im Oktober 2020 im Rosenpark zu. Der Angeklagte soll zwei junge Männer mit einem Messer bedroht und aufgefordert haben, aus dem Park zu verschwinden. Einer der mutmaßlich Geschädigten berichtete vor Gericht, er habe Angst bekommen und die Polizei gerufen. Am Abend begegnete der 22-Jährige dem Angeklagten und einem weiteren Mann erneut. Der Angeklagte habe ihn gefragt, warum er die Polizei gerufen habe, und ihn geschlagen, erzählte der Zeuge. Anschließend soll der Angeklagte den am Boden Liegenden auch getreten haben.

Die beiden Begegnungen hatte der Angeklagte zuvor ganz anders geschildert: „Wir waren befreundet, es gab einen Konflikt zwischen uns, aber wir haben nur diskutiert, es gab keine körperliche Gewalt“, sagte er. Nach der Aussage des Zeugen und einem Gespräch zwischen dem Angeklagten und seinem Verteidiger Carsten Dalkowski revidierte der 28-Jährige seine Aussage. „Er bleibt dabei, dass er kein Messer dabei hatte. Aber er kann sich erinnern, dass er ihn so ein bisschen geschüttelt hat – an mehr kann er sich nicht erinnern“, sagte Dalkowski.

Der 28-Jährige räumte ein, dass er im Januar 2021 einen Schüler am Bahnhof geschlagen habe. Er sei von dem anderen provoziert worden, da sei ihm der Kragen geplatzt und er habe zugeschlagen.

Zeuge: Ich will nicht, dass er bestraft wird

Schließlich ging es vor Gericht um eine weitere Auseinandersetzung im Parkhaus Nord, bei dem der Angeklagte mit einem Messer auf seinen Kontrahenten eingestochen haben soll, wodurch ein Halswirbel des mutmaßlich Geschädigten verletzt wurde. Doch sowohl der Angeklagte als auch sein Kontrahent können sich nach eigenen Angaben nicht mehr genau an den Anlass und Verlauf dieser Auseinandersetzung erinnern. „Eigentlich sind wir gute Freunde“, sagte der 23-jährige Zeuge. „Er hat sich bei mir entschuldigt und ich will nicht, dass er dafür bestraft wird.“

Offenbar standen beide unter Drogen – so jedenfalls schilderte es ein 39-Jähriger, der Zeuge der Schlägerei wurde und die Kontrahenten trennte. Beide hätten getorkelt, sagte der 39-Jährige, sie hätten sich „gekabbelt“, aber es sei offenbar nicht lebensbedrohlich gewesen. Der andere Beteiligte habe geschrien, dass der jetzige Angeklagte ein Messer habe. Beide mussten später ins Krankenhaus, der Angeklagte hatte unter anderem eine Schnittverletzung an der Hand.

Angeklagter räumt Drogenverkauf ein

In der Kleidung des Angeklagten wurde Marihuana und Heroin gefunden, berichtete ein Polizist. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei später 72 Gramm Cannabis in kleinen Päckchen. Der Angeklagte sagte, seit dem Tod seines Vaters habe er Drogen genommen. Marihuana habe er auch an ein paar Freunde verkauft.

Mit zahlreichen Zeugen und einem Gutachter will das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dominik Best aufklären, wie die Auseinandersetzungen wirklich abliefen. Wegen der Messerstiche im Parkhaus steht auch der Vorwurf der lebensgefährlichen Körperverletzung im Raum. Zwei Zeugen, die nicht erschienen waren, sollen beim nächsten Prozesstag polizeilich vorgeführt werden und ein Ordnungsgeld zahlen.

Die Verhandlung wird am Freitag, 22. April, 8.30 Uhr fortgesetzt.

Von Stefan Dietrich