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Marburg Pauken mit dem Handy in der Hand
Marburg Pauken mit dem Handy in der Hand
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20:25 11.01.2021
Ob Online-Chat oder Aufgaben abrufen: Felix Dersch macht Heimunterricht übers Handy.
Ob Online-Chat oder Aufgaben abrufen: Felix Dersch macht Heimunterricht übers Handy. Quelle: Nadine Weigel
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Bracht

Montagmittag nach den Weihnachtsferien: Felix sitzt zu Hause in seinem Zimmer und tippt auf seinem Handy herum. Auf dem Display erscheint sein Sportlehrer. „Hallo Felix, schön, dass Du Dich eingewählt hast, machen wir es kurz, du hast 14 Punkte“, sagt der Lehrer und lächelt. Felix lächelt zurück, bedankt sich und legt auf. So schnell geht Notenbesprechung im Lockdown.

Seit gestern heißt es für Felix und die meisten anderen Schülerinnen und Schüler Hessens: Raus aus dem Klassenzimmer, zurück ins Kinderzimmer. An den hessischen Schulen wird von der Klasse 7 aufwärts nur noch Distanzunterricht angeboten. Lediglich Abschlussklassen der oberen Jahrgangsstufen sind von den Corona-Lockdown-Regeln ausgeschlossen. Für die Klassenstufen bis 6 ist die Präsenzpflicht aufgehoben. Eltern werden gebeten, ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu lassen.

Für den 18-jährigen Felix Dersch und seine 15-jährige Schwester Hannah kommt das nicht überraschend. „War mir eigentlich klar, dass die Schulen nicht wieder direkt nach den Weihnachtsferien aufgemacht werden, dafür sind die Corona-Zahlen viel zu hoch“, sagt Hannah, die die 9. Realschulklasse der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain besucht. Sie findet die neue Regelung „vernünftig“, auch wenn es zu Hause oft „langweilig“ sei und sie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler vermisse.

Felix, der in die 12. Jahrgangsstufe geht und im nächsten Jahr Abitur machen will, sieht das ähnlich. Er weiß, dass Kontaktbeschränkung die wichtigste Maßnahme zum Eindämmen der Pandemie ist. „Wir haben Viren im Bio-Leistungskurs durchgenommen.“ Vor dem Lockdown habe er sich deshalb oft gefragt, wo denn der Sinn darin sei, „dass man sich im Privaten nicht mit Freunden treffen darf, aber in der Schule Kontakt zu dutzenden anderen hat.“ Vor allem Busfahren wertet er als kritisch. „Klar, man hat immer eine Maske getragen, aber wenn die Schulbusse brechend voll sind, kann man auch keinen Abstand halten“, sagt der Brachter und gibt zu, dass er deshalb auch lieber selbst mit dem Auto nach Kirchhain gefahren ist.

Sein Fazit nach dem ersten Tag Distanzunterricht im zweiten Lockdown: „Besser als beim ersten Lockdown im Frühjahr.“ Damals seien alle überrumpelt gewesen und überhaupt nicht vorbereitet. Nun würde das zumindest an seiner Schule schon besser laufen. Bereits am Freitag habe seine Geschichtslehrerin den Stoff für den ersten und zweiten Schultag zum Download bereitgestellt. Das Gute am Homeschooling sei die Freiheit, sich die Aufgaben einzuteilen. „Ich schlafe gern ein bisschen länger und bin ganz froh, dass ich nicht wie sonst um 6.30 Uhr aufstehen muss“, gibt er augenzwinkernd zu. Aber es sei schon wichtig, sich den Alltag klar zu strukturieren und nicht alle Aufgaben auf den letzten Drücker zu erledigen.

Bessere Strukturen würde er sich auch von Seiten der Lehrer wünschen. Jede Lehrkraft nutze unterschiedliche Online-Plattformen, um mit den Schülerinnen und Schülern zu kommunizieren oder Aufgaben bereitzustellen. Das sei manchmal etwas unübersichtlich. Zudem hätte er sich auch erhofft, dass ältere Lehrer besser unterstützt würden. Denn viele Lehrkräfte im fortgeschrittenen Alter seien „ziemlich überfordert“, was Technik angehe. Digitale Unterrichtsmethoden beschränkten sich dann oft auf das Verschicken von Arbeitsblättern per Mail. Unterricht per Online-Meetings gebe es eher selten. Das sei ein „bisschen schade“, denn der direkte Austausch mit Mitschülern und Lehrkräften würde schon fehlen. „Aber wenn man mit 25 Leuten in einem Online-Meeting ist, kann das auch anstrengend sein. Sowas macht auch nur in kleineren Gruppen Sinn“, findet Felix.

Seine Schwester Hannah hofft, dass die Coronazahlen bald rückläufig sind und sie möglichst bald wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren kann. „Denn da lernt man einfach besser als allein zu Hause“.

Von Nadine Weigel

Reaktionen aus dem Netz

Die OP hat auf ihren Kanälen in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram gefragt, wie die Erfahrungen am ersten Tag im erneuten Distanzlernen waren, was gut lief und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Hier ist eine Auswahl der Antworten von Nutzern der Portale:
Der Schulstart war super. Moodle und Sdui-Schulportale total überlastet. Videokonferenzen waren nicht möglich.
Verbesserungsbedarf dringend bei den Kindern, die nur aufgrund Risikogruppe im Homeschooling sind. Es darf keine Nachteile haben. Die Noten dürfen nicht den Bach runter gehen. Da muss eine Reglung her.
Deutschland hat eher einen Impfstoff hinbekommen als die Digitalisierung der Schulen.
Die Schulcloud ist morgens wie erwartet zusammengebrochen.
Weniger gut: Immer noch ungeklärt, wie und ob Eltern ihren Ausfall bei der Arbeit bezahlt bekommen.
Bei uns in der Grundschule läuft es gut! War alles gut vorbereitet für die Kinder im Distanzunterricht.
Großes Lob an die Stiftschule. Alles top organisiert und Unterricht nach Lehrplan.
Habe 5 Kinder: Katastrophal! System nicht durchdacht / effektiv o. ä.
Das Schulportal Hessen läuft halbwegs stabil. Immerhin ...
Vorbereitung war gut, aber die Umsetzung eine Katastrophe, wegen technischer Probleme.

11.01.2021
11.01.2021