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Marburg Stolz und Optimismus bei Sozialdemokraten
Marburg Stolz und Optimismus bei Sozialdemokraten
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15:59 22.11.2021
Rote Sitze, rote Wahlkladden: Die Delegierten des SPD-Unterbezirksparteitags Marburg-Biedenkopf traten am Samstag im Cineplex selbstbewusst und optimistisch auf.  
Rote Sitze, rote Wahlkladden: Die Delegierten des SPD-Unterbezirksparteitags Marburg-Biedenkopf traten am Samstag im Cineplex selbstbewusst und optimistisch auf.   Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

„Die SPD schlägt zurück – Teil 20 der großen Sozi-Saga“, steht auf einem Plakat vor dem großen Saal 4 des Marburger Cineplex, wo am Samstag 90 von 147 möglichen Delegierten am Parteitag des SPD-Unterbezirks Marburg-Biedenkopf teilnehmen, der rund 2 100 Mitglieder hat. Die Stimmung ist gelöst, optimistisch.

Kein Wunder: Es sah schon schlechter aus für die stolze, 1863 von August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Ferdinand Lassalle in Leipzig gegründete Partei, die sich immer als Anwalt der Arbeiter und sozial Schwachen definierte, bis Ex-Kanzler Gerhard Schröder die SPD mit seiner Agenda 2010 in ihren Grundfesten erschütterte.

Das scheint überwunden. Nach vielen ernüchternden Wahlschlappen der vergangenen Jahre ist es den Sozialdemokraten bei der jüngsten Bundestagswahl im September gelungen, stärkste Fraktion zu werden. Wenn bei den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen und der FDP in Berlin nichts gewaltig schiefläuft, wird sie mit Olaf Scholz den nächsten Bundeskanzler stellen. Sören Bartol, der zum sechsten Mal das Direktmandat im Kreis Marburg-Biedenkopf eroberte – „mit 15 000 Stimmen Vorsprung“, wie er stolz sagt, ist zuversichtlich: „Die SPD ist wieder da. Wer hätte gedacht, dass wir am Ende diese Bundestagswahl gewinnen. Wir werden endlich wieder den Bundeskanzler stellen mit Olaf Scholz – das ist einfach großartig.“

„Jede Koalition erfordert Kompromisse“

Doch warnt er die Genossinnen und Genossen schon mal vor, dass eventuell nicht alle SPD-Vorstellungen umgesetzt werden könnten: Die Verhandlungen zwischen drei eigenständigen Parteien mit eigenen Zielen und Vorstellungen seien schwierig. „Jede Koalition erfordert Kompromisse“, betont Bartol. „Aber ich bin Optimist, ich glaube, dass wir das hinbekommen.“ Er sieht jedoch auch die großen Herausforderungen für die Ampel und nennt neben der Corona-Pandemie den Fachkräftemangel, die digitale Zukunft und die Krise an der Grenze zwischen Belarus und Polen, wo Tausende Migranten gestrandet sind.

Der Unterbezirksparteitag wird, wie derzeit alles, überschattet von der vierten, heftigen Welle der Corona-Pandemie. Dazu äußert sich Bartol eindeutig: „Mit fehlt jegliches Verständnis für diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, obwohl sie es könnten. Das ist hochgradig unsolidarisch. Ihnen verdanken wir die Situation, in der wir sind.“

Dafür gibt es viel Beifall der Delegierten, die es ähnlich sehen wie ihr Unterbezirksvorsitzender. Es seien äußerst schwierige Zeiten für Wirtschaft, Kultur und insbesondere das Personal in den Kliniken, das unter der Last ächze, so Bartol weiter. In der Berliner SPD-Fraktion und auch in den anderen Fraktionen werde das Thema Impfpflicht derzeit ernsthaft diskutiert. Es sei keine einfache Diskussion, und es gehe nicht in erster Linie um eine allgemeine Impfpflicht, sondern um eine Impfpflicht für Beschäftigte in bestimmten Einrichtungen, etwa in der Pflege oder in der Arbeit mit Kindern.

„Der Kreis bleibt rot“

Bartol freut sich über das Wahlergebnis: „Die SPD bleibt die bestimmende kommunale Kraft im Landkreis. Der Kreis bleibt rot.“ Wieder lauter Beifall. Mit Kirsten Fründt, die wegen ihrer Erkrankung nicht am Parteitag teilnehmen konnte, stellt die SPD die Landrätin, mit Dr. Thomas Spies den Oberbürgermeister Marburgs, der größten Stadt des Kreises, um nur zwei Amtsträger zu nennen.

Marburgs OB Spies begrüßt die Delegierten „in der unzweifelhaft schönsten Metropole der Welt“. An die SPD-Mitglieder wendet er sich mit den Worten: „Wir sind die, die dieses Land, diese Stadt zusammenhalten.“ Zu den Biontech-Gewerbesteuern in Höhe von rund 300 Millionen Euro sagt Spies: „Wir streben gute Kooperationen über die Stadtgrenzen hinaus an, wollen in guter Nachbarschaft die Region voranbringen.“

Der Marburger Koalitionsvertrag mit den Grünen, der Klimaliste und der Linken sei nach acht bis neun Monaten ausgehandelt – „das ist fast eine Schwangerschaft“, witzelte Thorsten Büchner, der Vorsitzende der Marburger SPD, in seinem Grußwort. „Mit vier Parteien wird das eine spannende und herausfordernde Veranstaltung“, meint er mit Blick auf die Zukunft. Herausfordernd sind seiner Ansicht nach auch die „nicht immer vergnügungssteuerpflichtigen“ Marburger Stadtverordnetensitzungen: „Wenn Netflix ausgeschaut ist, im Fernsehen nur kirgisische Stummfilme laufen, dann schaut doch mal vorbei.“

Auch der langjährige Marburger SPD-Vordenker Norbert Schüren gratulierte Bartol zu seinem Wahlsieg: „Wir haben es nicht immer leicht gehabt miteinander, aber ich habe den Eindruck, dass du ein richtig guter Abgeordneter bist.“ Schüren sieht sogar ein sozialdemokratisches Jahrzehnt heraufziehen. Der Juso-Vorsitzende Felix Burkhardt fordert von der Partei, „die sozial-ökonomische Wende“ voranzutreiben.

Von Uwe Badouin

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