Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Professor Renz beantwortet Corona-Fragen
Marburg Professor Renz beantwortet Corona-Fragen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 23.12.2021
Anzeige
Marburg

Professor Harald Renz, Direktor des Instituts für Labormedizin am Universitätsklinikum Marburg, beantwortet wieder Fragen unserer Leserinnen und Leser zur Corona-Pandemie.

Was ist der Novavax-Impfstoff?

Der Novavax-Impfstoff ist ein Protein-Impfstoff. Die verwendeten Proteine werden gentechnologisch hergestellt und sind Teile des Spike(S)-Proteins von der Sequenz des ersten Sars-Cov-2-Stammes, der die Pandemie ausgelöst hat. Zusätzlich beinhaltet der Impfstoff ein sogenanntes Adjuvans, welches die sogenannten antigenpräsentierenden Zellen zur Injektionsstelle anlocken und die Antigenpräsentation im lokalen Lymphknoten an die T-Zellen verstärken soll. Das Ganze ist in der sogenannten rekombinanten Nanopartikel-Technologie verpackt.

Zwei große Phase-III-Studien mit jeweils 14 000 beziehungsweise 25 000 Teilnehmern wurden als zulassungsrelevante Studien durchgeführt und die Ergebnisse zeigen einen rund 90-prozentigen Schutz vor PCR-bestätigter Covid-19-Erkrankung. Diese Studienergebnisse klingen hoffnungsvoll nachdem andere Studien gemischte Resultate gezeigt hatten.

Damit käme ein weiterer Impfstoff auf den Markt mit einem neuen methodischen Ansatz gegenüber den bisher verfügbaren Impfstoffen. Vielleicht überzeugt dieser neue Impfstoff ja zumindest einen Großteil der Skeptiker, die ja insbesondere Argumente gegen die mRNA-Impfstoffe ins Felde führen?

Impfstoffe gegen Covid-19. Quelle: dpa

Wie sieht es mit den Impfstoffen der nächsten Generation im Allgemeinen aus?

Die bisher verfügbaren und zugelassenen Impfstoffe wurden ja entwickelt auf der Basis des ursprünglichen Ausgangsvirus, mit dem die Pandemie gestartet hatte beziehungsweise beruhen auf den Strukturen und Sequenzen der sogenannten Beta-Variante, die im vergangenen Jahr dominierte. Nun haben wir Delta und sind auch schon bei Omikron angelangt, zwei Virusstämme mit deutlich höherer Infektiosität und teilweise auch schwereren Verläufen als vor einem Jahr. Alle Hersteller von Impfstoffen, die gegenwärtig in der EU zugelassen sind, arbeiten an Weiterentwicklungen. So sind beispielsweise bei Biontech/Pfizer mehrere Impfstoff-Kandidaten in der klinischen Entwicklung. So ist ein Impfstoff, der an die Variante Beta angepasste mRNA enthält, in der Phase-II/III-Prüfung. Dieser soll als Prototyp für zukünftige Varianten entwickelt werden. In der klinischen Prüfphase II befinden sich Impfstoffe, die an die Variante Delta angepasst sind, als auch ein Impfstoff, der eine Kombination der Variante Alpha und Variante Delta mRNA enthält. Dieser soll als Auffrischimpfung verabreicht werden.

Einen weiteren Impfstoff entwickelt Moderna, dieser enthält neben der mRNA aus dem ersten Moderna-Impfstoff auch eine an die Beta-Variante angepasste mRNA. Auch der Vektor-Impfstoff von Astrazeneca wird weiterentwickelt (Phase II/III), und zwar mit Vektorviren, die ein an Variante Beta angepasstes Gen für das Spike-Protein enthalten.

Es gibt allerdings auch noch weitere Firmen, die an angepassten Impfstoffen mit verschiedenen Impfkonzepten arbeiten und deren Produkte in klinischen Prüfphasen sind. So sind beispielsweise ein Impfstoff der Firma Valneva in der Phase III, ein Impfstoff auf Basis inaktivierter vollständiger Sars-Cov-Viren mit einem Adjuvans. Oder der Impfstoff der Firma Arcturus Therapeutics aus den USA, die einen Impfstoff mit sogenannter selbstamplifizierender RNA, angepasst an die Delta-Variante und weiterer besorgniserregender Virusvarianten ebenfalls in der Phase III prüft. Es ist also davon auszugehen, dass das Jahr 2022 wieder viele spannende Neuentwicklungen zutage fördert, welche das Impfstoff-Arsenal auch bei uns in Deutschland nochmal deutlich verbreitern und vor allem auch anpassen werden an die jeweilige Variantensituation. Letzteres wird besonders wichtig werden, wenn möglicherweise noch weitere Varianten im nächsten und in den kommenden Jahren auftreten werden, die dann gegebenenfalls eine noch höhere Infektiosität und/oder schwere klinische Verläufe zur Folge haben.

Es braucht also eine Strategie, mit der es gelingt, möglichst rasch hinter den Virusvarianten „impftechnisch aufzuräumen“ ohne viel Zeit zu verlieren.

Von Harald Renz