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Marburg Anwalt erklärt trockene Themen allgemein verständlich
Marburg Anwalt erklärt trockene Themen allgemein verständlich
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17:00 26.02.2022
Henning Koch ist Fachanwalt für IT-Recht und Datenschutzbeauftragter. Der Marburger produziert privat aber auch Podcasts zu diesen Themen.
Henning Koch ist Fachanwalt für IT-Recht und Datenschutzbeauftragter. Der Marburger produziert privat aber auch Podcasts zu diesen Themen. Quelle: Michael Agricola
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Marburg

Sie sind ja schon lästig, diese Fenster, die einem im Internet beim Öffnen jeder neuen Seite entgegenspringen. Cookies, Geschäftsbedingungen: Alles mögliche ist da zu bestätigen, abzulehnen – und wird oft achtlos weggeklickt. Meist hat das aber mit dem Schutz der eigenen Daten zu tun – und nicht selten auch mit der eigenen Sicherheit im Netz.

Wer sich bei solchen Themen unwissend oder einfach nur unwohl fühlt, wer keine Lust hat, sich tief in die Materie einzuarbeiten, aber doch wissen will, was es damit auf sich hat, weil es ja doch wichtig ist – dem könnte der Podcast der Marburger Rechtsanwalts Henning Koch helfen. „Herr Koch hat Recht“ behauptet der Titel seines kostenlosen Hör-Angebots so forsch wie augenzwinkernd doppeldeutig. Damit sei nicht gemeint, dass er immer recht habe, meint Koch schmunzelnd. Aber wenn man sich wie er beruflich mit rechtlichen Themen beschäftige, dann „hat man ja auch ,Recht‘, oder?“

In den meist 15 bis 30 Minuten langen Folgen spricht er allein oder mit Interview-Gästen allgemeinverständlich über sperrige Themen mit oft kryptischen Namen. DSGVO, TTDSG, Captcha – alles klar? Aber wer zuhört, wird verstehen, worum es geht. In den bisherigen Folgen ging es etwa um Schulen und die Herausforderungen im Datenschutz und der Digitalisierung des Unterrichts, um die elektronische Patientenakte, das Social-Media-Format Clubhouse, aber auch den Datenschutz bei Tesla, beim Drohneneinsatz oder für Nutzer von Smartspeakern, hinter denen datenhungrige digitale Assistenten wie „Alexa“ oder „Siri“ stehen.

Henning Koch ist selbst großer Podcast-Fan

Da ist man dann schnell bei der Lebenswirklichkeit eines jeden. Oft haben auch Themen mit Datenschutz zu tun, von denen man es auf den ersten Blick gar nicht erwartet, betont Henning Koch. Und es lohne sich, vieles im Internet zu hinterfragen – vor allem, wenn es kostenlos angeboten wird. „Denn bezahlt wird dann vor allem mit den eigenen Daten.“

Wie kam Henning Koch dazu, in seiner Freizeit solch schwere Kost in einem Podcast aufzubereiten? „Ich bin selbst großer Podcast-Fan und höre sehr viele davon“, sagt der 51-jährige gebürtige Marburger, der heute mit seiner Partnerin in Rauschenberg wohnt. „Daneben bin ich technisch interessiert und mich begeistert es, mich in technische Fragen einzufinden.“

Da lag es nahe, dass er sich auch selbst mal daran versuchen wollte. Die geeigneten Themen dafür fand er letztlich in seinem Berufsalltag als Anwalt für Arbeits- und IT-Recht und Datenschutzbeauftragter in der Kanzlei Ruhmann Peters Altmeyer. Den Podcast betreibt er allerdings privat und ohne kommerzielle Interessen. „Es geht mir um die Menschen, nicht um Erlöse“, sagt Koch. Aber er nimmt auch jedes Mal etwas für sich mit. Es macht ihm Spaß, sich in Dinge einzuarbeiten, und auch, sie anderen verständlich zu erklären. Das zeige einem ja dann auch, „dass man es selbst verstanden hat“, sagt er. Und das Finden und Aufbereiten aktueller Themen zwinge ihn auch dazu, „immer am Ball zu bleiben“.

Folgen entstehen je nach Lust und Zeit

An anderer Stelle muss er schon mal Abstriche machen. Da die Folgen komplett in seiner Freizeit entstehen, ist die Frequenz neuer Folgen manchmal einfach abhängig davon, wieviel Zeit ihm gerade dafür bleibt. „Man hat ja abends auch nicht immer Lust, sich nochmal dranzusetzen“, gibt Koch offen zu. Der geplante 14-tägige Turnus für neue Folgen sei dann nicht immer einzuhalten. Aber einmal im Monat soll es schon eine neue Folge von „Herr Koch hat Recht“ geben.

Worum geht es in der aktuellen Episode? „Da geht es um das Recht am eigenen Bild“, sagt der aus Haddamshausen stammende Anwalt. Und stellt auch da einen aktuellen und lokalen Zusammenhang her. Gerade jetzt zum Marburger Stadtjubiläum stellten ja auch Vereine und Privatleute passende Bilder ins Internet. Und es herrscht oft große Unsicherheit, was man und wann man das darf.

Oder wann man im Interesse anderer auch mal darauf verzichten sollte oder muss. Das gelte durchaus auch bei schönen Schnappschüssen der eigenen Kinder, meint Koch. Man sollte durchaus überlegen, ob man diesen die Chance lassen sollte, irgendwann selbst entscheiden zu können, was über sie im Netz zu finden ist. Denn wenn ein Bild erstmal im Internet steht, ist es kaum wieder komplett zurückzuholen.

Podcast-Empfehlungen

Den Datenschutz-Podcast von Henning Koch kann man auf den gängigen Plattformen, etwa von Google, Apple, Deezer oder Spotify streamen oder auch auf dessen eigener Seite www.herrkochhatrecht.de abrufen. Wer danach genug von reiner Information hat, könnte sich dort auch noch bei Musik von einer von Kochs eigens zusammengestellten Playlisten unter dem Titel „Mixtape“ entspannen.

Und was empfiehlt der Podcast-Fan abgesehen von seinem eigenen Angebot? Er hört gern den Politik-Podcast „Die Lage der Nation“, den medienkritischen Podcast von „Übermedien“ sowie „Zukunft verstehen. Wie Technik die Welt verändert“ von Sascha Lobo. Empfehlenswert findet Henning Koch aktuell auch den Mehrteiler „Netz aus Lügen“ über Desinformation im Netz von der Bundeszentrale für politische Bildung sowie vom „Stern“ die Serie „Faking Hitler“ über die gefälschten Hitlertagebücher.

Von Michael Agricola