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Marburg Personalmangel: HNO-Station am UKGM geschlossen
Marburg Personalmangel: HNO-Station am UKGM geschlossen
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11:00 16.07.2021
Am UKGM Marburg musste eine HNO-Station geschlossen werden, weil Personal fehlt.
Am UKGM Marburg musste eine HNO-Station geschlossen werden, weil Personal fehlt. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Am UKGM Marburg musste eine Station der HNO-Klinik geschlossen werden – wegen Personalmangels. Nach OP-Informationen gab es binnen kürzester Zeit zahlreiche personelle Ausfälle, die nicht kompensiert werden konnten – in der Folge wurde die Station geschlossen, die Patienten auf andere Stationen verteilt. Offenbar kann die Schließung mehrere Wochen anhalten. Und: Auch in der Radiologie herrscht offenbar Personalmangel, was zu langen Wartezeiten für die Patienten führt.

Frank Steibli, Pressesprecher des UKGM, bestätigt die Informationen. „Wir haben die Kapazitäten der HNO von ihrer Kernstation auf drei definierte andere Bereiche verlegt, da wir akute Krankmeldungen vorliegen haben.“ Der Pressesprecher betont, dass die Patientenversorgung jedoch „vollständig und umfänglich gesichert“ sei. „Wir werden mit den HNO-Patienten sobald als möglich auf die Kernstation zurückkehren“, so Steibli.

Und was ist mit den langen Wartezeiten in der Radiologie? Gibt es auch dort einen personellen Engpass? Dazu teilt der Pressesprecher mit: „Auch unsere Radiologie ist personell umfänglich einsatzfähig.“ Die Neuroradiologie habe seit Kurzem mit Professor André Kemmling einen neuen Direktor „und ist auf einem innovativen Weg. Wir sind derzeit dabei, Personal zu gewinnen.“

Für den Betriebsrat des Uni-Klinikums stellt sich die Personalsituation etwas anders dar, wie der Vorsitzende Frank Eggers erläutert: „Es hat sich durch plötzliche Ausfälle die Situation ergeben, dass man sich Gedanken machen musste, wie die geordnete Patientenversorgung dargestellt werden kann.“ Daher hätten Geschäftsführung und Pflegedienstleitung die Schließung der Station beschlossen – mit dem Ziel, die Patienten umzuverteilen. „Das verbliebene Personal ist den Patienten dann auf die neuen Stationen nachgefolgt“, erläutert Eggers im Gespräch mit der OP. Damit habe eine stabilere pflegerische Versorgung für die Patienten hergestellt werden können. „Der Betriebsrat ist mit der Geschäftsführung in Verhandlung, um ein sinnvolles Konzept zu erarbeiten, wie man mit den Mitarbeitern die Situation gestaltet – und wie lange die Station geschlossen bleiben muss.“

Krisengespräch mit der Geschäftsführung

Mit der Geschäftsführung habe es ein Krisengespräch gegeben. Denn für Eggers steht fest, dass durch die Schließung und die damit verbundene Umverteilung des Personals „nicht an anderen Stellen neue Brennpunkte entstehen“. Klar sei, dass die Patienten auf ihren „neuen“ Stationen „zielsicher und gut versorgt werden“. Zudem habe man auch überlegt, „ob sich daraus etwa auch Chancen zur Entlastung des Stationspersonals ergeben könnten“. Für Eggers steht fest, dass sich das Augenmerk „auf solche Brennpunkte legen muss. Wir sprechen mit der Geschäftsführung häufig über Überlastungsanzeigen und haben aufgrund dieser Meldungen bereits Bereiche im Fokus, wo wir schwierige Personalsituationen sehen.“ Wie viele Patienten von der Verlegung betroffen sind, weiß Eggers nicht, „es gibt ohnehin immer schwankende Zahlen, da die Verweildauer der Patienten ja – je nach Schwere der Erkrankung – unterschiedlich ist“. Fest steht jedoch offenbar, dass die HNO-Station so lange geschlossen bleiben wird, „bis die Personaldecke aufgebaut ist“. Denn erst dann könne man wieder „in geordnete Arbeitsverhältnisse auf dieser Station zurückkehren“. Die Dauer der Schließung hänge also auch von der Bewerbersituation ab, „es laufen wohl viele Bemühungen, um zu schauen, wen man noch generieren kann“, sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Leicht dürfte es jedoch nicht sein, auf die Schnelle geeignetes Personal zu finden, „das kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen“. Denn, so Eggers: „Es steht kein Zylinder auf dem Tisch, auf den man klopft und wo dann das Karnickel herausspringt.“ Ziel könne es jedoch nicht sein, die Kräfte von anderen Stationen abzuziehen.

Und: „Die Rückverlegung der Patienten in eine nicht ausreichend besetzte Station darf nicht stattfinden – das haben wir so vereinbart.“

Auch vonseiten der Geschäftsführung sei dies so kommuniziert worden – man wolle nicht „aus einem Fokus vier machen“.

Von Andreas Schmidt

16.07.2021