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Marburg Hilfe und Gefahr zugleich
Marburg Hilfe und Gefahr zugleich
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12:00 26.07.2019
Bei hohen Ozonwerten sollte Anstrengung vermieden, körperliche Betätigung möglichst in die Morgen- und Abendstunden verlegt werden. Quelle: Friso Gentsch
Marburg

Normalerweise befindet sich in der Luft nur so viel Ozon, dass die Konzentration harmlos für den Menschen ist: 100 Mikrogramm pro Kubikmeter. In Marburg wurde am Mittwoch der „Hessenschau“ zufolge ein Höchstwert von 162 gemessen – ab 180 müssen die Behörden die Bevölkerung informieren.

Laut Umweltbundesamt ist Ozon ein Reizgas, das die Schleimhäute der Augen und der Atemwege reizt, die Lungenfunktion einschränkt und die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Langfristig kann es auch zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Der Alarmzustand wird bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht. Entlang der gesamten westlichen Grenze Deutschlands wurden in den letzten Wochen bisher die höchsten Werte gemessen. In Hessen wurde der Wert von 180 an fünf Messstationen überschritten, berichtete das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie: in Wiesbaden-Süd, auf dem Kleinen Feldberg, in Riedstadt, Raunenheim und Limburg. In Wiesbaden wurde mit 195 der höchste Wert gemessen. In den nächsten Tagen erwartet das Landesamt „ähnlich hohe oder sogar höhere Ozonwerte, insbesondere in Süd- und Mittelhessen sowie in Höhenlagen über 350 Metern“.

Eine Überschreitung der Alarmschwelle von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter wird nicht ausgeschlossen. Dann kann an die Bevölkerung appelliert werden, das Auto stehen zu lassen. Abgase und industrielle Schadstoffe können die Ozonbildung befördern. Dazu zählen laut Umweltbundesamt vor allem Stickstoffoxide und flüchtige Kohlenwasserstoffe. Jedoch zerfällt Ozon größtenteils wieder, wenn nach der starken Erhitzung eine langsame Abkühlung erfolgt.

Ozonschicht schützt vor UV-Strahlen der Sonne

Ozon setzt sich aus drei Sauerstoffatomen zusammen. Dieses instabile Molekül zerfällt in kürzester Zeit in Sauerstoff. Durch diesen Zerfallprozess ist es ein sehr starkes Oxidationsmittel, das zweitstärkste, um genau zu sein. Ozon ist ein farbloses, giftiges und chemisch sehr reaktives Gas und wie Kohlendioxid ein Treibhausgas, das zur Erderwärmung beiträgt. Für die Atmosphäre ist es allerdings wichtig. Denn zwischen 15 und 30 Kilometer über dem Erdboden bildet es mit seiner höchsten Konzentration die Ozonschicht. Dort befinden sich zirka 90 Prozent des Ozonaufkommens. Die unsichtbare Schutzhülle des Planeten filtert zum Großteil die Ultraviolettstrahlen (UV-Strahlen) der Sonne. So trägt Ozon dazu bei, dass wir uns draußen frei bewegen können und die Gefahr vor Sonnenbrand und Hautkrebs nicht steigt.

Zusätzlich wird das Ozon überwiegend mittels menschlicher Tätigkeit, aus Sauerstoff und Luftverunreinigungen gebildet. Industrielle Schadstoffe sowie Abgase sorgen wiederum für einen stetigen Abbau der Ozonschicht. Infolgedessen dringen mehr UV-Strahlen auf den Erdboden.

Menschen reagieren unterschiedlich auf Ozon. Laut Umweltbundesamt reagieren etwa zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung besonders empfindlich auf das aggressive Gas. Kleinkinder, Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen – wie Lungen- und Herzkreislauferkrankungen – sind bereits bei Werten von 120 bis 150 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gefährdet. Alle anderen ab einem Wert von 160. Die Gefahr von Asthmaanfällen und Reduzierung der körperlichen Ausdauer drohen bei Werten über 240 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Wer draußen in den Mittagsstunden Sport treibt oder sich anderweitig beschäftigt, atmet besonders viel ozonbelastete Luft ein. Daher rät das Umweltbundesamt, körperliche Betätigung möglichst in die Morgen- oder Abendstunden zu verlegen.

von Cudi Altay