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Marburg Positive Bilanz der ersten Impfwoche
Marburg Positive Bilanz der ersten Impfwoche
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07:58 05.01.2021
Dosen des Pfizer-Biontech Covid-19 Impfstoffs werden in einem Impfzentrum gelagert. Quelle: Foto: Ronny Hartmann
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Marburg

Seit gut einer Woche werden besonders gefährdete Risiko-Patienten und medizinisches Personal mit der Corona-Schutzimpfung versorgt – Landkreis und Uniklinikum zeigen sich mit dem Verlauf der ersten Impfwoche zufrieden, warten aber auf Impfstoff-Nachschub.

Täglich sind die mobilen Impfteams des Landkreises in den Alten- und Pflegeheimen im Einsatz, parallel laufen die Impfungen am UKGM vor Ort. Insgesamt seien in Marburg-Biedenkopf bis letzten Sonntag 2 281 Menschen geimpft worden, teilt der Landkreis auf Nachfrage mit. Davon waren 595 Bewohner der Altenpflegeeinrichtungen, zudem ließen sich insgesamt 1 686 Personen aus den Pflegeberufen impfen – aus der Altenpflege sowie vom Personal des Uniklinikums Marburg, wo sich 1 250 Mitarbeiter freiwillig impfen ließen.

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Der Ablauf im dort eingerichteten „Mini-Impfzentrum“ ging bislang reibungslos vonstatten, die erste Impfwoche sei „wirklich gut gelaufen“, berichtet Professor Harald Renz, ärztlicher Geschäftsführer am UKGM Marburg. Er lobt einen „überragenden Einsatz“ der Mitarbeiter, die Organisation und Ablauf an den vier „Impfstraßen“ in kürzester Zeit auf die Beine gestellt hatten. Vom medizinischen Personal werden jene Mitarbeiter zuerst geimpft, die direkten Kontakt zu Covid-19-Patienten oder besonderes anfälligen Kranken haben.

Schwere oder neue Nebenwirkungen konnten bislang nicht festgestellt werden, stellenweise aufgetreten seien bereits bekannte Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder vorübergehendes leichtes Fieber, „es kann bei bis zu 20 Prozent der Fälle zu grippeähnlichen Reaktionen kommen, das ist aber nur vorübergehend und nicht ungewöhnlich – das kennen wir auch von anderen Impfungen, wie bei der Grippe“, erklärt Renz. Sehr erfreulich sei, dass bisher keine allergischen Überreaktionen vorkamen, das Vakzin scheine „ein relativ gut verträglicher Impfstoff“ zu sein.

Nun warte das Klinikum auf Nachschub, alle bisher gelieferten Dosen seien verbraucht, alle Mitarbeiter aus den besonders riskanten Bereichen konnten aber noch nicht versorgt werden.

„Viele stehen in der Warteschleife, es wäre schön, wenn wir jetzt neuen Impfstoff bekommen.“ Der wird von Bund und Land an die Impfzentren und Kliniken verteilt – die eigentlich gestern in Hessen erwartete Lieferung des Vakzins der Firmen Biontech und Pfizer hatte sich verzögert, Nachschub soll nun laut Innenministerium am Freitag kommen.

Darauf wartet auch der Landkreis, der ebenso von der Verzögerung betroffen ist: „Für die kommenden Tage jedoch haben wir noch genügend Impfstoff, so dass unsere Planungen derzeit nicht betroffen sind, also aktuell keine Termine in den Einrichtungen verschoben werden müssen“, teilt die Pressestelle mit.

Die mobilen Teams des Marburger Impfzentrums waren bis einschließlich gestern in 13 Altenpflege-Einrichtungen im Einsatz. Je nach Größe der Altenpflegeeinrichtung am Tag mit zwei bis drei Impfteams mit jeweils vier bis fünf Mitarbeitenden (Arzt, Doku-Kraft, Medizinische Fachkräfte). Der Kreis hofft, „die Reihe erster Impfungen bis Ende nächster Woche abschließen zu können, um dann direkt mit der Reihe der zweiten Impfung zu beginnen“.

Wann auch andere Personen aus den Risikogruppen geimpft werden können – etwa Senioren über 80 Jahre, die nicht in Heimen, sondern zu Hause leben –, ist noch nicht bekannt. Laut Kreis sei das derzeit „nicht absehbar, da sich die Freigabe des Impfstoffes nach den Vorgaben des Landes richtet“.

Impf-Termine nach Priorität

Die Reihenfolge der freiwilligen Impfungen richtet sich vor allem nach dem potenziellen Risiko der Gruppen, ob diese mit Corona-Patienten in Kontakt stehen oder von einem schweren Verlauf von Covid-19 bedroht sind. Wer wann geimpft wird, bestimmt und koordiniert das Land.

Laut des Hessischen Sozialministeriums können jene Impfwilligen ab dem 12. Januar Termine für eine persönliche Schutzimpfung vereinbaren, welche nach der Coronavirus-Impfverordnung der höchsten Priorisierungsgruppe zuzuordnen sind. Zu dieser ersten Gruppe zählen in Hessen knapp 570 000 Menschen:

Vor allem jene Personen ab 80 Jahren und älter, die nicht in einem Alten- und Pflegeheim leben.

Außerdem Mitarbeiter der Rettungsdienste und der ambulanten Pflegedienste.

Zudem Mitarbeiter der ambulanten Palliativversorgung sowie einer Klinik mit Corona-Patienten und anderen besonders anfälligen Patienten, etwa in der Notaufnahme, der Intensivstation oder Onkologie.

Ab dem 19. Januar öffnen dafür die sechs regionalen Impfzentren in Hessen – das in Marburg zählt nicht dazu, dafür jenes in Gießen, das für beide Landkreise plus weitere zuständig sein wird. Da erst eine „überschaubare Impfstoffmenge“ zur Verfügung steht, werden die Zentren aber noch nicht unter Volllast fahren, das hatte Innenminister Kai Klose angekündigt.

Wer zu den oben genannten Gruppen gehört, kann ab dem 12. Januar einen Termin vereinbaren: Unter der Hotline 116 117 oder per Onlineanmeldung unter www.impfterminservice.de.

Von Ina Tannert

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