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Marburg Plädoyer für die Öffnung großer Möbelhäuser
Marburg Plädoyer für die Öffnung großer Möbelhäuser
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10:58 28.04.2020
Jede Menge Platz: Frank Sommerlad zeigt, dass die Einhaltung von Hygienevorschriften in seinem großen Einrichtungshaus problemlos möglich wäre. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Die Größe von 800 Quadratmetern als Bemessungsgrundlage für das Öffnen von Geschäften zu nehmen ist willkürlich – und nicht rechtens, hat das Hamburger Verwaltungsgericht in einer Eilentscheidung am Mittwoch entschieden. Es liege „keine gesicherte Tatsachenbasis“ für die Argumentation des Hamburger Senats vor, dass von größeren Verkaufsflächen allein eine höhere „Anziehungskraft“ ausgehe, erklärte das Gericht (Az. 3 E 1675/20). Diese folge vielmehr „aus der Attraktivität des Warenangebots“. In der Folge kippte das Gericht die Regelung für die Hansestadt und führt Argumente an, die auch für andere Bundesländer gelten.

Mit dem Urteil und der Begründung rennen die Richter bei Frank Sommerlad, Geschäftsführer der Einrichtungshäuser R. Sommerlad GmbH & Co.KG, offene Türen ein. So habe das Küchenstudio im Möbelhaus im Schiffenberger Tal in Gießen zwar seit Donnerstag auf exakt 800 Quadratmetern wieder geöffnet. „Das hat das Ordnungsamt auch direkt nach der Eröffnung kontrolliert“, sagt Sommerlad, „und das ist auch gut so.“ Die Öffnung sei „der erste Schritt auf dem Weg zurück in die Normalität“, sagt Sommerlad. Die Öffnung des Küchenstudios sei natürlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorschriften zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter erfolgt. Und prinzipiell sei er auch froh, dass Sommerlad überhaupt auf 800 Quadratmetern öffnen könne.

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Doch hält auch Frank Sommerlad die genannte Grenze für willkürlich. Warum? „Weil die Fläche nichts über das Ansteckungsrisiko aussagt“, verdeutlicht er. Denn: Bei Sommerlad handele es sich von der Grundstruktur her – anders als beispielsweise beim Lebensmitteleinzelhandel – „um ein Niedrigfrequenzhaus mit geringen Besucherströmen. Das liegt daran, dass unser Umsatzanteil an Möbeln 85 Prozent beträgt“, sagt der Geschäftsführer. Vielen käme bei Möbelhaus direkt der Konzern Ikea in den Sinn. Die Häuser hätten indes „ einen Möbelanteil von 50 Prozent, der Rest sind sonstige Accessoires. Entsprechend hat Ikea die sechsfache Frequenz und ist somit ein Hochfrequenzhaus“.

Alleine die Möbelwelt Sommerlad im Schiffenberger Tal habe eine Verkaufsfläche von 32 000 Quadratmetern – also 40 Mal so viel wie derzeit an Öffnungsfläche erlaubt ist. „Auf dieser Fläche lassen sich die Hygienevorschriften leicht umsetzen“, ist sich Sommerlad sicher. So könne man pro Kunde „50 oder meinetwegen auch 100 Quadratmeter zur Verfügung stellen – das ist mehr als eine Durchschnittswohnung in Marburg und viel mehr als in Lebensmittelmärkten, die pro Kunde 20 Quadratmeter zur Verfügung stellen müssen“. Und: In den Einrichtungshäusern würden sich die Menschen auch nicht so ballen, „es wollen ja nicht alle gleichzeitig auf demselben Sofa probesitzen“, schmunzelt Frank Sommerlad. Es sei möglich, den Kundenstrom im Haus so zu regeln, dass es zu keiner Verdichtung von Besuchern komme. Die Hygieneregeln können somit optimal eingehalten werden.

Auch auf der „riesigen Parkplatzfläche können wir die Abstandsregeln problemlos einhalten, indem beispielsweise jeder zweite Parkplatz gesperrt wird“, schlägt der Geschäftsführer vor. Dass Restaurant und Kinderhorte geschlossen würden, sei eine Selbstverständlichkeit. Und man könne eine Warteschlangen-Reglementierung und den Schutz der Kassenmitarbeiter ebenfalls problemlos umsetzen.

Zudem sollten notwendige Beratungsgespräche nur unter strengstem Einhalten der Hygiene-Standards und weitestgehenden Sicherheitsmaßnahmen für Kunden und Berater stattfinden. „Möglichkeiten gibt es also genug“, verdeutlicht Sommerlad, der in diesem Zusammenhang auf Nordrhein-Westfalen verweist: Dort durften Einrichtungshäuser mit mehr als 800 Quadratmetern Fläche bereits öffnen – „alles lief vernünftig und diszipliniert ab. Also ein überzeugendes Signal für Hessen“, ist der Möbelhaus-Chef überzeugt.

Von Andreas Schmidt

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