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Marburg Pendler sauer
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11:58 10.01.2020
Reiner Losekamm steht auf dem Parkdeck am Hauptbahnhof, das wegen Sanierung komplett gesperrt wird. „Eine Frechheit“, findet er. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Morgens um 6 Uhr verlässt Reiner Losekamm zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sonja Weber das Haus in Großseelheim. Beide arbeiten in Frankfurt beziehungsweise in Eschborn.

Abends um 17.30 Uhr sind sie wieder in Marburg und fahren dann mit dem Auto zurück in den Kirchhainer Ortsteil. Das Auto steht tagsüber seit Jahren auf dem Parkdeck der Stadtwerke direkt am Hauptbahnhof. 420 Euro bezahlen sie dafür jährlich.

Ab Montag, 13. Januar, ist damit erst einmal Schluss. Denn die Mar­burger Stadtwerke sperren das Deck für etwa sieben ­Monate. Es soll nach etwa 30 Jahren ­komplett saniert werden.

Stadtwerke: Kunden werden profitieren

Bereits in den Sommerferien im vergangenen Jahr war es zu einer Teilsperrung gekommen, weil es Reparaturmaßnahmen im Untergeschoss gegeben hatte. Dieses Mal umfasst die Maßnahme „eine dringend notwendige Betonsanierung auf beiden Parkebenen, die Erneuerung aller Fahrbahnbeläge, der Rampenheizung und der Beleuchtung sowie die Renovierung aller Gitter. Es wird ein neues Parkabfertigungs- und ein neues Videoüberwachungssystem installiert. Das Parkdeck erhält im Untergeschoss einen neuen Farbanstrich“, informieren die Stadtwerke auf OP-Nachfrage.

1,6 Millionen Euro investiert das kommunale Unternehmen und verspricht: „Die Kunden des Parkdecks Hauptbahnhof werden von dem neuen Parkabfertigungssystem und von dem grundlegend überholten Parkdeck profitieren.“

Dass die Sanierung notwendig ist, das findet auch Reiner Losekamm. Dass er dadurch allerdings pro Tag etwa eine Stunde zusätzlich unterwegs sein soll, das ist für ihn eine „Frechheit“. Denn die Ausweichparkplätze an der ­Wilhelm-Röpke-Straße und am Afföller sind etwa 20 bis 30 Minuten Fußweg entfernt. Sie sind zwar mit dem ÖPNV sehr gut zu erreichen. Eine Zeitersparnis bringt das aber nicht wirklich.

„Leider stehen keine ortsnahen Parkplätze für die Dauerparker zur Verfügung“, so die Stadtwerke, die aber betonen: „Der Fahrplan der Bus­linien ist weitgehend auf die ­Abfahrts- und Ankunftszeiten am Hauptbahnhof abgestimmt. Es lässt sich jedoch nicht vermeiden, dass die eine oder andere Übergangszeit vorkommen wird.“

Alternative: 30.000 Kilometer per Auto

„Für uns Pendler ist es nicht schön, hier für sieben ­Monate verbannt zu werden“, ärgert sich Reiner Losekamm, der vor allem aus ökologischen Gründen mit der Bahn zur Arbeit fährt, über die Komplettsperrung. Er wird jetzt den Mietvertrag für die Dauer der Sperrung still legen und ab Montag mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Denn ein Start ab Kirchhain ist keine Alternative. Der Abendzug aus Frankfurt endet in Marburg, eine Weiterfahrt nach Kirchhain ist nur mit einer langen Aufenthaltsdauer in der Universitätsstadt möglich. „Dann lieber das Auto. Wenn kein Stau ist, dann legen wir zumindest zeitlich nicht drauf“, hat er ausgerechnet.

Allerdings wird er jede Woche 1.000 Kilometer fahren. Das macht in sieben Monaten fast 30.000 Kilometer. „In Zeiten von Klimanotstand mache ich mir Sorgen um meinen CO2-Fußabdruck“, sagt Reiner Losekamm.

von Katja Peters