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Marburg Warum der Reformationstag wichtig ist
Marburg Warum der Reformationstag wichtig ist
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09:00 31.10.2021
Martin Luther (links) und Huldrych Zwingli als Illustration auf einem Stromkasten am Lutherischen Kirchhof in Marburg anlässlich des 500. Reformationstages im Jahr 2017.
Martin Luther (links) und Huldrych Zwingli als Illustration auf einem Stromkasten am Lutherischen Kirchhof in Marburg anlässlich des 500. Reformationstages im Jahr 2017. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Was wird am 31. Oktober in ganz Deutschland gefeiert? Richtig, der Reformationstag. Viele haben jetzt vielleicht zuerst an Halloween mit geschnitzten Kürbissen und gruseliger Dekoration gedacht. Pfarrer Ulrich Biskamp von der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien Marburg hofft, dass sich dieser Trend wieder ändert und man schneller an den Reformationstag denkt. „Ich habe das Gefühl, es ebbt etwas ab, dass erst an Halloween gedacht wird. Wir als Kirche sollten wieder verstärkt aktiv werden“, meint Biskamp.

Auch mehr als 500 Jahre nachdem Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlichte und damit die Gründung der evangelischen Kirche einläutete, ist der Reformationstag noch von Bedeutung. „Ich finde es wichtig, dass man den Reformationstag feiert. Ich denke, dass sich die Kirche und die Gesellschaft immer noch reformieren“, erklärt Biskamp.

Marburg als wichtiger Ort der Reformation

Dem schließt sich auch Pfarrerin Andrea Wöllenstein von der Lutherischen Pfarrkirche an. „Reformation heißt Erneuerung. Martin Luther wollte die Kirche erneuern und den Impuls dazu geben“, sagt Wöllenstein. Auch in Anbetracht dessen, dass die Kirche für viele Menschen nicht mehr so stark im Mittelpunkt steht, müsse sich etwas ändern. „Wir müssen als Kirche darauf schauen, was die Leute beschäftigt“, erklärt sie. Neue Formen des Gottesdienstes und des kirchlichen Lebens seien gefragt. Durch die Pandemie gebe es zum Beispiel „mehr digitale Angebote“, berichtet die Pfarrerin.

Für Pfarrer Biskamp „kommt es immer darauf an, was die Kirche aus dem Reformationstag macht“. In den vergangenen Jahren habe ein besonderes Augenmerk auf dem 31. Oktober gelegen. „Wir haben mit mehreren Kirchen zusammen gefeiert. Wir sind durch die Stadt gezogen und haben an den Kirchen gehalten, damit der Tag in der Öffentlichkeit sichtbar ist“, erinnert sich Biskamp. Die Stadt Marburg sei für die Reformation auch von besonderer Bedeutung, da dort die erste evangelische Universität entstand und die Marburger Religionsgespräche mit Luther und Zwingli stattfanden.

Gedenkgottesdienste in den einzelnen Kirchen

Auch am diesjährigen Reformationstag gibt es Gedenkgottesdienste. Allerdings gedenken aufgrund der Pandemie „alle Kirchen einzeln“, so Biskamp. Den Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche hält Pfarrerin Wöllenstein. „In der Predigt am Sonntag geht es um Freiheit“, erzählt sie. Sie verstehe darunter aber nicht nur die Freiheit für einen selbst, sondern auch für andere, indem man für sie da ist.

Um den Reformationstag noch mehr hervorzuheben, gibt es für Biskamp noch weitere Gedankenspiele. Der 31. Oktober ist in vielen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. 2018 kam er zum Beispiel in Niedersachsen und weiteren nördlichen Bundesländern im Kalender hinzu. In Hessen ist dies jedoch nicht der Fall. Für Biskamp spricht nichts gegen eine Änderung: „Es würde nicht schaden. Ich befürworte es, um sich auf bestimmte Grundwerte zurückzubesinnen. Ich wünsche mir, dass der Tag in Hessen wieder mehr ins Bewusstsein rückt. Es ist durchaus eine Überlegung wert“, meint Biskamp.

Was ist der Reformationstag?

Am 31. Oktober gedenken evangelische Christen jährlich mit dem Reformationstag an das Wirken Martin Luthers. Im Jahr 1517 veröffentlichte Luther in Wittenberg seine 95 Thesen, mit denen er die Kirche seiner Zeit kritisierte. Er prangerte zum Beispiel den Ablasshandel an, mit dem man sich von Sünden frei kaufen konnte. Seine 95 Thesen waren der Startschuss der Reformation. Aus seinen angestoßenen Veränderungen entwickelte sich nach und nach die evangelische Kirche als Gegenentwurf zur römisch-katholischen Kirche.

Zum 500. Jahrestag im Jahr 2017 gab es in ganz Deutschland viele Feierlichkeiten. Jedoch ist der Reformationstag kein bundesweiter gesetzlicher Feiertag. Ein Beispiel dafür ist Hessen, wo der Tag nicht als Feiertag gilt. Trotzdem finden jedoch Gedenkgottesdienste in den Kirchen statt. So auch am kommenden Sonntag in Marburg.

Marburg war im Verlauf der Reformation von Bedeutung. „Die Philipps-Universität ist die erste evangelische Universität und hier fanden die Marburger Religionsgespräche mit Luther und Zwingli statt“, erklärt Ulrich Biskamp, Pfarrer in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien Marburg.

Von Lucas Heinisch