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Marburg Pokoyski sägt und hackt um den Titel
Marburg Pokoyski sägt und hackt um den Titel
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08:00 31.08.2019
„Der Titel ist das Ziel“, sagt Nina Pokoyski vor den Deutschen Meisterschaften im Sportholzfällen am Samstag. Quelle: Tobias Hirsch
Elnhausen

Die ­vergangenen Wochen und Monate waren für sie sehr erfolgreich, sagt ­Nina Pokoyski. Drei Wettkämpfe konnte die Elnhäuserin in der jüngeren Vergangenheit für sich entscheiden. „Im Moment läuft‘s ziemlich gut“, sagt Pokoyski. Deshalb blickt sie auch mit großer Zuversicht auf das kommende Wochenende. Denn am Samstag will Pokoyski in Oberhof Deutsche Meisterin werden.

Die Elnhäuserin zieht in der Biathlon-Hochburg aber nicht auf Skiern ihre Runden. Statt zum Gewehr greift Pokoyski zu Motorsäge und Axt. Die 33-Jährige zählt zu den besten Sportholzfällerinnen Deutschlands. Und das will sie in Oberhof unter Beweis stellen. „Der Titel ist das Ziel“, sagt Pokoyski.

Im vergangenen Jahr wurde die Elnhäuserin Dritte. Das war zwar „auch zufriedenstellend“, sagt Pokoyski. In diesem Jahr hat sie ihre Leistung aber gesteigert. Im Juli beispielsweise siegte Pokoyski beim „Amarok-Cup“ im nordrhein-westfälischen Dinslaken. Grund für ihre neu gewonnene Stärke ist für Pokoyski vor allem ein Training mit Martha King.

Die US-Amerikanerin zählt zu den besten ­Sportholzfällerinnen ihres Landes. Bei einem  gemeinsamen Trainingscamp im Mai in den Niederlanden nahm King Pokoyski unter ihre Fittiche. King habe „nur kleine Stellschrauben“ an ihrem Hackstil verbessert, sagt Pokoyski. Das genügte aber, um direkt bessere Resultate einzufahren.

Außerhalb von Europa herrsche generell ein höheres Niveau, sagt Pokoyski. In den USA beispielsweise gehöre das Sportholzfällen zum Sportangebot an Colleges dazu. „Die wachsen praktisch damit auf“, sagt Pokoyski. Die 33-Jährige hofft, ihre starke Form am Samstag ­unter Beweis stellen zu können.

Bei der WM dürfen Frauen noch nicht mitmachen

Neben dem Techniktraining von King profitiert Pokoyski auch von einem Personaltrainer, mit dem sie über die Firma Stihl zusammenarbeiten konnte. Der Kettensägen-Hersteller richtet in Deutschland den Großteil der Turniere im Sportholzfällen aus. So auch die Deutsche Meisterschaft. Der Fitnesstrainer habe dafür gesorgt, dass sie nicht nur besser hackt, sondern auch insgesamt beweglicher wird, sagt Pokoyski.

Die 33-Jährige kommt gebürtig aus Hannover. In ­Elnhausen wohnt sie mit ihrem Mann und ihren sieben und fünf Jahre alten Söhnen zusammen. Vor zehn Jahren hat die gelernte Rettungsassistentin mit der Nischen-Sportart angefangen. Seitdem ist viel passiert. Trat sie zu Beginn noch zu etwa 3 Wettkämpfen im Jahr an, sind es jetzt um die 14. Da sie auch viele Wettkämpfe im Ausland absolviert, kommen einige Kosten auf Pokoyski zu. „Wenn man es so betreibt wie ich, ist es ein teurer Sport“, sagt sie. Deshalb ist Pokoyski auch auf Sponsoren angewiesen. „Ohne geht es nicht“, sagt die 33-Jährige. Einige hat sie schon zur Hand, über weitere würde sie sich freuen, sagt sie.

Erst einmal freut sich Pokoyski aber auf die Deutsche Meisterschaft am Samstag. Ab 11 Uhr ist sie in Oberhof gefordert. Anders als bei den Männern, die um 15 Uhr starten, treten die Frauen nur in drei Disziplinen gegeneinander an. Pokoyski Lieblingsübung ist der „Underhand Chop“. Hier stehen die Athletinnen auf einem horizontal verankerten Block und versuchen durch Axtschläge einen Stamm zu durchschlagen. Noch lieber ist Pokoyski der „Standing Block Chop“. Hier stehen die Athleten neben einem Stamm, den sie mit einer Axt durchtrennen müssen. In dieser Disziplin konnte sich Pokoyski aber bislang nur bei internationalen Wettkämpfen messen. Denn der Wettkampf soll in Deutschland bei den Frauen erst noch kommen.

„Unser Sport wächst langsam, aber er wächst“, sagt Pokoyski. Sie hofft, das Frauen auch irgendwann einmal bei den Weltmeisterschaften mitmachen dürfen. Das ist ihnen bislang nämlich noch untersagt. Bis dahin will die Elnhäuserin weitere Ausrufezeichen setzen. Am liebsten schon am Samstag.

von Tobias Kunz