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Marburg Vorreiter im Kampf gegen Corona
Marburg Vorreiter im Kampf gegen Corona
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11:52 04.05.2021
Der Hörsaal wird zum Impfzentrum: In den eigens eingerichteten Impfkabinen werden täglich 300 Beschäftigte des Standortes Behringwerke gegen Corona geimpft.
Der Hörsaal wird zum Impfzentrum: In den eigens eingerichteten Impfkabinen werden täglich 300 Beschäftigte des Standortes Behringwerke gegen Corona geimpft. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Es läuft wie am Schnürchen. Nach nur wenigen Minuten ist Marion Döbereiner gegen Corona geimpft. Die Laborantin ist glücklich. „Ich bin sehr froh, dass das jetzt alles so schnell ging, ich hatte mich zwar über das Impfportal angemeldet, aber wer weiß, wann man da einen Termin bekommen hätte“, sagt sie und verlässt erleichtert eine der drei Kabinen des Impfzentrums Behringwerke.

Während bundesweit Betriebsärzte erst im Juni in die Impfkampagne eingebunden werden sollen, wird am Standort Behringwerke bereits seit gestern fleißig geimpft. Standortbetreiber Pharmaserv ist eines von vier hessischen Pharma- und Gesundheitsunternehmen, die vom Land Hessen insgesamt 10.000 Impfdosen zur Verfügung gestellt bekommen haben. Aufbauend auf dem Pilotprojekt für Unternehmen, die „einen besonderen Beitrag zum Impfprozess in Hessen und darüber hinaus leisten“, wie es Hessens Innenminister Peter Beuth ausdrückt, soll geprüft werden, wie Betriebsärzte einfacher an die Impfkampagne angedockt werden können.

Täglich 300 Personen geimpft

„Wir sind sehr stolz, dass wir das als Team geschafft haben und mit dabei sind“, sagt Thomas Madry, der die organisatorische Leitung des Behringwerke-Impfzentrums verantwortet. Neben Sanofi-Aventis in Frankfurt, Merck in Darmstadt und B. Braun in Melsungen sei Pharmaserv ein „eher kleiner Partner“; umso erfreulicher sei es, dass „wir die gleiche Größe verimpfen können“, erklärt Madry. In den kommenden 14 Tagen werden täglich 300 Mitarbeitende der Standortfirmen gegen Corona geimpft.

Ab heute wird im extra dafür errichteten Impfzentrum auf den Behringwerken gegen Corona geimpft. Foto: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel

Hintergrund des Pilotprojektes ist, dass mit der Öffnung der Priorisierungsgruppe 3 alle Beschäftigten der systemrelevanten Pharmawirtschaft nun zur Impfung zugelassen sind – und damit auch alle rund 6.000 Beschäftigten am Standort Behringwerke. „Wir alle produzieren lebensrettende Medikamente und deshalb ist es natürlich von besonderer Bedeutung, dass hier die systemkritische Infrastruktur aufrechterhalten wird und alle Produktionsprozesse weiterlaufen können“, erklärt Andreas Neuhaus, Leiter des Kundenmanagements von Pharmaserv.

Kosten werden geteilt

Als Standortbetreiber verfügt Pharmaserv über eine eigene betriebsärztliche Abteilung, die nun das Impfen übernimmt, mit Hilfe von Werkschutz und Werksfeuerwehr – und in Stoßzeiten von externen Kräften unterstützt. Die Kosten für Miete und Personal werden von den Firmen gemeinsam geschultert, so Neuhaus.

Für Thomas Madry und sein Team war der Aufbau des Impfzentrums im großen Hörsaal extrem herausfordernd. Neben baulichen Anforderungen und der Auseinandersetzung mit medizinischen Prozessen sei vor allem das aufwendige bürokratische Prozedere der Coronaschutzimpfverordnung ein stetiger Lernprozess gewesen, der nur durch viel Engagement aller gemeistert werden konnte. „Ziel ist es, dass wir als Vorreiter den Weg ebnen können für andere Unternehmen“, betont Madry.

Thema ist Sicherung der Produktion

Dass es nicht zu einem Übermaß an Bürokratie bei den Dokumentationspflichten komme, dafür spricht sich auch Jörg Ludwig Jordan, Präsident der IHK Kassel-Marburg, aus. „Die Impfspritze an sich ist zügig verabreicht. Die Dokumentationspflichten sollten angesichts der Dringlichkeit der Pandemiebekämpfung ein angemessenes Maß nicht überschreiten“, so Jordan. Der besondere Impfstart sei ein wichtiges Signal, bei dem es nicht nur um die Sicherung der Produktion gehe. „Von den Erfahrungen beim Aufbau großer betrieblicher Impfstrukturen werden viele Menschen profitieren, so zum Beispiel auch Belegschaftsangehörige“, unterstreicht Jordan.

Ab heute wird im extra dafür errichteten Impfzentrum auf den Behringwerken gegen Corona geimpft. Foto: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel

Pharmaserv hatte seit Beginn der Pandemie Vorkehrungen getroffen, die Mitarbeitenden am Standort vor Infektionen zu schützen – unter anderem mit einem eigenen Testzentrum, das seit Oktober in Betrieb ist.

Drei Impfkabinen

„Als Standortgemeinschaft haben wir uns sehr dafür eingesetzt, Teil dieses Pilotprojekts zu werden“, so Thomas Görge, Sprecher der Geschäftsführung von Pharmaserv. „Wir freuen uns sehr, dass wir damit erfolgreich waren. Sicherheit hat bei uns höchste Priorität – für die Gesundheit unserer Mitarbeitenden und um die kritische Infrastruktur an unserem Standort zu sichern. Dazu wird diese Impfkampagne maßgeblich beitragen.“

Ab heute wird im extra dafür errichteten Impfzentrum auf den Behringwerken gegen Corona geimpft. Foto: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel

Schon nach dem ersten Durchlauf am gestrigen Montag (3. Mai)war klar, dass mit den drei eigens eingerichteten Impfkabinen und der neu geschaffenen Infrastruktur noch mehr als 300 Menschen geimpft werden könnten – sobald das Land Hessen mehr Impfstoff zur Verfügung stellt. Doch noch sei aber nicht ausreichend Impfstoff verfügbar, um Hessens Betriebsärzte mit einzubinden, wie Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) gestern mitteilte.

Von Nadine Weigel

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