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Marburg Pflanzen im Akkord gegen den Klimawandel
Marburg Pflanzen im Akkord gegen den Klimawandel
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13:58 25.04.2021
Eine kranke Eiche im Marburger Stadtwald.
Eine kranke Eiche im Marburger Stadtwald. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Am Sonntag ist der Tag des Baumes, an dem traditionell die Bedeutung des Waldes als Lebensraum sowie Wirtschaftsraum im Fokus steht und häufig Bäume gepflanzt werden. Aus diesem Anlass weist das Forstamt Kirchhain auf die Auswirkungen des Klimawandels in den heimischen Wäldern hin – viele Spuren zeigen sich dabei deutlich, andere sind nicht immer sofort sichtbar.

In Folge der großen Hitze und Trockenheit der letzten Sommer sind viele Bäume vertrocknet oder so stark geschwächt, dass sie Schädlingen kaum widerstehen können. Besonders die in Hessen weit verbreitete Buche leidet unter dem Wassermangel: „Man sieht den Bäumen auf den ersten Blick nicht immer an, dass sie absterben“ so Gandalf Krüger, Produktionsleiter vom Forstamt Kirchhain.

Dadurch können Gefahren entstehen, die der Laie nicht immer abzuschätzen weiß, „wir schauen genau hin, viele einsturzgefährdete Bäume konnten wir bereits im Sommer und Herbst identifizieren. Bei anderen Bäumen müssen wir den Laubaustrieb abwarten, um festzustellen, ob diese noch überlebensfähig sind“, so Krüger weiter. Den Waldbesitzern bleibe dann nur, die geschädigten Bäume zu fällen. Blieben sie stehen, müssten Wege und Wälder für Besucher gesperrt werden, der Aufenthalt unter den absterbenden Bäumen wäre zu gefährlich. Das Zusammenspiel von Insekten und Pilzen sorge dafür, dass insbesondere Buchen innerhalb weniger Wochen nach Auftreten der ersten sichtbaren Schäden einsturzgefährdet sind. „Jeder, der sich unter absterbenden Bäumen aufhält, begibt sich in Lebensgefahr, das gilt natürlich auch für die Menschen, die im Wald arbeiten.“

Um die Wälder zu stärken, werden im Forstamtsbereich Baumarten, die mit Trockenheit besser zurechtkommen, gepflanzt, durch die Ergänzung der Baumartenvielfalt solle das Risiko gestreut werden. Dieses Jahr plane das Team des Forstamts Kirchhain die Pflanzung von etwa 190 000 neuen Eichen, Douglasien und Lärchen auf einer Fläche von mehr als 40 Fußballfeldern. Jede Fläche werde dazu von Förstern in Augenschein genommen, um dann zu entscheiden, ob, wann und wie viel gepflanzt werden muss.

Ob die dann angelegten Kulturen gesund und kräftig aufwachsen können, hänge von verschiedenen Faktoren ab, vom Regen in den nächsten Wochen bis zur Mäuse- und Insektenpopulation, die den jungen Bäumen zusetzen können. Forstpflanzen stünden zudem nur begrenzt zur Verfügung und werden im ganzen Land stark nachgefragt. „Immerhin legen wir jetzt den Grundstein für mindestens die nächste Waldgeneration. Unsere Enkel werden uns danken, dass wir heute auf Qualität setzen“, ergänzt Krüger.

Er lädt gerade am Tag des Waldes interessierte Besucher ein, sich auch vor Ort ein Bild im Wald zu machen, verbunden mit einer Warnung: „Sollten Sie auf Absperrungen treffen, gehen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit bitte nicht weiter. Wegen der teilweise sehr schnell verlaufenden Zersetzungsprozesse geschädigter Bäume besteht im Wald generell ein höheres Risiko. Meiden Sie Bäume, die Absterbeerscheinungen in der Krone und am Stamm aufweisen“, so sein Tipp.

Die Stechpalme

Die Stechpalme (Ilex) ist der Baum des Jahres 2021. Die Gemeine oder auch Gewöhnliche Stechpalme kommt in den heimischen Wäldern zwar nur sehr selten vor, dennoch dürfte sie vielen Menschen vor allem als Gartenstrauch bekannt sein. Die auffälligsten Merkmale sind die signalroten Beeren in Verbindung mit den ölig wirkenden, glänzenden, immergrünen und stacheligen Blättern. Der Name Stechpalme soll aus einer Zeit stammen, als die Blätter am Palmsonntag als „Palmen-Ersatz“ genutzt wurden. Durch die leuchtend roten Steinfrüchte sind sie auch als Weihnachtsschmuck beliebt. Aber: Die auch „Walddistel“ genannte Pflanze ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, Blätter oder Früchte dürfen in der Natur nicht entnommen werden. Die Stechpalme mag es warm und kommt im gesamten west- und südeuropäischen Raum vor, ist bis in den asiatischen Bereich hinein zu finden. Forstwirtschaftlich hat sie keine wirkliche Bedeutung, dient aber als Bereicherung der Artenvielfalt im Wald.

Trotz einer schwachen Giftigkeit sowohl der Blätter wie auch der Beeren dient beides im Winter Vögeln und pflanzenfressenden Säugetieren als Futter. Für Menschen sind die Beeren nicht zum Verzehr geeignet, Übelkeit bis zu organischen Schäden können die Folge sein.

Von Ina Tannert

Marburg Publikation von Professorin Marita Metz-Becker - Für eine neue Kultur des Gebärens
25.04.2021
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