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Marburg Wöllenstein wird weiter als „wacher Zeitgenosse unterwegs sein“
Marburg Wöllenstein wird weiter als „wacher Zeitgenosse unterwegs sein“
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19:31 25.06.2021
Verabschiedung von Propst Helmut Wöllenstein in der Marburger Elisabethkirche, hier mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann.
Verabschiedung von Propst Helmut Wöllenstein in der Marburger Elisabethkirche, hier mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Mit einem feierlichen Gottesdienst, der im Internet live gestreamt wurde, ist Propst Helmut Wöllenstein feierlich aus seinem Amt verabschiedet worden. Wöllenstein war zwölf Jahre lang, seit 2009, Propst des Kirchensprengels Marburg und damit oberster Pfarrer in dem Sprengel. Seit 2004 lebt Wöllenstein in Marburg, wo er zunächst als Dekan des Kirchenkreises wirkte.

Viele Ehrenämter

Nicht ungewöhnlich bei Pfarrern ist, dass sie im Laufe ihres Berufslebens unterschiedlichste Pfarreien betreuen und unterschiedlichste Aufgaben übernehmen. Wöllenstein war zu Beginn seines Berufslebens zunächst im Kirchenkreis Eschwege, dann in Eberschütz (Kirchenkreis Hofgeismar) und in Bad Hersfeld (1987 bis 1990), ehe er Studienleiter am Evangelischen Predigerseminar in Hofgeismar (1990 bis 1997) wurde. „Generationen von Pfarrern haben Sie durch Ihre Art geprägt“, sagte Landesbischöfin Dr. Beate Hofmann am Donnerstag bei der Verabschiedung.

Propst Helmut Wöllenstein ist am 24. Juni 2021 in der Elisabethkirche verabschiedet worden.

Dr. Hofmann sprach von Wöllenstein als einem „Sprachkünstler, einer, der sorgsam mit Sprache umgeht“. Dass er nie die Bodenhaftung verloren hat, möge wohl daran liegen, dass er sein Studium als Anstreicher und Innenverputzer finanziert hat.

Sein besonderes Interesse galt immer der Liturgie. Dr. Hofmann lobte ihn zudem als einen „mit Gespür für Menschen und Prozesse“. Deswegen mischte sich Wöllenstein auch in gesellschaftliche Debatten ein, war aktiv in der Auseinandersetzung um die Integration von Flüchtlingen, engagierte sich in der Zusammenarbeit mit Juden und Moslems in Marburg und war mehrfach Redner bei Kundgebungen gegen rechtsextreme Gewalt. Die schweren Auseinandersetzungen um den Dannenröder Forst waren, so die Bischöfin, ein „Dilemma“ für Wöllenstein, der den Schutz der Natur auf seine Fahnen geschrieben hat. „,Richte unsere Füße auf die Wege des Friedens’ war aber auch in dieser Auseinandersetzung sein Credo“, sagte die Bischöfin.

Die Liste seiner Ehrenämter ist lang: Wöllenstein ist Vorsitzender der Liturgischen Kammer der Landeskirche (Ausschuss für Gottesdienstgestaltung), des Beirates der Evangelischen Studierendengemeinde Marburg und war bis 2019 Vorsitzender des Kuratoriums des Waldeckschen Diakonissenhauses.

Weiter Gottesdienste abhalten

Er ist Mitglied des Kooperationsrates und des Rundfunkausschusses der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Mitglied im Prädikantenbeirat, im Arbeitskreis „Kirche und Kunst“, im Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Marburg, im Kuratorium „gewaltfrei handeln“ e. V. und im Hochschulbeirat Tabor und war bis 2019 im Vorstand der Liturgischen Konferenz der EKD. Er ist Autor und Sprecher von Verkündigungssendungen im Hessischen Rundfunk.

Helmut Wöllenstein bleibt auch im Ruhestand ordinierter Pfarrer. Er wird also weiter Gottesdienste abhalten oder das heilige Abendmahl feiern können. Und, wie es die Landesbischöfin formulierte: „Er wird als wacher Zeitgenosse unterwegs sein.“

„Um Verzeihung bitte ich für Fehler“, sagte Wöllenstein in der Elisabethkirche, „aber noch mehr sage ich Danke für eine schöne Zeit.“ Als äußeres Zeichen für seine Entpflichtung legte Wöllenstein sein Kirchenkreuz ab und gab es zurück in die Hände von Bischöfin Dr. Beate Hofmann.

Nachfolger von Helmut Wöllenstein wird Pfarrer Volker Mantey, seit 16 Jahren Pfarrer in Spangenberg. Er tritt am 1. November sein neues Amt an.

Von Till Conrad