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Marburg Plötzlich Landrat
Marburg Plötzlich Landrat
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18:42 30.05.2022
Selfie mit Jens Womelsdorf bei der Wahlparty der SPD am Sonntagabend. Hans-Martin Seipp aus Münchhausen (links) macht ein Foto fürs SPD-Familienalbum.
Selfie mit Jens Womelsdorf bei der Wahlparty der SPD am Sonntagabend. Hans-Martin Seipp aus Münchhausen (links) macht ein Foto fürs SPD-Familienalbum. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Am Tag eins nach der Wahl bekam Jens Womelsdorf noch sehr viele Glückwünsche. „Sonntag war schon ein spannender Wahltag. So langsam realisiere ich auch, dass ich gewonnen habe“, antwortet Womelsdorf auf die Frage, wie es ihm am Tag danach gehe.

Großartig ausruhen wird er sich in der nächsten Zeit nicht. „Ich möchte die Zeit bis zum 1. Juli nutzen, mich auf das Amt gut vorzubereiten, mich in die anstehenden Themen einarbeiten, denn dann geht es ja von einem auf den anderen Tag von null auf hundert.“ Allerdings werde er sich schon ein paar gezielte Auszeiten gönnen, um etwas mit seiner Familie zu unternehmen. Gerade die Kinder seien im Wahlkampf-Endspurt doch etwas kurz gekommen.

Zahlen zur Wahl

Aufgerufen zur Wahl waren 188 380 Stimmberechtigte. 47 491 von ihnen nahmen am Sonntag an der Stichwahl zwischen Jens Womelsdorf und Marian Zachow teil. Das waren 25,2 Prozent.

Längst nicht alle, die zur Wahl gingen, entschieden sich für einen von beiden. 517 Wählerinnen und Wähler wählten „ungültig“.

Die geringste Wahlbeteiligung wurde in Stadtallendorf verzeichnet mit 17,6 Prozent, gefolgt von Bad Endbach mit 19,6 Prozent. Die stärkste Beteiligung gab es in Weimar mit 33,2 Prozent und Münchhausen mit 33,1. Nur Rauschenberg mit 31,4 und Wohratal mit 30,3 Prozent lagen neben Weimar und Münchhausen über der 30-Prozent-Marke.

Ansonsten freut sich Womelsdorf, dass er die selbst gewählte neue Herausforderung nun auch wirklich in Angriff nehmen kann.

Politische Glückwünsche gab es dann auch noch. Die Grünen im Landkreis können mit einem Landrat Jens Womelsdorf offenbar gut leben. „Wir beglückwünschen Jens Womelsdorf herzlich zur Wahl und wünschen ihm viel Erfolg zum Wohle der Menschen im Landkreis“, würdigen die Vorsitzenden des grünen Kreisverbandes Sabine Matzen und Hans-Werner Seitz den Wahlerfolg.

Grüne zeigen Option auf

Auch aus der Kreistagsfraktion der Grünen gab es nicht nur Glückwünsche. Es wurde auch eine neue Option aufgezeigt: „Der Landkreis erhält nun die Chance für neue Mehrheiten, um die dringendsten Probleme der Menschen vor Ort auch anzupacken: Klimaschutz und Energiewende, sozialen Ausgleich und Chancengerechtigkeit, Digitalisierung und bürgernahe Verwaltung“, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Stephanie Theiss und Michael Meinel. Das herausragende Ergebnis der grünen Kandidatin Carola Carius vor zwei Wochen habe erneut gezeigt, dass die grünen Themen in der Gesellschaft angekommen seien und ernst genommen würden. „Jens Womelsdorf muss sich nun überlegen, mit wem er seine Ziele umsetzen will. Wir Grüne sind dafür immer zu Gesprächen bereit“, sagen Theiss und Meinel.

Solche Gespräche stehen allerdings derzeit nicht an. CDU-Mann Marian Zachow, weiterhin Erster Kreisbeigeordneter, hat nur wenige Minuten nach dem Verkünden des vorläufigen amtlichen Endergebnisses Womelsdorf nicht nur aufrichtig gratuliert, sondern auch mitgeteilt, dass er sich auf die Zusammenarbeit mit ihm im Kreishaus freue.

Wahlbeteiligung ist deprimierend

Es ist einfach nur deprimierend und erschreckend, wie viele Wahlberechtigte darauf pfeifen, wählen zu gehen. Es damit zu begründen, dass Menschen nicht verstehen, für was ein Landrat zuständig ist, ist mir deutlich zu wenig. Wenn ich mich nicht dazu durchringen kann, den einen oder den anderen zu wählen, dann gehe ich trotzdem wählen und wähle „ungültig“.
Das ist nämlich auch eine Wahl. Die Stimme wird zwar für niemanden gezählt, hebt aber die Wahlbeteiligung. Und nur die Stimmen der „Ungültig-Wähler“ zeigen eine Meinung, nicht aber das bequeme Nichtwählen. Ob man nun die Kandidaten mag oder nicht, sie haben es auf alle Fälle verdient, dass man den Gang an die Urne macht.
Zum einen aus Respekt, weil es sich um eine Personenwahl handelt und sie sich zur Verfügung gestellt und um das Amt gekämpft haben, und zum anderen einfach, weil wir in Deutschland frei wählen können und dürfen. Ein bisschen mehr Pflichtgefühl könnte uns allen gut zu Gesicht stehen angesichts der vielen Länder, wo freies Wählen nur ein Traum ist.

OP-Redakteur Götz Schaub

- Ein Kommentar von OP-Redakteur Götz Schaub 

Von Götz Schaub