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Marburg Pandemie drückt auf erste Inklusionserfolge
Marburg Pandemie drückt auf erste Inklusionserfolge
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08:58 21.03.2021
Derzeit ist kaum etwas möglich, auf die Belange der Menschen mit Downsyndrom aufmerksam zu machen. Daran soll eine Video-Reihe etwas ändern. Start der Reihe ist am Sonntag.
Derzeit ist kaum etwas möglich, auf die Belange der Menschen mit Downsyndrom aufmerksam zu machen. Daran soll eine Video-Reihe etwas ändern. Start der Reihe ist am Sonntag. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Die Elterngruppe Downsyndrom21 Marburg startet am Sonntag anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages 2021 in Kooperation mit dem Lebenshilfewerk Marburg-Biedenkopf und dem Lebenshilfe Landesverband Hessen eine Mitmach-Video-Reihe. Mit den Filmen, die die Zuschauer zum Tanzen, Karate, Yoga einladen und in den nächsten Monaten veröffentlicht werden, möchten die drei regionalen Vereine auf das Menschenrecht Inklusion aufmerksam machen.

Jedes Jahr machen Familien, Angehörige, Erwachsene und Kinder mit Downsyndrom am „21.3.“, dem Welt-Down-Syndrom-Tag, mit Kampagnen, Infoständen und Demonstrationen durch die Innenstädte auf die mangelnde Umsetzung des Menschenrechts auf Teilhabe, zum Beispiel in Schule und Gesellschaft aufmerksam.

So nutzte die Elterngruppe Downsyndrom21 Marburg in Zusammenarbeit mit weiteren lokalen Vereinen in den vergangenen Jahren den Rathausplatz zum Protestieren und Feiern für ein inklusives Gemeinwesen. Im Zuge pandemiebedingter Kontakteinschränkungen kann diese Aktion in diesem Jahr nicht stattfinden. Doch ersatzlos streichen war für die Eltern keine Option. So erfand man kurzerhand eine virtuelle Kampagne. Gerade in diesen Zeiten ist Aufmunterung gefragt.

Überall in Deutschland gibt es Elternselbsthilfegruppen, die sich für bessere Lebensbedingungen von Menschen mit Downsyndrom einsetzen. Der Kampf und das Engagement für die Teilhabe und Inklusion ihrer Kinder, zum Beispiel in Regelschulen, Vereinen und Freizeiteinrichtungen ist in normalen Zeiten bereits schwer, in Pandemie-Zeiten, beim Aussetzen von Präsenzbeschulung sowie Absage von Vereinsangeboten umso mehr.

Viele Mitglieder der Marburger Elterngruppe befürchten pandemiebedingt große Rückschritte hinsichtlich ihrer Inklusionserfolge. Teilhabe lebt von Begegnung, Entwicklung benötigt gemeinsame Erfahrungen mit anderen Kindern, dies gilt im Besonderen für Kinder mit Downsyndrom oder einer anderen Behinderung. All das fehlt während der Corona-Pandemie. Eigentlich ist den Eltern und Familien aufgrund der beschriebenen Entwicklung nicht zum Feiern zumute.

„Doch gerade jetzt braucht es ein Zeichen der Hoffnung. Für uns, unsere Kinder und die Gesellschaft“, so Beatrix Tittmann aus der Elterngruppe. „Gerade dem Bereich Familie|Bildung|Kultur für Menschen mit Behinderung macht die Corona-Pandemie besonders zu schaffen. Wir leiden mit, dass auch in diesem Jahr bereits zahlreiche unserer geplanten, inklusiven Angebote nicht stattfinden konnten. So ist dieses Film-Projekt eine tolle Gelegenheit, etwas Hoffnung zurückgeben zu können und Vorfreude zu vermitteln. Wir waren von der Idee sofort begeistert“, freut sich Sebastian Weber von Familie, Bildung, Kultur des Lebenshilfewerks. Gemeinsam überlegten die drei Vereine, was Marburger Bürgerinnen und Bürger und unsere Gesellschaft in diesen Zeiten brauchen. Die Antwort kam schnell: Menschlichkeit, Aufmunterung, Berührung und Hoffnung. So war die Idee einer digitalen Mitmachkampagne geboren, die vor allem eines soll: Mut machen. Gemeinsam mit dem Team von Familie, Bildung, Kultur des Lebenshilfewerks entstanden und entstehen Mut machende und mutige Videos, die in den nächsten Monaten nach und nach veröffentlicht werden.

Das erste Video geht am Sonntag, 21. März, pünktlich zum Welt-Down-Syndrom-Tag um 3.21 Uhr an den Start. In Kooperation mit der Tanzschule Seidel, dem Karate Dojo Marburg und dem Hot Yoga Studio Marburg zeigen die drei Vereine Mitmachangebote, die „Begegnung inklusive“ sowie Spaß, Freude und Bewegung ermöglichen, angeleitet von professionellen Übungsleiterinnen und -leitern, vor- und mitgemacht von Familien der Down-Syndrom-Gruppe und als gemeinsames Geschenk an die Marburger Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme und Teilhabe. Die ersten Filme, entstanden unter strenger Einhaltung der bestehenden Hygieneverordnungen, bieten einen inklusiven Einstieg in das Tanzen und in Selbstverteidigung. Auch fernab des gemeinsamen Projektes setzen sich alle Kooperationspartner bereits seit Jahren ganz praktisch für Inklusion in ihrem Sport ein. „Vorbildhaft und Nachahmenswert“, so Alexander Mühlberger vom hessischen Landesverband der Lebenshilfe.

Die Filme sind ab Sonntag auf dem YouTube-Channel des Lebenshilfewerks Marburg-Biedenkopf und auf den Social-Media-Kanälen der drei Vereine zu finden. Mehr auf www.downsyndrom21-marburg.de

Von unseren Redakteuren

20.03.2021
20.03.2021