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Marburg Monika Weber-Payer will Männer aufmischen
Marburg Monika Weber-Payer will Männer aufmischen
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19:58 17.01.2020
Am Samstag wieder am Pokertisch: Monika Weber-Payer. Privatfoto
Heute wieder am Pokertisch: Monika Weber-Payer. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Was an einem Silvesterabend vor rund 13 Jahren beginnt, wird Monika Weber-Payer am Samstag in den kleinen tschechischen Ort Rozvadov führen: in Europas größtes Casino.

Doch davon ahnt Weber-Payer noch nichts, als sie an diesem Silvesterabend mit Freunden zusammen sitzt. Da kommt einer aber immerhin auf die Idee, Poker auszuprobieren. So geht es das ein um‘s andere Jahr – immer an Silvester – weiter, bis die 53-Jährige eines Tages im Jahr 2011 ein Magazin aufschlägt und inne hält: Der Marburger Poker-Club hat annonciert.

Sie leckt Blut und spielt seitdem jeden Donnerstagabend im Verein. So viel zur Vorgeschichte und dem Zusammenhang mit diesem kleinen Club und seinen 34 Aktiven. Jetzt ist folgendes passiert: Weber-Payer hat es am 28. und 29. Dezember geschafft, sich in Leipzig unter 800 Mitspielern für das Finale der Deutschen Pokermeisterschaft zu qualifizieren – diesen Samstag im besagten Casino. Dabei ist sie die einzige Frau unter sieben weiteren Finalisten.

Körpersignale verbergen

Dann heißt es: Halstuch an, Sonnenbrille auf und vielleicht sogar auch die Basecap: „Die anderen Spieler sollen doch nicht meine Körpersignale lesen können“, sagt Weber-Payer mit einem Lächeln. Eine pulsierende Halsschlagader oder auffällige Augenbewegungen könnten nämlich schon verdächtig sein. Sie startet damit den zweitgrößten Chip-Stack.

Das heißt: Von den 30 000 Chips, die jeder Teilnehmer am Anfang der Deutschen Meisterschaft bekommen hat, hat die 53-Jährige bis jetzt durch strategisches Spiel die zweithöchste Anzahl behalten können. Man könne aber nicht sagen, dass derjenige, der die meisten Chips hat, auch mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnt.

Es helfe nur Druck auszuüben. „Poker ist auch ein richtiges Geduldsspiel. Ich habe bislang im Turnier fast keine Hand gespielt – eben nur, wenn ich gute Blätter hatte.“ Was auch wichtig sei: „Man muss sich immer auf die Position einstellen.“

Eine schlechte Position etwa, so ergänzt Massimo Toson als Präsident des Marburger Poker-Clubs, sei irgendwo in der Mitte. Wenn die Big Blind- und Small-Blind-Buttons noch einige Positionen entfernt seien, denn dann würde man einige Spieler vor sich haben, die setzen dürfen, bevor die ersten drei Karten gezeigt würden. „Poker ist schnell gelernt, die Regeln sind einfach“, sagt er. „Es kommt eben auf die Erfahrung an und auf das Einschätzen der Mathematik.“ Dass jetzt mit Weber-Payer eine Frau aus der Heimat im Finale der „German Eight“ steht, „ist schon Wahnsinn“, sagt Toson, vor allem aber eine Seltenheit.

Denn im Poker sei die Frauenquote sehr gering: „Bei uns ist sie noch hoch, aber dennoch weit unter 20 Prozent“.“ Frauen seien aber „konsequent eher vernünftiger.“ So gebe es Damen im Poker-Club, die häufig Treppenplätze belegen würden, obwohl der Männeranteil viel größer sei. „Weibliche Neugierde kann beim Poker auch richtig teuer werden“, sagt Weber-Payer und schmunzelt.

Erst im letzten Jahr seien zwei Frauen aus dem Marburger Club, Brigitte Auffahrt und Manuela Grimm, unter die ersten 30 bei den Deutschen Meisterschaften gekommen. Im Jahr 2016 war Hartmut Pitz Finalist. Mit Weber-Payers diesjähriger Qualifikation fürs Finale hat sie auch eine Teilnahme bei einem europäischen Turnier mit rund 1500 Spielern ergattert.

Hierbei geht es wirklich um Geld: 300 000 Euro.

Was sie mit einem Gewinn machen würde? „Ich würde meine Kinder besuchen“, sagt sie. Denn die 22-jährige Jana und der 20-jährige Luca seien gerade auf Weltreise. Ihren Sohn konnte sie für Poker begeistern, die Tochter wende sich lieber anderen Dingen zu. Die 53-Jährige selbst schwärmt vom Poker-Club, denn dort fühle sie sich pudelwohl.

Was ihr am meisten gefällt: „Das Spannende sind die ganz unterschiedlichen Menschen aller Alters- und Berufsgruppen. Das macht Spaß ohne Ende, wenn man dann die Gesichter lesen muss.“ Das sei im Club übrigens auch der Vorteil: Man könne seine Gegner einschätzen. In Rozvadov, unter laufenden Kameras, werde sie ihre Spielweise aber nicht ändern. Infos: www.poker-club-marburg.de

von Beatrix Achinger