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Marburg Rassismus-Erfahrungen seit der frühen Kindheit
Marburg Rassismus-Erfahrungen seit der frühen Kindheit
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10:00 15.06.2020
Ein Kniefall als Solidaritätsbekundung: Stadtallendorfs Fußballer Perry Ofori hofft auf einen gesellschaftlichen Wandel im Hinblick auf Rassismus. Quelle: Marcello Di Cicco
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Marburg

Perry ist nicht nur der Vorname von TSV Eintracht Stadtallendorfs Abwehrspieler Ofori, es ist auch der Zweitname des von einem Polizisten bei einem Einsatz getöteten George Floyd. Über die Welle der weltweiten Solidaritätsbekundungen freut sich Perry Ofori, dessen Vater aus Ghana stammt und dessen Mutter Deutsche ist.

„Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Menschen gegen Rassismus demonstrieren – egal ob in Paris, Amsterdam oder Berlin, wo es zu großen Ansammlungen von Menschen kam, die friedlich protestiert haben. Das hat mich sehr gefreut. Denn dadurch merkt man, dass wir uns in einer Generation befinden, die das Problem verstanden hat“, sagt der 23-jährige Marburger.

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„Jetzt verstehen die Menschen, dass es nicht so weitergehen kann – vor allem in den USA. George Perry Floyds Tod könnte ein Wendepunkt für die heutige Generation sein“, hofft der Abwehrspieler, der sich allerdings über eine Instrumentalisierung der Rassismus-Debatte ärgert.

„Weiße Spieler bekommen so etwas gar nicht mit“

„Es gibt Leute, die etwa bei Instagram ,All Lives Matter’ statt ,Black Lives Matter’ posten. Klar zählt jedes Leben! Aber hier geht es doch um Ausgrenzung von Menschen anderer Religion, Herkunft, Sexualität oder von Menschen, die einfach anders aussehen“, betont Ofori. „Es geht um die Diskriminierung von dunkelhäutigen Menschen, die man vielleicht nicht alltäglich, aber etwa auch im Sport merkt. Wobei weiße Spieler so etwas gar nicht mitbekommen“, spricht der THM-Student aus eigener Erfahrung.

Beim letzten Auswärtsspiel der Eintracht in Dreieich im vergangenen Jahr wurde Ofori rassistisch beleidigt. „Es hieß dann von Zuschauern: ,Nummer 19, geh’ dahin, wo du herkommst.’ Aber auch andere Beleidigungen wie ,Scheiß Schwarzer’, ,Scheiß Nigger’ oder ,Affe’ gehören dazu“, erzählt der 23-jährige Marburger – und gibt weitere Einblicke, was er im Sport schon so alles erlebt hat.

„Ein damaliger Trainer hat mal zu mir gesagt: ,Du musst so spielen wie ein Schwarzer, denn die Leute haben Angst vor Schwarzen.’ Der Satz hat mich geprägt, denn der Trainer war nicht schwarz“, sagt Ofori. „Er wollte mir wohl nur sagen, dass ich anders spielen soll, weil ich anders bin. Aber es ist schon ein Unterschied, ob sowas ein hell- oder dunkelhäutiger Trainer zu dir sagt.“

Rassismus nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag

Doch nicht nur beim Sport, auch im Alltag hat Ofori, der 16 Jahre lang erfolgreich mit der Jugend sowie den Senioren des VfB Marburg aktiv war und 2013 in Duisburg an einem Sichtungsturnier für die deutsche U-16-Nationalmannschaft teilgenommen hat, schon seine Erfahrungen mit Zurückweisung gemacht.

Im Marburger Stadtbus würden Sitzplätze neben oder gegenüber von ihm gemieden – selbst wenn keine oder kaum noch Plätze frei seien. „Das war nicht nur einmal so, sondern öfter“, sagt der Hessenliga-Fußballer, der feststellt: „Persönliche Erfahrungen mit Rassismus mache ich schon von klein auf – darüber könnte ich ein Buch schreiben.“ Will er aber gar nicht.

Viel lieber wären Perry Ofori zwei Dinge: „Dass Menschen andere Menschen nicht anhand von Haut- und Haarfarbe, Sexualität oder Sonstigem beurteilen sollen. Leute sollen sich einfach mal in die Lage des anderen versetzen, wenn sie jemanden nur wegen äußerlicher Merkmale erniedrigen.“

Rassismus habe keine Grenzen. Dennoch verstehe er nicht, warum es noch Menschen gibt, die aufgrund einer Hautfarbe andere diskriminieren. „Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht im 18. Jahrhundert in der Zeit der Sklaverei“, gibt der Fußballer zu bedenken.

von Marcello Di Cicco

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