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Marburg Polizeischutz für Biontech-Werk in Marburg
Marburg Polizeischutz für Biontech-Werk in Marburg
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15:58 08.12.2020
Das Werk von Biontech in der Marbach Quelle: Jens Distelberg
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Marburg

Furcht vor radikalen Impfgegnern oder eine Routinemaßnahme? Nach OP-Informationen wird das Werk von Biontech in der Marbach seit Ende vergangener Woche von Polizisten bewacht. Sie sollen offenbar verhindern, dass es Zwischenfälle rund um die Produktion des Corona-Impfstoffs gibt.

Auf OP-Anfrage bestätigt die Marburger Polizei eine „erhöhte Wachsamkeit“ und dass Streifen das Biontech-Werk „verstärkt in den Blick nehmen“. Es gebe aber dafür keinen akuten Grund, vielmehr sei das Vorgehen Routine an so einem neuralgischen Punkt, es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Das deckt sich mit einem standortinternen Schreiben, das der OP vorliegt. In diesem ist zwar von „Bewachung“ der Produktionsstätte durch die Polizei, aber gleichsam von „keiner erhöhten Gefährdungslage“ die Rede. Trotzdem ist nach OP-Informationen für den Marbach-Standort eine höhere Sicherheitsstufe, darunter verschärfte Zugangskontrollen, ausgegeben worden.

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„Keine erhöhte Gefährdungslage“

Im Biontech-Werk, der ehemaligen Novartis-Anlage, sollen nach Unternehmensangaben rund um den Jahreswechsel monatlich bis zu 60 Millionen Vakzin-Dosen hergestellt werden. Die Behörden wollen mit der Polizeipräsenz offenbar sicherstellen, dass es im Werk zu keinen Störungen, weder beim laufenden Technik- und Verfahrensaufbau noch bei der Produktion und vor allem der sensiblen Minus-Grad-Lagerung samt Auslieferung der Impfstoff-Dosen etwa in Richtung der Impfzentren – solchen, wie sie in Marburg am Messeplatz aufgebaut werden – gibt.

Wie heikel die Situation für das Pharma-Unternehmen ist, zeigt sich am Ringen um die Wirksamkeitsangabe. Biontech, das seine Studienergebnisse weltweit als erste vorlegte, gab den Wert von 90 Prozent an. Die Studie von Konkurrent Moderna übertrumpfte den Wert Tage später mit 94 Prozent. Woraufhin Biontech umgehend die eigenen Zahlen nach oben, auf 95 Prozent Wirksamkeit, korrigierte. Wieso? Neue Datenauswertungen und Ergebnisse – aber vor allem steht man bei der Corona-Impfstoff-Produktion in einem globalen Wettrennen, in dem es auch um viel Geld, nicht zuletzt um Börsenkurse geht. Jede noch so kleine Panne oder zeitliche Verzögerung kann daher massive finanzielle Auswirkungen haben. Das in Mainz und Marburg ansässige Biontech sowie US-Partner Pfizer können in diesem Jahr schon jetzt nur noch 50 Millionen Dosen des Covid-Impfstoffs ausliefern. Die Unternehmen haben den ursprünglichen Plan, dieses Jahr noch 100 Millionen Impfstoffdosen zu verteilen, wegen Qualitätsproblemen bei Zulieferungen halbiert.

Die Verzögerungen führten dazu, dass alle Länder, die unter den Erstadressaten der Lieferungen seien – darunter auch Deutschland mit elf Millionen Dosen, also 5,5 Millionen Impfungen bis Ende März – „mit weniger Impfdosen in den ersten Wochen zu rechnen haben“, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium.

Pfizer und Biontech halten trotz des Verzugs am Plan fest, im kommenden Jahr bis zu 1,3 Milliarden Dosen zu verteilen, die für 650 Millionen Impfungen reichen. In Marburg soll etwa die Hälfte produziert werden, 250 Millionen Dosen im ersten Halbjahr 2021. Wegen der benötigten Doppel-Injektion entspricht das 125 Millionen Impfungen.

Lieferprobleme nicht näher spezifiziert

Pfizer spezifiziert die Lieferprobleme nicht näher. Es handele sich um Qualitätsprobleme bei Rohmaterialien, die inzwischen behoben seien, heißt es vom Unternehmen.

An den Behringwerken geht man von einem Produktions- beziehungsweise Auslieferungsbeginn des mRNA-Stoffs sofort nach Vorliegen der EU-Genehmigung aus; tendenziell rund um Weihnachten.

Ein Impfstart für ausgewählte Gruppen wird seitens der Bundesregierung mit dem Jahreswechsel zu 2021 angepeilt – mit dem Biontech-Vakazin.

Von Björn Wisker

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