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Marburg Pharmaserv lässt Wasser auf- und abfließen
Marburg Pharmaserv lässt Wasser auf- und abfließen
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07:58 22.09.2021
Den Pharmastandort Görzhäuser Hof versorgt Pharmaserv mit Wasser. Wie das funktioniert, erläuterte Markus Sauerbier in Michelbach.
Den Pharmastandort Görzhäuser Hof versorgt Pharmaserv mit Wasser. Wie das funktioniert, erläuterte Markus Sauerbier in Michelbach. Quelle: Tobias Hirsch
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Michelbach

Fast 20 interessierte Bürger des Marburger Stadtteils kamen am Donnerstagabend in die Michelbacher Kulturscheune, um den Ausführungen von Markus Sauerbier über das Wasserkonzept der Behringwerke zu folgen und mit dem Leiter des Versorgungsunternehmens Pharmaserv zu diskutieren. Dieser Abend solle informativ sein sowie offen und ehrlich geführt werden, sprach Agnes Kaminski, Vorsitzende der veranstaltenden Arbeitsgruppe Wasser des Ortsbeirates, ihre Hoffnung aus. Diese erfüllte sich offensichtlich.

Sauerbier notierte Anregungen, beantwortete fast alle Fragen aus dem Stand und sicherte das Nachliefern von Antworten zu, wie zum Beispiel nach den genauen Mengen des für den Industriestandort Görzhäuser Hof zugeleiteten und abfließenden Wassers. Angaben, die die Mitglieder der Arbeitsgruppe benötigen, um herauszufinden, weshalb ihr Brunnenwasser einen erhöhten Nitratwert hat. Dieser beträgt 49 Milligramm Nitrat pro Liter Trinkwasser, nach europäischem Recht und deutscher Trinkwasserverordnung dürfen es maximal 50 Milligramm sein, weshalb den Michelbachern schon empfohlen ist, das Wasser nicht zum Zubereiten von Babynahrung zu nutzen.

Nach der Katastrophe in Ahrweiler interessierten sich die Zuhörer auch, wie es um den Hochwasserschutz steht. Man müsse wissen, wie viel bei Starkregen in das Rückhaltebecken reinpasst, um Szenarien entwickeln zu können, sagte ein Zuhörer. Das Regenrückhaltebecken sei für alles, was aus Görzhausen kommt, überdimensioniert, antwortete Sauerbier, der deshalb nicht an ein Überlaufen glaubt.

Recyceln von Wasser in großem Umfang

Auf Fakten stützte sich der Manager dagegen bei seinen Erläuterungen zu der Ver- und Entsorgung der pharmazeutischen Firmen am Görzhäuser Hof. Das Wasser werde in Trinkwasserqualität angeliefert und von den Pharmafirmen für ihre Zwecke aufbereitet, die vom Vorspülen bis zum Reinigen von Geräten und Behältern reichen, bis hin zum Produzieren von Medikamenten.   

Bis zum Jahr 2018 lieferte Pharmaserv pro Tag eine Million Liter Trinkwasser an die Betriebe, nutzt bisher zwei Hochbehälter zu je 1000 Kubikmetern Fassungsvermögen als Puffer. Mit dem Vergrößern des Pharmastandortes und annähernd verdoppelter Mitarbeiterzahl stieg seitdem der Bedarf auf 1,4 Millionen Liter an. Damit der Verbrauch auch zukünftig für 48 Stunden gesichert ist und das Wassernetz vor Überlastungsspitzen geschützt ist, baut das Unternehmen auf einer Anhöhe zwei weitere Hochbehälter mit einem Gesamtfassungsvermögen von 10000 Kubikmetern, was zehn Millionen Litern entspricht. Damit sei aber auch „das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagt Sauerbier.

Das aus den Hochbehältern während der Produktionszeit entnommene Wasser wird in der Nacht, wenn der Verbrauch von Privathaushalten gering ist, aus dem Netz der Mittelhessischen Wasserwerke (MWW) nachgefüllt. Das vom MWW in Stadtallendorf und Wohratal gewonnene Wasser pumpt Pharmaserv vom Übergabepunkt am Altstandort in der Marbach auf den Berg und wird von dort aus an den Görzhäuser Hof abgelassen.

Zu Verbrauchsreduzierungen soll künftig das Recyceln von Wasser im großen Umfang beitragen. Rund 300 000 bis 400 000 Kubikmeter wären möglich, wenn dies von den Behörden zugelassen würde, erklärt Sauerbier. Derzeit versuchten die Pharmafirmen die Zulassung zu erlangen und suchten auch Firmen, die entsprechende Anlagen bauen. Gelangen in den vergangenen Jahren die größten Verbrauchsverringerungen durch das Umstellen von Kühlwasser auf Kompressionskälte, so gibt es zum Beispiel noch Potenzial beim Prozessabwasser sowie der Reinigung.

Messstellen in den Zu- und Ableitungen ermöglichen ein nahtloses Überwachen und das frühzeitige Feststellen von Leckagen in den Leitungen. Regenwasser werde auf den begrünten Dächern aufgefangen und für das Wässern von Blühflächen genutzt, gelangen in Versickerungsanlagen oder werden direkt in den Michelbach geleitet. Es als Brauchwasser für die Toilettenspülung zu nutzen sei nicht vorgesehen, da dies ein zusätzliches Leitungsnetz erfordern würde.

Das Abwasser des Standortes, welches häuslichem Schmutzwasser entspricht, gelange ins Trennsystem. Es werde alle drei Minuten auf Inhaltsstoffe und Menge von Pharmaserv an mehreren Stellen gemessen, unabhängig davon kontrolliere die Stadt Marburg es ebenfalls. Sollten Unregelmäßigkeiten auftreten, können die Kanäle gesperrt und das Abwasser in ein Auffangbecken geleitet werden. Derzeit werde in der Marbach ein zweites Kanalrohr verlegt, um die höhere Abwassermenge problemlos entsorgen zu können und wahrscheinlich auch welches aus dem bisherigen Kanal aufzunehmen.

Eine Absage musste Markus Sauerbier dem Wunsch der Michelbacher erteilen. Der Ort könne nicht an die Wasserleitung von Pharmaserv angeschlossen werden. Sein Unternehmen sei kein öffentlicher Versorger, habe keine Konzession für das Gebiet und auch keine eigene Wassergewinnung, erklärte der Pharmaserv-Utilities-Leiter.  

Von Gianfranco Fain

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