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Marburg DAAD-Preis für Studentin Xiaotian Tang
Marburg DAAD-Preis für Studentin Xiaotian Tang
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18:00 11.01.2022
Die Studentin Xiaotian Tang hat den DAAD-Preis erhalten.
Die Studentin Xiaotian Tang hat den DAAD-Preis erhalten. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Bereits seit zehn Jahren ist Xiaotian Tang aus der chinesischen Millionenstadt Xian Studentin in Marburg. Nach der Aufnahme eines Masterstudiums in der Soziologie, das sie im Jahr 2017 abschloss, setzt sie derzeit noch ein weiteres Masterstudium in den Politikwissenschaften drauf. Momentan ist sie in der Endphase ihrer Masterarbeit zum Thema „Die ‚One Belt, One Road‘-Initiative und die chinesisch-deutschen Beziehungen“, in der es um das Wiederaufleben der Seidenstraße mit Mitteln der modernen Infrastruktur geht. Ihr Betreuer für die aktuelle Arbeit ist der Marburger Politikwissenschaftler Professor Hubert Zimmermann, der sie auch für die Auszeichnung mit dem DAAD-Preis vorgeschlagen hat, den die Chinesin im Dezember vergangenen Jahres erhalten hat.

Mitglied im Ausländerbeirat der Stadt

Die Ehrung mit dem mit 1 000 Euro dotierten Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes wird an der Uni Marburg jedes Jahr an Studierende vergeben, die sich sowohl akademisch als auch gesellschaftlich besonders engagiert haben. Xiaotian Tang ist Mitglied im Ausländerbeirat der Stadt und stellvertretende Vorsitzende des Vereins der chinesischen Wissenschaftler und Studenten Marburg. Im Rahmen ihres Engagements hat sie bereits zahlreiche Aktivitäten zur besseren Vernetzung von ausländischen Studierenden mit der Stadtgesellschaft initiiert. Darüber hinaus berät sie andere Studierende, unter anderem auch als Mentorin im „Marmento Mentoring Programm“ des International Office der Philipps-Universität.

Für die 31-jährige Chinesin war die Auszeichnung kurz vor Weihnachten 2021 einerseits die Bestätigung ihres Weges in Marburg und andererseits noch einmal eine besondere Aufmunterung am Ende des schwierigen zweiten Corona-Jahres, wie sie im Gespräch mit der OP erläuterte. Für Xiaotian Tang war es immer klar, dass sie den letzten Abschnitt ihres in China begonnenen Soziologie-Studiums auf jeden Fall in Deutschland oder Frankreich absolvieren wollte – dort, wo aus ihrer Sicht die Wurzeln des Fachs gelegt wurden. Den Ausschlag für Deutschland gegenüber Frankreich als Studienland gaben für sie vor allem die von ihr besonders geschätzten deutschen Grundtugenden Ordnungsliebe,

Pünktlichkeit und Präzision. Da allerdings Marburg als Studienort auch in China nicht ganz so berühmt ist wie beispielsweise Heidelberg, musste sie sich über die mittelhessische Universitätsstadt erst einmal per Google informieren. Im Internet verliebte sie sich dann sofort in ein Bild des Weidenhäuser Wehrs mit der Kulisse von Oberstadt und Schloss. Ansonsten entpuppte sich die Beziehung der jungen Studentin aus China dann als eine Art „Liebe auf den zweiten Blick“.

Denn zu Beginn war es für Xiaotian Tang zunächst einmal sehr schwierig, einen guten Draht zu ihren Kommilitonen an der Universität und zu den Marburgern überhaupt aufzubauen, wie sie im Gespräch mit der OP verriet. „Ich war zuerst sehr enttäuscht, weil die Gesellschaft sehr kühl war“, berichtete sie.

Neue Freunde in Weidenhausen

Das änderte sich dann durch ihre Mitarbeit im Ausländerbeirat der Stadt Marburg, für den sie erfolgreich kandidiert hatte. Vor allem die ehemalige Ausländerbeiratsvorsitzende Goharik Gareyan-Petrosyan sei für sie damals eine wichtige Mentorin gewesen, erklärt Tang. Und über die erfolgreiche Arbeit im Ausländerbeirat erschloss sie sich noch ein weiteres Betätigungsfeld: Im April 2020 wurde sie als Nachfolgerin von Shérif Korodowou zur Integrationsbeauftragten der Stadt Marburg gewählt. „Ich sehe mich als eine Brückenbauerin zwischen der Zivilgesellschaft und der Stadtgesellschaft“, berichtet Xiaotian Tang.

So nimmt sie an vielen städtischen Sitzungen und Arbeitstreffen teil und hält zudem Kontakt zu vielen Neu-Marburgern, die aus dem Ausland stammen. So macht sie vielen Migranten, auch aufgrund eigener positiver Erfahrungen, Mut, sich den Behördengang zuzutrauen. Mit ihrer optimistischen und freundlichen Art ist die chinesische Masterstudentin eine Idealbesetzung für den ehrenamtlichen Posten der Integrationsbeauftragten. Und mittlerweile hat sie sich nach eigenen Angaben auch selber so gut in Marburg eingelebt, dass sie am liebsten auch nach dem Abschluss ihres Zweitstudiums weiter hier wohnen bleiben würde. Mittlerweile hat sie auch eine Wohnung mitten im Stadtteil Weidenhausen gefunden und dort in der Nachbarschaft viele Bekannte und Freunde gefunden, sodass sich der Kreis zu dem „Postkartenfoto“ vom Wehr geschlossen hat. Vor der Pandemie waren auch ihre Eltern aus China schon zu Besuch bei ihr in Weidenhausen. Zumindest ihrer Mutter hat es auf Anhieb auch so gut gefallen, dass sie sich auch die Aufnahme eines Gaststudiums an der Uni Marburg vorstellen könnte.

Von Manfred Hitzeroth

11.01.2022
11.01.2022