Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Die Gefahr lauert auf dem Gehweg
Marburg Die Gefahr lauert auf dem Gehweg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:15 07.06.2021
Woll-Poller für mehr Sichtbarkeit. Blista-Schülerinnen und -Schüler bringen sie an.
Woll-Poller für mehr Sichtbarkeit. Blista-Schülerinnen und -Schüler bringen sie an. Quelle: Nadine Weigel
Anzeige
Marburg

Wer dieser Tage durch Marburg läuft, wird sie an der ein oder anderen Stelle schon entdeckt haben. Poller, über die rot-weiße Wollmützen gestülpt wurden. In der Ketzerbach zum Beispiel verschönern eine ganze Reihe Wollpoller den Boulevard Richtung Zwischenhausen. Ebenso springen die rot-weißen Pollermützen am Rudolphsplatz und anderswo ins Auge. Doch auch wenn sie ganz putzig aussehen und die ansonsten so hässlichen Stahl-Poller optisch aufwerten – es steckt eine ernste Angelegenheit dahinter. Denn von normalen, grauen Pollern geht für sehbehinderte Menschen eine echte Gefahr aus.

„Ich kann die so gar nicht sehen – und laufe deshalb auch manchmal dagegen, das tut höllisch weh“, erklärt Monica. Die 13-jährige Schülerin der Blista hat deshalb mit Schulkameradinnen und -kameraden die Poller in der Ketzerbach mit rot-weißen Mützen überzogen.

Anlass ist die Aktionswoche zum bundesweiten Tag der Sehbehinderten am Sonntag, der darauf aufmerksam machen soll, dass es zahlreiche Hindernisse gibt, die sich nicht kontrastreich von ihrem Umfeld abheben und deshalb von sehbehinderten Menschen nicht wahrgenommen werden können.

Es sei ein Problem, das Sehende oft gar nicht auf dem Schirm hätten, weiß auch Claus Duncker, Leiter der Blista. „Es gibt häufig Barrieren, die für uns kein Problem sind, die aber für einen Menschen, der schlecht sehen kann, Verletzungsgefahren bedeuten“, erläutert Duncker und weist darauf hin, dass solche Hindernisse nicht nur für die gut 1000 jungen Menschen mit Einschränkungen der Sehkraft, die in Marburg leben, eine Gefahr darstellen, sondern eben auch für die große Gruppe der Senioren, die altersbedingt an Sehkraft verlieren.

Für Monica und ihre Mitschüler ist aber noch etwas wichtig. Sie hofft, dass der heutige Tag der Sehbehinderten normal sehende Menschen sensibilisiert. Denn immer wieder gibt es auch andere Hindernisse in der Stadt, mit denen Monica und ihre Freunde rechnen müssen. „Oft liegen Fahrräder einfach auf dem Gehweg oder Autos sind falsch geparkt. Da bin ich schon oft gegengelaufen und habe mir wehgetan“, sagt Monica und hofft auf mehr Rücksichtnahme – auch über den Tag der Sehbehinderten hinaus. Für die Aktionswoche hatten sich viele Menschen auf den Aufruf des Blinden- und Sehbehindertenbunds in Hessen (BSBH) hin gemeldet, Wolle gespendet und die Pollermützen gestrickt oder gehäkelt. So kamen rund 80 Stück aus dem Kreis zusammen, „sie sollen auf das Problem aufmerksam machen und die Stadt wird auch ein Stück schöner“, lobt Bettina Hartmann vom Verband.

Bettina Hartmann (links) und Christine Schneider haben rund um den Rudolphsplatz Poller mit rot-weiß-gestreiften Mützen verziert, um für mehr Kontraste zu sorgen. Quelle: Ina Tannert

An der Aktion beteiligte sich auch Christine Schneider, die von Geburt an blind ist, was sie nicht vom Häkeln abhielt, „es hat Spaß gemacht und es war für eine sinnvolle Aktion“, freut sie sich über den Erfolg und lobt besonders die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Marbach, die ebenfalls mitgemacht und für ihre Pollermützen Bommeln hergestellt hatte. Ebenfalls in Rot und Weiß als Signalfarben.

Mit der Aktion, die in Städten bundesweit stattfindet, unterstreicht der Bundesverband die Forderung, dass Poller rechtlich bindend in kontrastreichen Farben gestaltet werden sollen. Als markantes Hilfsmittel im Straßenverkehr.

Von Nadine Weigel und Ina Tannert

05.06.2021
Marburg Que(e)r durchs Land - Ein Zeichen für Diversität
05.06.2021
Marburg Tag der Organspende - Ein Neustart ins Leben
05.06.2021