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Marburg Das Gesicht hinter dem Corona-Testcenter
Marburg Das Gesicht hinter dem Corona-Testcenter
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13:58 03.12.2020
Wer macht Dienst und testet die Menschen? Dr. Barbara Froehlich ist die Ärztin, die den Ablauf im Marburgr Corona-Testzentrum seit Beginn und bis heute koordiniert.
Wer macht Dienst und testet die Menschen? Dr. Barbara Froehlich ist die Ärztin, die den Ablauf im Marburgr Corona-Testzentrum seit Beginn und bis heute koordiniert. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Noch einmal kurz aufs Handy schauen, eine Nachricht lesen, Antwort tippen, Notiz machen – für die Arbeit von Dr. Barbara Froehlich ist ein Smartphone so wichtig geworden wie ein Stethoskop. Die Hausärztin, die ihre Praxis in der Marbach hat, horcht und tastet seit Monaten nicht nur Patienten, mal mit mal ohne Corona-Verdacht ab. Sie kümmert sich seit Tag 1 der Pandemie auch um den Betrieb des Testcenters, das erst in Cappel, dann am Georg-Gaßmann-Stadion und seit Wochen am Messeplatz operiert. Froehlich ist die Frau im Hintergrund, die dafür sorgt, dass täglich Ärzte Abstriche machen, Proben in Labore geschickt und Verwaltungsaufgaben erledigt werden.

„Das muss einfach laufen. Die Testungen sind das Rückgrat zur Eindämmung“, sagt sie. Aber: Die Tests machen sich – jedenfalls solange es keine simpel anwendbaren Schnelltests für Zuhause gibt – nicht von alleine und sind von der Durchführung nicht ganz ohne. Also: Ärzte, medizinisches Personal muss dafür her. Regelmäßig, verlässlich. Froehlich ist es, die das garantiert, die es organisiert und deshalb seit Monaten einen Dienstplan von Freiwilligen erstellt. „Groß fragen musste ich nicht, viele Kollegen haben sich sofort und aller Sorgen zum Trotz bereit erklärt, zu helfen“, sagt sie. Das ist auch die Hoffnung, wenn es am Messeplatz nicht nur ein Test-, sondern auch ein Impfzentrum gibt (OP berichtete).

400 Tests pro Tag? Mittlerweile fast Routine für das Personal

Im Frühjahr habe es Tage mit bis zu 150 Testungen gegeben – eine Last, unter der die Dutzendschaft der Mediziner schon zusammenzubrechen glaubte. „Heute, mit Routine sind solche Phasen fast ein Klacks“, sagt Froehlich. Denn: In den ersten Messeplatz-Tagen, also zu Beginn der zweiten Corona-Welle gab es Tage jenseits der 400er-Marke.

Als es im Februar, März dieses Jahres mit Covid-19 auch in Deutschland ernst wurde, arbeiteten Politik und die Kassenärztliche Vereinigung ein landesweites Testcenter-Konzept aus. Es brauchte aber vor Ort jemanden, der das umsetzt. Der weiß, was mit wem zutun ist. Die Wahl fiel auf Froehlich, die bereits seit Jahren den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD), mittlerweile am Uni-Klinikum auf den Lahnbergen angesiedelt, koordiniert.

Und da kommt dann das Handy ins Spiel: Froehlich gründete flugs eine Chat-Gruppe, lud den ÄBD-Pool ein, setzte aufs Schneeballsystem, um möglichst viele Mitmach-Mediziner zu finden. Entstanden ist ein Netzwerk, das große Teile der Ärztegenossenschaft „Prima“ in Marburg-Biedenkopf umfasst. Und das nicht nur für den Testcenter-Betrieb, sondern für die Lösung ganz praktischer Fragen im Umgang mit Corona und anderen Krankheitsbildern dient. Hat jemand noch Schutzhandschuhe? Könnte dafür einige FFP2-Masken abgeben. Patient X klagt über diese und jene Schmerzen, hat jemand eine Diagnose-Idee?

„Wenn es an Corona eine gute Sache gibt, dann die: Man arbeitet im Gesundheitswesen noch enger zusammen, der Austausch ist besser denn je, der Blick auf die Patienten weitet sich“, sagt Froehlich. Allgemeinmediziner, Fachärzte, Medizinische Angestellte: Man helfe sich untereinander. Etwas, das nicht nur im Hinblick auf die bevorstehende Massenimpfung in der Universitätsstadt so bleiben solle.

Von Björn Wisker

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