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Marburg Preis-Schock belastet auch die Gastronomie
Marburg Preis-Schock belastet auch die Gastronomie
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11:58 31.03.2022
Marco Corvinelli von der Pizzastube Italia in Niederweimar.
Marco Corvinelli von der Pizzastube Italia in Niederweimar. Quelle: Andreas Schmidt
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Niederweimar

Erst Corona, dann die zusätzlichen Herausforderungen durch gestiegene Energie- und Rohstoffkosten: Das macht auch der heimischen Gastronomie zu schaffen. So zum Beispiel Marco Corvinelli, Inhaber der kleinen „Pizzastube Italia“ in Niederweimar.

Vor gut zwei Jahren hat Corvinelli seine Pizzastube eröffnet. Vorher war er bereits in der Gastronomie in Marburg tätig, „dort habe ich auch schon Pizza gebacken“, erzählt er. Dann wurde er Großvater, „damit hat sich mein Leben geändert“. Mit seiner Frau Karin kaufte er 2017 ein Haus in Niederweimar, in das die gesamte Familie zog – und Marco Corvinelli eröffnete zunächst eine Gastronomie im Bürgerhaus, „in Absprache mit der Gemeinde“.

Das Geschäft lief auch gut an, doch gab es eine Hürde: Wann immer eine Veranstaltung im Saal des Bürgerhauses stattfand, musste die Gastronomie weichen. Doch Pizza, Pasta & Co. aufgeben? Undenkbar. „Vor allem Horst Holzapfel hat mich in dem, was ich tat, bestätigt“, erinnert sich Marco Corvinelli. Denn der langjährige Obermeister der Marburger Bäcker-Innung und Inhaber der Bäckerei Holzapfel in Niederweimar war mit seiner Frau häufiger zu Besuch. „Er hat mich an den Tisch gerufen und gesagt, das Produkt ist so gut – beiß auf die Zähne, du wirst dich damit durchsetzen.“

Eröffnung und dann Lockdown

Diese Worte seien Corvinelli „sehr wichtig“ gewesen. Er baute die heutige „Pizzastube“ mit 20 Sitzplätzen an sein Wohnhaus an, eröffnete „am 2.2.2020 – an das Datum kann ich mich wegen der Zahlen so gut erinnern“. Und keine zwei Monate später hieß es: Lockdown wegen der Corona- Pandemie. „Wir haben schnell auf das To-go-Geschäft umgestellt. Aber wussten nicht, ob es klappt und ob es reicht“, so der Gastronom. „Aber die Niederweimarer haben uns so toll die Treue gehalten, dass wir gut durch diese schwere Zeit gekommen sind.“

Vielleicht habe der Pizzastube in die Karten gespielt, dass „die Leute im Lockdown sowieso zu Hause festhingen und das kleine Restaurant unterstützen wollten“. Zum Glück für Marco Corvinelli und seine Familie. Denn in das kleine Restaurant steckt er jede Menge Herzblut, „wir legen ungeheuren Wert auf Qualität, Freundlichkeit und Sauberkeit“, sagt der 53-Jährige. „Das sind die wichtigsten Punkte, mit denen man heute überhaupt noch die Menschen begeistern kann.“

Stromkosten in vierstelliger Höhe

Die „Pizzastube Italia“ habe sich mittlerweile etabliert. „Wir sind gut durch die Corona-Krise gekommen – und jetzt das“, sagt der Gastronom. Und meint damit beispielsweise die immens gestiegenen Energiekosten. Die Stromkosten für seinen Pizza-Ofen belaufen sich im Jahr auf mehr als 6.000 Euro. „Da rechne ich mit einer Erhöhung von etwa 30 Prozent“, sagt er. Doch auch die Rohstoffpreise haben sich immens erhöht – unter anderem wegen des Kriegs in der Ukraine.

„Zum Glück habe ich bisher immer noch das Mehl bekomme, das ich benötige“, sagt Corvinelli. Dadurch, dass es ein sehr gutes Mehl – und somit auch nicht das Günstigste – sei, „ist es nicht so schnell ausverkauft, ist aber in anderthalb Jahren um 30 Prozent teurer geworden“. Und auch andere Preiserhöhungen schlagen ins Kontor. „Plötzlich kostet der Liter Rapsöl 3,50 Euro. Aber was bleibt mir anderes übrig – ich brauche es ja. Der Preis bei unserem Käse – mit das wichtigste Produkt für uns – hat in den vergangenen beiden Jahren um die Hälfte zugelegt“, rechnet er vor.

Eine Preiserhöhung

Erstmals seit Eröffnung der Pizzastube gebe es nun eine Preiserhöhung, „und zwar ganz leicht: Die Pizzen sind um 50 Cent teurer geworden. Und das auch nur sehr schweren Herzens“, sagt Marco Corvinelli. Auch beim Salat habe er den Preis geringfügig erhöhen müssen, „der Rest ist gleich geblieben“. Letztlich federe diese minimale Preiserhöhung den Kostendruck in der Pizzeria nur leicht ab.

„Aber alle Kosten können wir nicht durchreichen, sonst müsste eine Pizza plötzlich elf oder zwölf Euro kosten. Wer soll das denn bezahlen?“

Ein Teufelskreis

Es sei ein Teufelskreis. Denn auch für die Kundschaft sei ja alles teurer geworden: Inflation, Kraftstoffpreise – „das betrifft jeden Haushalt und somit auch unser Geschäft. Die Leute haben weniger im Portemonnaie und können so auch weniger nebenbei ausgeben – da überlegen sie vielleicht schon, ob sie sich Pizza für die ganze Familie noch leisten können.“ Daher eben die moderate Erhöhung, „die von unseren Kunden mit sehr viel Verständnis aufgenommen wurde“.

Für den Gastronomen steht fest: „Wenn sich die Preise in den kommenden Monaten nicht normalisieren, muss ich schauen, was ich anders machen kann.“ Zum Beispiel auf einen Ruhetag verzichten oder auch an einigen Tagen mittags zu öffnen. Doch aufgeben – das „ist keine Option“.

Von Andreas Schmidt

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