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Marburg Philippinum-Schüler bearbeiten archäologische Fundstücke
Marburg Philippinum-Schüler bearbeiten archäologische Fundstücke
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10:57 22.02.2020
Jannik und Ole (von links), zwei der Schüler, die sich für die Archäologie-AG entschieden haben, bereiten einige Fundstücke fürs Fotografieren vor, damit sie anschließend richtig katalogisiert werden können. Quelle: Volker Kubisch
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Marburg

Immer mittwochnachmittags wird es spannend im Werkraum des Gymnasiums Philippinum: Denn dann spüren die Schüler der Archä­ologie-AG den Vermächtnissen von Menschen nach, die vor vielen Jahrhunderten gelebt haben. Ein bisschen aufregend ist es schon, so eine Scherbe zu bearbeiten, die Teil eines Topfes war, in dem vor möglicherweise achthundert Jahren eine Mutter für ihr Kind Hirsebrei auf dem Feuer kochte.

Aber die sechs Neugierigen, die in der AG mitmachen, haben inzwischen schon eine ziemliche Routine im richtigen Umgang mit den Fundstücken, die 1989 bei einer Grabung mitten in der Altstadt von Bad Hersfeld gefunden wurden und seither im Archiv des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege schlummerten.

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Der Leiter der Archäologie-AG, Bastian Ditthardt, selbst ausgebildeter Archäologe und inzwischen Referendar am Philippinum, konnte mit dem Landesamt eine Kooperationsvereinbarung treffen, infolge derer der AG ein bisher unbearbeiteter Fundkomplex aus der mittelalterlichen Stadtgrabung überlassen wurde. Inklusive der Ausgrabungspläne, auf denen die Fundstellen jedes Stücks genau verzeichnet sind. Darunter finden sich Scherben von mittelalterlicher und neuzeitlicher Keramik, Tierknochen, Eisenfragmente, Münzen oder Reste von Fachwerkhäusern, die bei Bränden zerstört wurden.

Archäologie-AG ist in Marburg bisher einmalig

Die Schüler bearbeiten die Fundstücke nach archäologisch-wissenschaft­li­chen Methoden. Sie reinigen sie zunächst, damit sie weiter bearbeitet werden können, dann werden sie fotografiert und katalogisiert, einige sogar maßstäblich gezeichnet. Anhand ihrer Form können die AGler die Stücke schließlich einordnen und bestimmen, aus welcher Zeit sie stammen. Am Ende sollen die Fundstücke, Ergebnisse und Produkte in einer Vitrine des Philippinums ausgestellt werden.

Eine Archäologie-AG ist in Marburg bisher einmalig, nicht zuletzt, weil archäologische Funde strengen Denkmalschutz­richtlinien unterliegen. Da aber Bastian Ditthardt als Initiator einen korrekten Umgang und eine fachgerechte Aufarbeitung der Funde anleiten kann, stimmte das Landesamt für Denkmal­pflege dem Vorhaben zu.

Zurzeit nehmen sechs Schülerinnen und Schüler des Philippinums und der Elisabethschule an der AG teil, da sie schulübergreifend angeboten wird. Wer Interesse hat, sich ebenfalls auf Spurensuche der Vergangenheit zu begeben, kann sich gerne bei Bastian Ditthardt melden. Und dann sogar, wenn das Wetter wieder wärmer ist, an den geplanten Exkursionen zum Marburger Schloss und zur Synagoge am Markt teilnehmen.

von Volker Kubisch

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