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Marburg Präsenztage sind vorerst vom Tisch
Marburg Präsenztage sind vorerst vom Tisch
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19:58 17.03.2021
Ein verwaister Klassenraum an der Emil-von-Behring-Schule in Marburg.
Ein verwaister Klassenraum an der Emil-von-Behring-Schule in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Immer mehr Kreise in Hessen reagieren auf steigende Corona-Inzidenzwerte und rücken von der Empfehlung des Kultusministeriums ab, Schülerinnen und Schüler ab der Klassenstufe 7 zumindest tageweise bereits vor Ostern wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen. Worauf also müssen sich Lehrpersonal, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler in Marburg-Biedenkopf einstellen?

Kreisweit war die Inzidenz heutigen Mittwoch (17. März) nach Auskunft des Gesundheitsamtes auf 117,6 geklettert – Anlass genug für den Kreis und das Staatliche Schulamt, das Vorgehen abzustimmen. Am frühen Abend hieß es aus dem Kreishaus: „Um den insgesamt steigenden Infektionszahlen Rechnung zu tragen, werden die Jahrgangsstufen sieben und höher ab Montag – anders als ursprünglich geplant – nicht am Wechselunterricht teilnehmen. Sie werden bis zu den Osterferien weiterhin im Distanzunterricht beschult.“

Beschluss kommt von Kreis und Stadt

Diesen Beschluss fällten Kreis und Universitätsstadt Marburg als Schulträger heutigen Mittwoch (17. März) in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt Marburg-Biedenkopf und auf dringenden Rat des Gesundheitsamtes. Für die Klassen eins bis sechs sowie für die Abschlussklassen bleiben die aktuell gültigen Regelungen unverändert wie bisher.

Die Entscheidung werde bewusst zum jetzigen Zeitpunkt getroffen und bekannt gegeben, so die entsprechende Pressemitteilung des Kreises: „Um den Schulen, den Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern ein hohes Maß an Planungssicherheit zu ermöglichen.“

18 aktive Fälle im Schulkontext im Kreis

Mit Stand vom gestrigen Dienstag (16. März) gebe es im Kreis Marburg-Biedenkopf 18 aktive Fälle im Schulkontext, davon 16 betroffene Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrkräfte, erklärte Kreissprecher Stephan Schienbein. Nachdem Ministerpräsident Volker Bouffier in dieser Woche noch einmal das Konzept von Kultusminister Alexander Lorz verteidigt hatte, regte sich offenbar landesweit Widerstand gegen die Öffnungsszenarien: Aus dem Nachbarkreis Gießen flatterte dem hr zufolge dem Minister ein offener Brief ins Haus, in dem Lehrerinnen und Lehrer erklären, dass die gesundheitlichen Voraussetzungen für einen Präsenzbetrieb noch nicht gegeben seien.

Kritisiert wird in dem Schreiben, dass Impfungen für Lehrer noch nicht zur Verfügung stehen und es für Corona-Tests an Schulen weder ein tragfähiges Konzept noch ausreichend Kapazitäten gebe. Auch der Transport zur Schule sei weiterhin nicht gelöst. „Das damit einhergehende gesundheitliche Risiko ist nicht zu verantworten“, heißt es nach hr-Informationen in dem Schreiben.

Bender: Gibt keinen Automatismus

Philipp Bender, stellvertretender Pressesprecher im hessischen Kultusministerium, sagte am heutigen Mittwoch (17. März) auf OP-Anfrage: „Es ist klar, dass bei steigenden Inzidenzen die vereinbarten Regelungen zurückgenommen werden können.“

Das Land orientiere sich am derzeit noch knapp unter 100 liegenden Hessen-Wert: „Aber es gibt keinen Automatismus; die einzelnen Schulträger in stärker betroffenen Regionen haben immer die Möglichkeit, anders zu entscheiden und abweichende Wege zu gehen.“ Bender sicherte zu: „Wir werden uns noch einmal an die Schulen wenden – und das wird sicher nicht erst am Freitagabend der Fall sein.“

Städte und Kreise setzen auf Sicherheit

Viele Regionen in Hessen sperren sich gegen die Ausweitung des Präsenzunterrichts noch vor den Osterferien. Nach Stadt und Kreis Offenbach haben auch Hanau und der Main-Kinzig-Kreis sowie die Kreise Groß-Gerau, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg und Fulda abgesagt. Wegen Corona wird derzeit für die Klassen eins bis sechs Wechselunterricht angeboten. Die Jahrgangsstufen sieben bis elf lernen im Distanzunterricht.

Nur Abschlussklassen bekommen vollständigen Präsenzunterricht. „Angesichts der Tatsache, dass die Inzidenz bei uns wieder über 100 liegt, wird der Schritt zur Rückkehr in den Unterricht nicht gegangen“, sagte Groß-Geraus Landrat Thomas Will. „Die Zahlen könnten schwerer beherrschbar werden, wenn wir nächste und übernächste Woche mehr Präsenzunterricht ermöglichen“, so Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky. „Wir möchten kein Risiko eingehen“, sagt Landrat Wolfgang Schuster (Lahn-Dill, alle SPD).

Von Carsten Beckmann

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